Seit 20:03 Uhr In Concert

Montag, 16.07.2018
 
Seit 20:03 Uhr In Concert

Kompressor | Beitrag vom 09.01.2018

YouTube gegen Sebastian TomczakCopyright auf "Weißes Rauschen"?

Moritz Metz im Gespräch mit Gesa Ufer

Beitrag hören Podcast abonnieren
(imago stock&people)
Weißes Rauschen auf einem Fernsehgerät. (imago stock&people)

Weißes Rauschen klingt wie ein Fernseher nach Sendeschluss und soll entspannungsfördernd sein. Doch hat es auch ein Copyright? Zumindest sieht sich Musik-Techniker Sebastian Tomczak jetzt Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen auf YouTube gegenüber.

Es gibt Menschen, die schlafen nirgendwo so gut wie nachts nach Sendeschluss vorm rauschenden Fernseher. Der australische Musik-Technologie-Spezialist und Professor Sebastian Tomaczak hat schon im Jahr 2015 ein Zehn-Stunden-Video mit sogenanntem "Weißen Rauschen" bei YouTube hochgeladen. Und sieht sich plötzlich fünf Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen gegenüber:

"Der Kläger ist in diesem Fall ein Algorithmus von YouTube, der heißt Content ID", sagt der Netzjournalist Moritz Metz. "Damit können Urheberrechtsinhaber auf YouTube eben feststellen, ob jemand anderes ihre Inhalte noch mal irgendwo bei Youtube hochgeladen hat."

Das von Sebastian Tomczak generierte weiße Rauschen sei von dem Algorithmus fünfmal als Copyrightverletzung erkannt woren, weil es in dessen "Ohren" genauso klang wie das weiße Rauschen anderer Produzenten.

Dass ein Geräusch wie das weiße Rauschen wirklich urheberrechtlich geschützt sei, glaubt Metz nicht.

"Als Laienjurist würde ich sagen, die Schöpfungshöhe ist wirklich nicht gegeben, es gibt kein Mindestmaß an Originalität, wie das YouTube selber auch nennt. So ein Rauschen kriegt man in fünf Minuten selbstgebastelt mit kostenloser Software."

Übermacht der Algorithmen

Dennoch verweise der Fall auf ein echtes Problem: die Fehleranfälligkeit von Algorithmen.

"Pro Minute werden auf Youtube über 400 Stunden Material hochgeladen - das kann man sich kaum vorstellen - und selbst bei 99,9-prozentig richtiger Erkennungsquote gibt es jeden Tag tausende Fehlerkennungen."

Insofern rechnet Metz damit, dass solche Fälle uns in Zukunft häufiger beschäftigen würden.

"Hier ist es ja noch harmlos. Aber wenn eine Künstliche Intelligenz, ein Algorithmus am Berliner Bahnhof Südkreuz aufgrund der Gesichtserkennungskameras, die dort montiert sind, Unschuldige als Terroristen erkennen will und dann ein Großeinsatz kommt, dann wird die Macht der Algorithmen auf jeden Fall zum Problem."

(uko)

Mehr zum Thema

Welttag des audiovisuellen Erbes - Nur Analoges hält tausend Jahre
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 27.10.2017)

Netzkultur - Alternative zum Spiele-Mainstream
(Deutschlandfunk Kultur, Breitband, 20.08.2016)

Fazit

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur