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Lange Nacht / Archiv | Beitrag vom 15.01.2011

Working Class Heroes

Hanns Eisler und John Lennon in einer Langen Nacht

John Lennon (1940-1980), undatiertes Foto (AP)
John Lennon (1940-1980), undatiertes Foto (AP)

Es ist Hanns Eislers letzte Reise: Im Januar 1962 erklingt seine große "Deutsche Sinfonie" in der englischen Erstaufführung in London. Die BBC überträgt das Werk des "Komponisten der Arbeiterklasse" landesweit, Eisler kommt mit Freunden aus der Exilzeit, Künstlern und jungen Musikern in einem Pub zusammen, er erzählt vom Widerstand gegen Nazideutschland, von seinem Lehrer Arnold Schönberg, vom Freund Bertolt Brecht.

Für den jungen John Lennon, geboren im Kriegsjahr 1940, ist die Begegnung mit dem Komponisten des "anderen" Deutschland außerordentlich aufschlussreich. Er steht am Beginn einer Weltkarriere mit seiner Band, den Beatles. Lennon erfährt, dass Eislers Lieder einst auf den Straßen in ganz Europa gesungen wurden. Und Eisler, der weltbekannte Komponist, weiß um das Phänomen des britischen Mersey-Beat und einer in Hamburg entstandenen, vitalen Musikszene. Die beiden Jahrhundert-Musiker Eisler und Lennon kommen auf wundersame Art im Januar 1962 in London zusammen und haben sich in ihrem unkompliziert-vergnüglichen Dialog erstaunlich viel mitzuteilen.


Politisch umstritten: Der Komponist Hanns Eisler (2. v.r.) in New York (AP)Der Komponist Hanns Eisler (2. v.r.) in New York (AP) Die Internationale Hanns Eisler Gesellschaft (IHEG) wurde am 21. Mai 1994 in Berlin gegründet. Sie widmet ihre Arbeit der Erforschung und weiteren Verbreitung der Werke Hanns Eislers.

John Lennon (offizielle Website)


Thomas Freitag weiß, was sich John Lennon und Hanns Eisler gesagt haben: Wer hätte das gedacht, dass sich John Lennon und Hanns Eisler im Januar 1962 in einem Londoner Wirtshaus respektvoll begegnet sind? Der eine, noch nicht langhaarig, war im Begriff, mit den Beatles eine Kulturrevolution vom Zaune zu brechen. Der andere, ein Protagonist der Moderne, hatte die ästhetische Revolution der Zwölftonmusik mit seinem Bekenntnis zum revolutionären Kommunismus verbunden. Und beide, der 21-jährige Aufstrebende und der 63-jährige Veteran, haben sich über ihr Leben und ihre Musik offenherzig ausgesprochen.
Thomas Freitag, ein Musikwissenschaftler aus Potsdam, liefert in dem Buch "Das Neue so merkwürdig ..." nicht nur den Wortlaut des Dialogs. Er leuchtet auch die historischen und lebensgeschichtlichen Hintergründe aus. (aus Märkische Allgemeine, Sept. 2010)
Weiterlesen:


Buchtipp:

Thomas Freitag
"Das Neue, so merkwürdig ..."
Hanns Eisler, John Lennon.
Die Gespräche
Neues Leben, 2010
Die Sensation: Lennon trifft Eisler. Eine unglaubliche Unterhaltung "Und wo das Neue so merkwürdig riecht und so merkwürdig aussieht, da bin ich als Komponist ganz begeistert." Hanns Eisler, 5. Juli 1962 "Wir waren gut. Zumindest waren wir für die damalige Zeit gut." John Lennon über seine frühesten Musikaufnahmen.

Lange Nacht

Lange Nacht über Tiefe in der MusikInto the Deep
Eine Frau steigt am Münchner Lenbachhaus in einen überdimensionalen Trichterlautsprecher. Zu jeder vollen Stunde sendet die Installation des Künstlers Benjamin Bergmann einen sehr tiefen, brummenden Basston aus, der zwar nicht laut, aber physisch spürbar ist. (picture alliance / dpa / Matthias Schrader)

Von Klassik über Jazz und Blues bis zu Folk und Rockmusik - seit jeher gilt Tiefe als besonderes Qualitätskriterium. Wo es Musik gelingt, Empfindungen auszudrücken oder Erfahrungen zu reflektieren, dringt sie in die Seele ihrer Zuhörer. Mehr

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