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Fazit / Archiv | Beitrag vom 26.02.2019

Wolfsburger KunstmuseumTransparent wie eine Politbürositzung

Carsten Probst im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Andreas Beitin, zukünftiger Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg, stellt am 26. Februar 2019 während einer Pressekonferenz lächelnd das Jahresprogramm für 2019 vor. (Peter Steffen/dpa )
Andreas Beitin tritt am 1. April seine neue Stelle als Direktor im Kunstmuseum Wolfsburg an (Peter Steffen/dpa )

Vor einigen Monaten wurde der Chef des Wolfsburger Kunstmuseums, Ralf Beil, freigestellt. Eine Begründung für die Entscheidung gab es auch bei der Vorstellung seines Nachfolgers Andreas Beitin nicht, berichtet Carsten Probst.

Die Verantwortlichen für das Museum unter Vorsitz von Otmar Böhmer hätten sich in der Frage nach dem Grund der Neubesetzung auch weiterhin hinter Formalitäten verschanzt – wie etwa der Verweis auf ein laufendes arbeitsrechtliches Verfahren – meint Kunstkritiker Carsten Probst. Er hat die Pressekonferenz mit dem neuen Leiter des Wolfsburger Kunstmuseums Andreas Beitin mitverfolgt.

Die Verantwortlichen hätten Wert darauf gelegt, dass Beils Aussage, sein Rauswurf sei abrupt gewesen, nicht zutreffend sein könne, weil man schon wenige Tage später Andreas Beitin als Nachfolger für dieses hochkarätige Amt habe präsentieren können.

Ähnliche Programmatik

Denkwürdig für Carsten Probst ist, dass sich die Programmatik von Beitin, der ab April sein neues Amt antreten wird, fast nicht von der seines Vorgängers Ralf Beil unterscheide.

"Er hat vielleicht eine etwas andere Vorstellung bei der Lichtkunst. Im Programm sieht man, dass er eine Ausstellung 'Light of Politics - Politics of Light' plant. Und er plant eine Ausstellung über Feminismus, also durchaus auch mit einem politischen Einschlag", so Probst.

Auch wenn bei der Pressekonferenz keine klaren Aussagen zur Ablösung von Ralf Beil gemacht wurden, habe der Grund vermutlich in der ursprünglich für Herbst 2019 geplanten Ausstellung "Oil - Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters" und seiner kritischen ersten Ausstellung für das Museum gelegen.

"'Wolfsburg unlimited' das war auch ein große Schau zur Geschichte von VW und Wolfsburg, dieser Zusammenhang. Und die muss man ihm nachhaltig übel genommen haben."

Seit 2014 war Ralf Beil Direktor des Wolfsburger Kunstmuseums. (Ole Spata/dpa)Warum Ralf Beil als Direktor des Wolfsburger Kunstmuseums abgelöst wurde ist weiterhin unklar (Ole Spata/dpa)

Dass die geplante Ausstellung "Oil", die noch von Ralf Beil kuratiert wurde, nun auf 2020 verschoben wurde, sei auch irritierend, so Probst. Im Kern gehe es auch um die Kunstfreiheit von Ausstellungskuratoren. Auf die Frage nach seiner neuen Wirkungsstätte hatte der neue Direktor Andreas Beitin aber trotzdem geantwortet:

"Ich sehe keinen Grund, dass in irgendeiner Form meine kuratorische Freiheit eingeschränkt wird. Wenn das so wäre, würde ich jetzt hier nicht sitzen. Das ist kein Thema, dass mich in irgendeiner Form beunruhigt."

Erinnerung an die DDR

Für Probst ist die Art des Führungswechsels in Wolfsburg allerdings ein Desaster:

"Die ganze Handhabung war unglaublich dilettantisch, wenn man nur mal die Außenwirkung anschaut. Man hätte heute von Seiten der Stiftung schon mehr erwartet, als eine Transparenz von Politbürositzungen."

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