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Im Gespräch | Beitrag vom 26.06.2018

Wolfram von Bodecker und Alexander NeanderMagier der Pantomime

Moderation: Susanne Führer

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Die beiden Pantomimen Wolfram von Bodecker (l) und Alexander Neander.  (Thorsten Heinze)
Die beiden Pantomimen Wolfram von Bodecker (l) und Alexander Neander. (Thorsten Heinze)

Die beiden Pantomimen Wolfram von Bodecker und Alexander Neander sind Virtuosen der stummen Sprache. Der eine in der DDR geboren, der andere in Paris, gingen sie durch die Schule des legendären Pantomimen Marcel Marceau.

Seit 20 Jahren touren Wolfram von Bodecker und Alexander Neander als Pantomimen-Duo durch die Welt. Das wortlose Spiel von "Bodecker & Neander" verstehen die Menschen überall, ob in Japan oder Lateinamerika, im Kindergarten oder im Wohnheim für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. "Wir erzählen eine Geschichte ohne Worte und die Menschen müssen eintreten mit ihren Gedanken und sie werden einfach mitgerissen", sagt Alexander Neander.

Marcel Marceau war ein gebildeter Mann

Kennengelernt haben sich die beiden Pantomimen als junge Studenten an der Internationalen Pantomime-Schule von Marcel Marceau in Paris. Wolfram von Bodecker erinnert sich noch sehr lebhaft an seinen Lehrer, den weltbekannten Pantomimen Marcel Marceau, der 2007 im französischen Cahors starb:

"Wir haben ihn in einer wunderbaren Zeit kennengelernt, in der sich die Altersweisheit sehr gezeigt hat. Er war ein sehr strenger Lehrer, der sehr viel Disziplin verlangte und im nächsten Moment hatte er auch großväterliche Züge und hatte etwas ganz Sanftes. Sehr schnell haben wir bemerkt, dass er ein so umfassend gebildeter Mensch ist in Richtung Religion, Architektur, Politik. Ein Mensch, der in allen Bereichen belesen ist, der von seinen Reisen auf dem ganzen Erdball Menschen aus Kultur und Politik kannte."

Marcel Marceau, der legendäre Pantomime aus Frankreich.  (dpa / Lionel Hahn)Marcel Marceau, der legendäre Pantomime aus Frankreich. (dpa / Lionel Hahn)

Niemals Kopien seiner selbst

An der "Ecole Internationale de Mimodrame Marcel Marceau" gab es eine sehr harte Auslese unter den Schülern, sagt Alexander Neander.

"Alle drei Monate wurde eine Selektion gemacht, vor allem im ersten Jahr. Diejenigen, von denen Marceau meinte, das wird nichts, die wurden dann auch verabschiedet."

Marceau habe jedoch aus seinen Schülern niemals Kopien seiner selbst machen wollen, sondern wollte seine Erfahrung und sein Wissen übertragen auf die unterschiedlichen Persönlichkeiten. "Das ist das Wichtigste an seinem Lehrplan gewesen", sagt Neander.

Marceau ist in Gedanken immer dabei

Von Bodecker würdigt insbesondere den Freiraum, den Marceau seinen Schülern ließ: "Das war der große Reichtum seiner Art und Weise die Kunst weiterzugeben. Er hat diese Kunst auf eine liebevolle Art weitergegeben. Er hat die Menschen aufgebaut. Seine Stücke endeten auch immer mit einer Hoffnung. So war auch sein Umgang mit den jungen Menschen."

Marceau sei bei ihren Aufführungen als "Bodecker & Neander" immer in Gedanken dabei. Man erkenne seinen Geist zum Beispiel an der Einfachheit der Bühne und der Ausstattung wieder, sagt Alexander Neander:

"In unseren Stücken gibt es viele Momente bei denen man die Einfachheit spürt, die simplicité von der Marceau sprach, mit Nichts auf einer großen, schwarz ausgehängten Bühne nur mit Musik und Licht etwas zu gestalten und dann plötzlich die Leute zu berühren bis in die letzte Reihe. Das haben wir bei ihm gelernt. Auch während der mehr als zehn Jahre, die wir in seiner Compagnie mit ihm auf Tourneen waren."

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