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Das Blaue Sofa | Beitrag vom 14.10.2020

Wolfgang Benz: "Vom Vorurteil zur Gewalt"Warum Minderheiten diskriminiert werden

Moderation: René Aguigah

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Der Historiker Wolfgang Benz hat ein Buch mit dem Titel "Vom Vorurteil zur Gewalt" geschrieben. (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)
Wolfgang Benz, geboren 1941, ist einer der renommiertesten deutschen Zeithistoriker. Er lehrte von 1990 bis 2011 an der Technischen Universität Berlin und leitete dort das Zentrum für Antisemitismusforschung. (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Wolfgang Benz ist Autor einiger Klassiker seines Fachs: Er forscht über Antisemitismus, Nationalsozialismus und Vorurteile. In seinem neuen Buch zieht er die Summe seiner Beschäftigung mit Feindbildern anhand aktueller und historischer Beispiele.

"Vorurteile sind ganz elementare Triebkräfte in unserer und in jeder Gesellschaft", sagt Wolfgang Benz. "Damit muss man sich auseinandersetzen, um zu verstehen, warum es Gewalt gibt."

Sein Bestreben sei es, die Vergleichbarkeit von Ausgrenzungen unterschiedlicher Minderheiten zu zeigen. Die Grundthese seines Buches laute:

"Es liegt nicht an den Minderheiten, dass man sie diskriminiert, verfolgt, vertreibt, vernichtet, sondern die jeweilige Mehrheit sucht sich Minderheiten, die sich zur Diskriminierung eignen. Sie delegiert schlechte Eigenschaften, schlechte Gefühle auf Minderheiten. Das können Flüchtlinge sein, das können Homosexuelle sein, das können religiöse oder ethnische Minderheiten sein. (...) Man fühlt sich dann als Mehrheit besser, wenn es eine Minderheit gibt, die diskriminiert werden kann, die denunziert werden kann für Missstände, für Übel, die sie angeblich verursacht haben."

(cre) 

Wolfgang Benz: "Vom Vorurteil zur Gewalt. Politische und soziale Feindbilder in Geschichte und Gegenwart"
Herder Verlag, Freiburg 2020 
480 Seiten, 26 Euro

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