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Interview / Archiv | Beitrag vom 30.11.2015

WohnungsmarktVonovias Wachstum kann Mietern Probleme bringen

Matthias Bernt im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

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Das neue Firmenschild "Vonovia", die Umfirmierung der Deutschen Annington, wird am 2.9.2015 in Bochum vor der Firmenzentrale aufgehängt. (dpa / picture alliance / Roland Weihrauch)
Vonovia wächst weiter und ist jetzt schon der größte deutsche Immobilienkonzern. (dpa / picture alliance / Roland Weihrauch)

Vonovia ist der größte Immobilienkonzern in Deutschland. Jetzt will er noch größer werden und den Konkurrenten Deutsche Wohnen übernehmen. Für Mieter jedoch bringen solche Aufkäufe meistens Probleme, sagt Matthias Bernt vom Leibnitz-Institut.

Die Aktionäre des Konzerns Vonovia gaben heute auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Düsseldorf grünes Licht für eine Kapitalerhöhung, mit der Vonovia einen Großteil des Kaufpreises für den Rivalen Deutsche Wohnen bezahlen will. Das Kaufangebot soll "sehr zeitnah" erfolgen, das Ganze soll 14 Milliarden Euro kosten. Vonovia würde dann rund 500.000 Wohnungen in Deutschland besitzen.

Wie Vonovia von der geplanten Übernahme profitieren könnte,  machte Matthias Bernt vom Leibnitz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung im Deutschlandradio Kultur deutlich:

"So können große Gesellschaften wie Vonovia in ganz anderer Weise wie kleine Vermieter ihre Bestandsverwaltung effektiver machen. Das heißt, sie können Service-Kosten einsparen und es billiger machen. Und das können sie in Wertsteigerungen für ihre Aktionäre umsetzen."

Bessere internationale Vermarktung

Darüber hinaus könnte solche Gesellschaften ihre Unternehmen dann noch viel besser international vermarkten, sagte Bernt:

"Sie können also Teile ihrer Immobilien, die sie kaufen, auf internationalen Märkten viel teurer unterbringen und höhere Preise rausschlagen."

Probleme für die Mieter nach Aufkäufen 

Für die Mieter seien nach den bisherigen Erfahrungen mit solchen Aufkäufen allerdings problematische Auswirkungen zu erwarten, so Bernt:

"Was dann passiert, ist einfach, dass der Hausmeister, den man noch kennt und den man ansprechen kann, abgeschafft wird. Und dass alle Probleme, die es gibt, erst einmal an eine Hotline oder an ein Service-Center gehen, wo Mieter erst einmal lange in der Schlaufe bleiben, bis etwas passiert."   

Die neue Rolle privater Unternehmen bei der Wohnungsfrage sei auch darauf zurückzuführen, dass in den 2000er-Jahren Hunderttausende von Wohnungen von den Kommunen an solche "player" verkauft worden seien

"Die Stadt Dresden zum Beispiel hat ihren ganzen kommunalen Wohnungsbestand auf einen Schlag an einen Investor verkauft. Berlin hat die GSW mit über 70.000 Wohnungen an die Deutsche Wohnen verkauft. Also das Problem ist zum Teil hausgemacht."  

Das "Grundrecht auf Wohnen"

Die Gesellschaft müsse über die Definition eines "Grundrechts auf Wohnen" nachdenken, meinte Bernt:  

"Städte müssen gucken, dass sie sich nicht selber Probleme schaffen, indem sie Segregation so weit befördern, dass dann am Ende soziale Probleme auftauchen, die irgendwann auch zu ordnungsrechtlichen Problemen werden. Und dazwischen ist ein weites Feld der Auseinandersetzung. Und das ist wirklich eine politische Frage, die Gesellschaften zusammen aushandeln müssen."

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