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Interview | Beitrag vom 21.11.2018

Wirtschaftswissenschaftler Sell über StudieGeld vom Staat kommt bei Kindern an

Stefan Sell im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Ein Mann mit einem Kind auf dem Arm und einem an der Hand wirft einen Schatten auf eine mit bunten Handabdrücken bemalte Wand einer Kindertagesstätte. (Peter Kneffel/dpa )
Finanzielle Direkthilfen vom Staat nützen den Kindern, bestätigt eine Studie. (Peter Kneffel/dpa )

Fußball, Gitarrenunterricht, Ballettstunde: So oder ähnlich verbringen Kinder ihre Freizeit. Dafür gibt es Kindergeld, das laut einer Studie auch wirklich dem Nachwuchs zugute kommt. Ökonom Stefan Sell findet einen Aspekt darin besonders beachtenswert.

Laut einer Studie kommen finanzielle Direkthilfen vom Staat für arme Familie auch tatsächlich bei Kindern an. Die Einschätzung, dass ein Plus dieser Hilfen von den Eltern für Alkohol, Tabak oder Unterhaltungselektronik ausgegeben werde, ist nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung falsch.

Sie bezieht sich dabei auf das Ergebnis einer Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Das ZEW hatte im Auftrag der Stiftung untersucht, wie sich das Kindergeld und das in einigen Bundesländern ausgezahlte Landeserziehungsgeld auf das Ausgabeverhalten von Familien auswirken. Die Forscher werteten dabei Zahlen aus dem Zeitraum von 1984 bis 2016 aus.

Der Wirtschaftswissenschaftler Stefan Sell sieht in der Studie "ein weiteres Beweisstück in einer wichtigen Argumentation". Der Vorwurf, dass massenhaft Eltern von Hartz-IV-Kindern Geld, das ihnen zur Verfügung gestellt werde, zweckentfremden würden, sei durch diese empirische Studie so nicht haltbar - von Einzelfällen abgesehen.

Stefan Sell: Kindergrundsicherung wäre ein klares Signal. (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)Stefan Sell: Kindergrundsicherung wäre ein klares Signal. (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)

"Das Interessante bei der Studie ist: Man hat nicht nur geschaut, wie hat sich die Verwendung des Kindergeldes verändert", sagt Sell. Es sei in der Studie auch um das Landeserziehungsgeld gegangen, das in einigen Bundesländern vorwiegend an Familien mit niedrigem Einkommen gezahlt werde.

"Man darf das eine nicht gegen das andere ausspielen"

"Dadurch konnte man eine Vergleichsgruppe bilden und schauen, ob sich die, die Landeserziehungsgeld bekommen, die unteren Einkommensgruppen, ob die sich anders verhalten. Und das tun sie eben nicht. Sie investieren überwiegend das Geld in ihre Kinder."  

Sell hält eine Kindergrundsicherung "für einen unterstützenswerten Vorschlag": Es gehe darum, bei über 2,8 Millionen armen Kindern ein klares Signal zu setzen. "Es heißt aber nicht, und das ist mir ganz, ganz wichtig,  dass man jetzt eine Kehrtwende macht: nur Geld und keine anderen Förderleistungen."

Es müsse weiter beim Kita- und beim Schulausbau investiert werden. "Man darf das eine nicht gegen das andere ausspielen."

(mhn)  

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