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Interview | Beitrag vom 26.11.2019

Wilhelm-Busch-Preis für Isabel Kreitz"Man kann alles in Comics erzählen"

Isabel Kreitz im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Isabel Kreitz stützt ihr Gesicht auf ihr Kinn und schaut in die Kamera. Zwischen den Fingern hält sie einen Stift zum Zeichnen. (Carlsen Verlag / Anja Jung)
Comic-Zeichnerin Isabel Kreitz bekommt in diesem Jahr den Wihelm-Busch-Preis verliehen. (Carlsen Verlag / Anja Jung)

Als Kind fand Isabel Kreitz die Zeichnungen von Wilhelm Busch unheimlich. Mittlerweile liebt die Comic-Zeichnerin das Gruseln - auch in ihren eigenen Arbeiten. Jetzt wird sie mit dem Wilhelm-Busch-Preis ausgezeichnet.

Die Geschichte des Serienmörders Fritz Haarmann als Graphic Novel, aber auch die Reihe "Die Unheimlichen": Schauergeschichten haben für Isabel Kreitz einen Reiz: Horror sei eine Disziplin, die sehr auf Wirkung bedacht sei - und damit eine große Herausforderung für Zeichner, sagt sie. Man könne seine "Klaviatur der Fertigkeiten" zeigen. Inspiration fand die Comic-Zeichnerin früh in Stummfilmen; sie sei ein "Fan von deutlichen Licht- und Schattenwirkungen". 

Natürlich erzählt und zeichnet die Hamburgerin nicht nur Horror-Geschichten: "Man kann eigentlich alles in Comics erzählen, man muss nur den richtigen Standpunkt finden", ist Kreitz überzeugt. So erfand sie für ihr Buch "Die Sache mit Sorge" – mit dem sie bekannt wurde – eine weibliche Protagonistin. Diese klärt über das Privatleben des Spions Richard Sorge auf: "Das ist eine der unerzählten Geschichten. Also, eine Lücke füllen als Autorin - das hat mich sehr gereizt." 

Eine Lücke in einer Geschichte füllen

Eine Lücke füllen - das war Kreitz auch bei ihrem Buch "Deutschland: ein Bilderbuch" wichtig. Es widmet sich Alltagsereignissen der deutschen Nachkriegsentwicklung und sei eine Art Geschichte, "tiefer gelegt", wie sie sagt. "Ich fühle mich als diejenige, die fragt: Wo waren Sie, als Kennedy den berühmten Satz sagte 'Ich bin ein Berliner'? und damit anregen wollte, den eigenen Erinnerungen nachzuspüren."

Als Kunst allerdings will Kreitz ihre Arbeit nicht einfach bezeichnen: "Ich sehe mich eher als Handwerkerin." Sie betreibe Alltagskunst, so wie auch Wilhelm Busch es tat. Heute erhält Isabel Kreitz den Wilhelm-Busch-Preis für satirische und humoristische Zeichenkunst und Versdichtung. Er ist mit 10.000 Euro dotiert. Zum Namensgeber sagt sie, sie habe als Kind Angst vor seinen Zeichnungen gehabt. Später habe sie ihn als Lyriker schätzen gerlernt - als sie einen Gedichtband von ihm illustrieren durfte. 

(bth) 

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