Wien: Diskussionen über Wandbilder mit teils stereotypen Darstellungen

    Eine europäisch gekleidete Frau mit Hut steht hinter einem Käfig mit einer nackten Ureinwohnerin, daneben steht ein Mann, der einen deportierten Straftäter darstellen soll
    Besonders die Australien-Darstellung von Maitre Leherb steht in der Kritik © picture alliance / OBERWEGER GEORG / picturedesk.com
    In Österreich suchen sechs riesige Wandbilder ein neues Zuhause. Sie stammen von dem Künstler Maitre Leherb, der die Reihe mit dem Titel "Die Kontinente" zwischen 1980 und 1992 geschaffen hat. Zur Zeit sind sie in der alten Wirtschaftsuniversität in Wien zu sehen, doch die wird zu einem neuen Bildungscampus umgebaut. Die Bundes-Immobilien-Gesellschaft sucht seit Jahren einen neuen Abnehmer, bisher erfolglos: Museen hätten keinen Platz für die je 64 Quadratmeter großen Gemälde auf Kacheln. Außerdem sorgt der Inhalt für Diskussionen: Die Akademie der bildenden Künste Wien, die drei Jahre in der alten Wirtschaftsuni untergebracht war, spricht von stereotypen Darstellungen der Kontinente. Insbesondere die Bilder von Afrika und Australien seien teils kolonial oder rassistisch, erläuterte der Kunsthistoriker Christian Kravagna gegenüber den ORF. In einer früheren Stellungnahme formulierte er, die Bilder seien aus postkolonialer Perspektive und vor dem Hintergrund feministischer Kunstgeschichte in hohem Maße kritisch zu bewerten. Die Enkelin des Künstlers, Angela Kundegraber-Leherb, wehrt sich gegen den Vorwurf des Rassismus gegen ihren Großvater und sieht in den Wandbildern vielmehr Weltoffenheit und Toleranz.