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Interview | Beitrag vom 13.09.2021

Wie helfen in Afghanistan?"Humanitäre Hilfe kommt bei den Richtigen an"

Simone Pott im Gespräch mit Ute Welty

Von oben fotografierte Afghanen, Kinder und Erwachsene, sitzen um einen provisorischen Tisch und essen Lebensmittelspenden. (picture alliance / Rahmat Gul)
Nothilfe, gerade durch kleine Hilforganisationen mit lokalen Mitarbeitern, komme ziemlich sicher ans Ziel, sagt Simone Pott von der Welthungerhilfe. (picture alliance / Rahmat Gul)

Unterstütze ich mit meiner Afghanistan-Spende die Taliban? Das fragen sich viele, die mit Geld die Not im Land lindern wollen. Die Nothilfe erreiche die Bedürftigen, versichert Simone Pott von der Welthungerhilfe.

Die Vereinten Nationen laden nach Genf zur Geberkonferenz für Afghanistan. Fast die Hälfte der rund 38 Millionen Afghanen sind laut UN auf Hilfslieferungen angewiesen.

Auch Simone Pott von der Welthungerhilfe bestätigt die katastrophale Situation im Land: "Es ist ein erschütterndes Bild von Menschen in entlegenen Dörfern, die seit Monaten keine Hilfe bekommen haben. Frauen, die alleine leben mit ihren Kindern, die Männer sind entweder getötet, geflüchtet oder noch als Kämpfer unterwegs. Es gibt kein sauberes Trinkwasser und viele Häuser sind zerstört."

"Hilfe ist immer neutral"

Von der internationalen Staatengemeinschaft verlangt Pott, dass sie klare Rahmenbedingungen für die Hilfsorganisationen mit den Taliban aushandelt. "Die humanitären Helfer brauchen ungehinderten Zugang zu den Menschen, die in Not sind. Hilfe ist immer neutral."

Auch müsse die Sicherheit der Mitarbeiter, auch der lokalen, gewährleistet werden: "Dass sie die Hilfe leisten können, ohne selber gefährdet zu sein."

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Humanitäre Hilfe komme ziemlich sicher bei den Richtigen an, sagt Pott. Da es sich um Lebensmittel oder Werkzeug handele, sei dieser Bereich nicht so anfällig für Korruption: "Das ist nichts, was in falsche Hände fließen kann. Staatliche langfristige Entwicklungszusammenarbeit, das ist eine zweite Frage. Aber über die müssen wir jetzt nicht reden."

Kleiner Hilfsverein mit lokalen Mitarbeitern

Private Spender, die fürchten, mit ihrem Geld die Taliban zu unterstützen, kann Pott beruhigen: "Wenn ein kleiner Hilfsverein die Möglichkeit hat, direkt vor Ort Hilfe zu leisten, mit lokalen Mitarbeitern, dann ist die Chance, dass diese Geld in den Taschen der Taliban-Regierung landet, sehr gering."

Man dürfe die Menschen in Afghanistan nicht im Stich lassen, sagt Pott: "Es ist in den letzten 20 Jahren doch viel erreicht worden. Es sind Menschen ausgebildet worden. Im landwirtschaftlichen Bereich sind Strukturprojekte angelegt worden. Menschen haben eine Zukunft gespürt. All das, was dort geschaffen worden ist, darf man nicht komplett infrage stellen."

(beb) 

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