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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 07.01.2014

WetterDie Amerikaner frieren und wir schwitzen

Meteorologe erklärt, wie die arktische Kälte in den USA und die Frühlings-Temperaturen in Europa zusammenhängen

Eine Biene sitzt am 7.1.2014 in Köln auf einer Blüte. (dpa)
Eine Biene sitzt im am 7.1.2014 in Köln auf einer Blüte. Das ungewöhnlich warme Januarwetter treibt die Bienen aus ihren Stöcken. (dpa)

Gefühlte Temperaturen von bis zu minus 40 Grad in den USA, zweistellige Plusgrade in Deutschland - zwei Seiten derselben Medaille, erklärt Meteorologe Andreas Friedrich. Auch Länder wie Spanien, Frankreich, Portugal und Großbritannien leiden unter extremem Wetter.

Seit Tagen leidet Nordamerika unter extremer Kälte - in Europa herrschen Anfang Januar frühlingshafte Temperaturen. Zwei Phänomene, die miteinander zusammenhängen: "Solange die Amerikaner frieren, werden wir schwitzen", erklärte Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Dienstag.

Der Grund sei ein riesiges Tiefdruckgebiet, das sich über mehrere Tausend Kilometer über dem Nordatlantik ausdehne. Dieses sogenannte steuernde Tief namens "Christina" hält sich bereits seit Tagen. Tiefs drehen sich im Kreis und gegen den Uhrzeigersinn. Deshalb wird auf "Christinas" Westseite extrem kalte Luft vom Nordpol nach Amerika geleitet, auf der Ostseite sehr milde Luft aus Südwesten nach Europa. "Das funktioniert wie ein riesiger Schaufelradbagger", sagte Friedrich. Da die Luftmassen sehr schnell transportiert würden, gibt es sogar in Nordskandinavien derzeit Plusgrade - zu dieser Jahreszeit seien dort eher zweistellige Minusgrade üblich.

Mehr als ein Dutzend Tote in Folge der Kälte in den USA

Die herrschen dafür in fast ganz Nordamerika. Bis nach Nord-Mexiko sei die Null Grad-Linie inzwischen vorgedrungen, sagte Friedrich. Das liege auch daran, dass weiter westlich ein starkes Hochdruckgebiet liege. Da sich Hochs im Uhrzeigersinn drehen, werde die Nord-Strömung noch verstärkt und fließe an den Rocky Mountains wie an einer Leitplanke entlang sehr schnell und ungehindert nach Süden. "Der ganze Kontinent wird zurzeit von Kaltluft geflutet", beschreibt Friedrich die aktuelle Wetterlage in Nordamerika.

Dass es in den USA so kalt werden könne, liege daran, dass die Polarluft zwischen dem Nordpol und den USA über große Landmassen strömt und nicht - wie es in Europa der Fall wäre - über Wasser. Das Land könne die Wärme nicht so speichern wie das Wasser, erläutert Friedrichs Kollege Marcus Beyer. So erwärmt sich die Polarluft auf dem Weg gen Süden dort nur sehr langsam.

In den USA leiden mehr als 140 Millionen Amerikaner seit Tagen unter gefühlten Temperaturen von bis zu 40 Grad minus. Innerhalb von weniger als einer Woche starben mehr als ein Dutzend an den Folgen der arktischen Kälte. Sie dehnte sich am Dienstag noch aus - auch in New York und Florida gab es einen Temperatursturz.

Extremes Wetter auch in Spanien, Portugal, Frankreich und Großbritannien

Neben der arktischen Kälte in den USA und den milden Temperaturen hierzulande, sind auch andere Länder von extremen Wetterphänomenen betroffen. So toben vor den Küsten Großbritanniens, Spaniens und Portugals schwere Stürme. Riesenwellen haben in Spanien und Frankreich mehrere Menschen fortgerissen. In Portugal riss eine Welle dutzende Autos mit sich. Die Wellen an den Atlantikküsten von Portugal und Spanien waren teilweise mehr als zwölf Meter hoch. Im Norden Spaniens und an der gesamten Küste Portugals gab es beträchtliche Sachschäden.

Großbritannien leidet bereits seit mehreren Wochen unter einem Unwetter, das bis zu acht Meter hohe Wellen mit sich brachte und Klippen und Uferbebauungen zerstörte. Mehrere Menschen sind seither ums Leben gekommen.

 

abr mit dpa, AFP

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