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Kompressor | Beitrag vom 14.07.2020

Werner Herzogs Film "Family Romance, LLC"Vater zu vermieten

Anke Leweke im Gespräch mit Gesa Ufer

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Ein Mann und ein Mädchen blicken in die Ferne.  (imago images / Prod.DB)
Mein Vater, der Schauspieler: Ishii Yuichi (rechts) mit Filmtochter Mahiro. (imago images / Prod.DB)

Werner Herzogs Film "Family Romance, LLC" erzählt von einer Agentur in Japan, die Stellvertreter für Familienmitglieder vermittelt. Die freie, halb dokumentarische Erzählweise erinnere an Herzogs Frühwerk, so unsere Kritikerin Anke Leweke.

Wenn Werner Herzog einen Film dreht, geht es fast immer um etwas Extremes oder Exzessives. Das beginnt bei den Schauplätzen: Herzog drehte in Todeszellen, auf einer Insel mit Feuer speienden Vulkanen oder in Höhlen mit Steinzeitzeichnungen.

Geschäft mit der Sehnsucht

Nun hat es ihn nach Japan verschlagen. Dort hat er einen Filmstoff gefunden, der ihn nicht mehr losgelassen hat: "Family Romance, LLC" heißt sein neuer Film, der jetzt auf der Filmplattform Mubi zu sehen ist.

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Zu Beginn sieht man einen Vater, der seine Tochter nach vielen Jahren wieder trifft. Erst danach erfahre man, dass der Vater nur ein Schauspieler gewesen sei und die Tochter offenbar das Bedürfniss gehabt habe, ihren Vater wieder zu sehen, erzählt die Filmkritikerin Anke Leweke. Der Fake-Vater leite eine Agentur, die Familienmitglieder vermittle und vermiete.

"Die Wucht der Emotionen eingefangen"

Der Film sei mit der Handkamera gedreht und erzeuge so den Look einer Dokumentation. Die Firma gebe es wirklich, aber alles andere sei ausgedacht, sagt Leweke. Die Gefühle allerdings seien echt, das sei Werner Herzog bei der Produktion wichtig gewesen: "Er hat immer die Wucht der gespielten Emotionen eingefangen."

Der Film habe teils wie ein "absurdes Theaterspiel" auf sie gewirkt, bleibe jedoch durch den touristischen Look häufig zu sehr an der Oberfläche, so Leweke.

Rückkehr zum Wagnis des Drehs ohne Skript

Herzog habe mit dem Film zu frühen Werken wie "Aguirre, der Zorn Gottes" zurückfinden wollen, indem er ohne Drehbuch begann und das Skript immer der jeweiligen Situation angepasst habe. "Das funktioniert über weite Strecken, aber natürlich hat der Film nicht diese wuchtigen Bilder".

"Ein bisschen schade", findet Leweke, wie Werner Herzog als Filmemacher hierzulande vernachlässigt werde: "Ich habe auch schon lange nicht mehr gesehen, dass irgendeine deutsche Förderung im Abspann einer seiner Filme stand."

(sed)

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