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Fazit / Archiv | Beitrag vom 08.03.2011

Werke aus Licht

Zum 80. Geburtstag des Künstlers Heinz Mack

Von Ute May

Heinz Mack in seinem Atelier in Mönchengladbach. (picture alliance / dpa)
Heinz Mack in seinem Atelier in Mönchengladbach. (picture alliance / dpa)

Ich denke eher asiatisch, sagt Heinz Mack von sich. Der Maler, Lichtkünstler und Bildhauer war Mitbegründer der ZERO-Bewegung. Die Künstlerinitiative vertrat die Idee, alles, was man an der Akademie gelernt hatte, rigoros zu vergessen.

Wie ein Skulpturenpark mutet der weitläufige Garten an. Und dann schwebt auch noch Klaviermusik durch den denkmalgeschützten Huppertzhof, als Valeria Mack die Tür öffnet. Ihr Vater komme sofort, sagt sie, noch sitze er am Klavier.

Musik begleitet den nun 80-Jährigen bei der Arbeit. Eben war es "Summertime" von Gershwin, aber auch Bach und Mozart hört und spielt er gern. Sein vielfältiger Musikgeschmack spiegelt seine künstlerische Entwicklung.

"Rein monografisch kann ich nicht mein gesamtes Oeuvre in einen zeitlichen Rahmen setzen, der in sich logisch ist. Das klassische Prinzip der abendländischen Kunst, dass man irgendwo beginnt und dann irgendwo aufhört und seinen Weg ganz kontinuierlich geht, das ist für mich nicht symptomatisch. In meinem Falle denke ich fast asiatisch, drehe mich im Kreise, komme immer wieder auf Dinge zurück, die lange zurückliegen. Es ist keine gerade, ausgerichtete Linie, sondern eine zirkulare Situation."

So entwickelt Mack nach seinem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie, als Kunstlehrer an Gymnasien und dem prägenden, zweieinhalb Jahre dauernden ersten Aufenthalt in New York ein völlig neues Gefühl für Gestaltung und den Umgang mit unterschiedlichem Material: die Nachkriegskunst in den USA war eine komplett andere als in Deutschland und Europa.

"Dann kam aber auch eine wilde Zeit, wo man informell arbeitete, also tachistisch, auf gut deutsch: Wo man auf die Leinwand alles schleuderte, was an Farbe vorhanden war, und versuchte, aus diesem Chaos irgendwas herauszufiltern."

Heinz Mack gelang das nicht, ihm sind bis heute solche ungeordneten Abläufe zuwider. Die Folge war eine Schaffenskrise in den späten 1950er-Jahren. Damals, resümiert er ...

"... hatte ich den Eindruck, alles in der Malerei oder der Kunst schon gesehen zu haben. Wo könnte man überhaupt noch einen neuen Anfang machen?"

Der kam schließlich einem Raketenstart gleich – mit allen Schwierigkeiten, die es gewöhnlich vorher gibt. Doch dann zählte man den Countdown langsam herunter und bei Null startete ...

"... die ZERO-Bewegung, die ich mit meinem Freund Otto Piene gegründet habe. Günther Uecker hat sich eineinhalb Jahre später dazu gesellt. Und da war der Grundgedanke, alles, was man bis dahin gelernt hatte in der Akademie und nach der Akademie, rigoros zu vergessen, in Frage zu stellen, was vorher passiert war. Man war sehr dynamisch und wollte das keineswegs akademisch lösen, sondern mit großer Vitalität zu Werke gehen und mit den ganz einfachen Strukturen, die uns in den Sinn kamen, die Welt erobern."

So, wie Otto Piene heute vorwiegend durch aufblasbare Himmelsskulpturen identifiziert wird und Günther Uecker vielen nur als Nagelkünstler gilt, so steht Heinz Mack meist für seine Experimente mit Licht. Dabei ist auch sein malerisches Werk kraftvoll. Vor mehr als 50 Jahren plante Heinz Mack in der nordafrikanischen Wüste ein gewaltiges land-art-Projekt mit einer Vielzahl von Lichtobjekten. Er wollte die Museen hinter sich lassen, die er bissig als kulturelle Friedhöfe brandmarkt.

"Ich wollte aus den Museen raus, weil mich Skulpturen, vor allem in großen Maßstäben, interessieren, was bedeutete, dass ich Raum brauche, viel großen Raum. Und dann kam es zu der Expansion in die Wüste, wo ich als Einzelgänger zu Fuß bis in die Sahara pilgerte mit wenigen Leuten, die an meiner Seite waren."

Heinz Mack hat sich auch religiösen Stoffen gewidmet. Obwohl er sich früh von der Malerei abwandte, entstand Anfang der 1990er-Jahre die farbmächtige Bildersuite "Lied der Lieder" nach dem Hohelied Salomos. Ein Stoff von hohem religiösen Rang, an den sich nur wenige Künstler wagen, bei dem Mack Licht, Form und Farbe mit einander verbindet. Der technikvernarrte Künstler nahm sich erst vor einigen Jahren eines neuen Werkstoffs an. Ihm war aufgefallen ...

"... dass Künstler von Weltrang, Picasso, Miró, Chillida, Tapiés, die waren alle 70 oder älter, als sie überhaupt mit der Keramik erst anfingen. Das hat mich provoziert im besten Sinne, weil die Keramik ein Bereich der Skulptur ist, wo auch die Farbe eine Chance hat. Das ist eine Technik, die gehört zu den ältesten Techniken der Menschheit."

Heinz Mack blickt heute, an seinem 80. Geburtstag, auf fast 60 Jahre künstlerischer Tätigkeit zurück. Lange hat er sich selbst als unterschätzten Künstler empfunden, obwohl alle bedeutenden Museen Werke von ihm besitzen. Erst mit der Wiederentdeckung des ZERO rückte auch er wieder ins öffentliche Bewusstsein; nun mit respektabler Anerkennung für sein beeindruckendes Oeuvre. Davon zeugen auch weltweite Ausstellungen.

"Ich habe sehr viel Glück gehabt und bin sehr stolz darauf, dass meine Ausstellung in New York zur Jahreswende sehr erfolgreich war. In diesem Jahr soll noch eine große Ausstellung meiner Skulpturen in Hongkong stattfinden. Also, die Welt ist sehr groß."


Zunächst zeigen das MuseumKunstPalast in Düsseldorf, die Bundeskunsthalle in Bonn und das Museum Abteiberg in Mönchengladbach retrospektiv unterschiedliche Aspekte der Kunst von Heinz Mack. Hinzu kommen zahlreiche Galerie-Ausstellungen. Sogar der Emir von Bahrain hatte Heinz Mack eingeladen. Doch wegen der politischen Entwicklung in seinem Land musste der arabische Herrscher diese Schau erst einmal absagen.

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