Wenn sich das Herbstlaub färbt

Von Gerrit Stratmann |
101 Antworten liefert Thomas de Padova mit seinem schmalen Band "Wissenschaft im Strandkorb" - Antworten auf Alltagsfragen, die in kleinen, bekömmlichen und lehrreichen Häppchen serviert werden.
Der Autor folgt einem Trend, der unübersehbar ist: Publizisten veröffentlichen die eigenen Kolumnen gesammelt als Buch. Christoph Drösser hat es getan (Rubrik "Stimmt's" aus Die Zeit), Reinhard Renneberg hat es getan ("Biolumnen" aus der Zeitung Neues Deutschland), Bastian Sick ebenso ("Zwiebelfisch" aus Spiegel-online) und nun der Physiker Thomas de Padova, der seit fünf Jahren im Tagesspiegel seine Aha-Kolumnen schreibt und dort Erklärungen für viele naheliegende Fragen recherchiert hat.

Warum grollt der Donner, färbt sich Herbstlaub, schwimmen Gnocchi, schmecken Tränen salzig, werden Haare grau und Lippen blau: Viele der Fragen wurden schon in anderen Sammlungen behandelt. Nicht immer sind die Fragen ganz ernsthaft gemeint, etwa wenn er das Verschwinden einzelner Socken untersucht. Aber in der Mehrzahl gibt es solide und obendrein kurzweilig zu lesende Erklärungen, auch auf Fragen, die man sich vielleicht noch nicht so häufig gestellt hat, obwohl sie ebenfalls naheligend sind: Warum kann man eigentlich auf Ceran-Glas kochen – gewöhnliches Glas würde bei den Temperaturunterschieden schließlich sofort zerspringen. Und warum hält überhaupt ein Nagel in der Wand? Seltsam auch das: Wenn Wellen durch Wind entstehen, warum laufen sie dann immer von allen Seiten auf eine Insel zu und nicht nur aus der Windrichtung?

Nur bei ein paar Fragen ist man nach der Lektüre nicht sehr viel schlauer geworden. Warum haben wir zwei Nasenlöcher? Hier tanzt er ein bisschen um eine Antwort herum, die wohl auch kaum eindeutig zu geben ist. Warum man Seitenstechen kriegt, ist wissenschaftlich noch immer nicht ganz klar. Und auch warum der Magen knurrt, erfährt man nicht. Dafür lernt man viel über Darmgeräusche und wie der Körper über Hormone Hunger signalisiert.

Thomas de Padovas Erklärungen sind kurz, aber inhaltsschwer. Anderthalb Seiten reichen ihm im Schnitt, um nicht nur die Antwort, sondern auch noch einige Informationen drumherum zu liefern. Oft lässt er die verschiedenen Experten zu Wort kommen, die ihm bei der Lösung der Fragen auf ihrem Spezialgebiet hilfreich zur Seite standen.

Zweimal unterläuft ihm dabei allerdings derselbe winzige faux pas, wenn er erklärt, warum Frisbeescheiben fliegen und Boote schneller als der Wind segeln können. Der Auftrieb der Frisbee bzw. der Sog des Segels, schreibt er, kommen dadurch zustande, dass der vorbeistreichende Wind oberhalb der Scheibe bzw. hinter dem Segel einen "längeren Weg" zurückzulegen hat, wodurch ein Druckunterschied zwischen den Seiten entsteht. Aber der "längere Weg" hat damit nichts zu tun. Ein Frisbee fliegt schließlich, wenn auch schlecht, auch auf dem Kopf. Und ein gewölbtes Segel kann schwerlich im Windschatten länger sein als auf der Windseite.

Die Kürze der Texte, die er auf die vier Kategorien Bodybuilding (uns Menschen betreffend), Haushaltshilfe (Hausfrauen- und Heimwerkerphysik), Expeditionen (belebte und unbelebte Natur) sowie Wissenschaft im Strandkorb (alles rund um Strand und Wasser) verteilt hat, macht sie ideal für den kleinen Wissenshunger zwischendurch. Mit diesem Buch in der Hand vergeht die Zeit im sommerlichen Strandkorb wie im Fluge.

Rezensiert von Gerrit Stratmann

Thomas de Padova: Wissenschaft im Strandkorb. Das Buch der Alltagsfragen,
Piper Verlag, München 2008, 156 Seiten, 14,90 Euro