Wenn die Hoffnung schwindet
Es ist ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht, den Adam Wishart mit "Einer von Dreien" geschrieben hat. Es geht um das langsame Sterben seines Vaters an Krebs. Keine Gefühlstufe - von Ungläubigkeit, falscher Hoffnung bis hin zu unendlicher Wut - wird ausgelassen. Damit wird das Buch besonders für ebenfalls Betroffene interessant.
Der Titel sagt schon alles: Jeden Dritten trifft irgendwann die Diagnose Krebs. Je älter die Menschen werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit. Dafür gibt es eine Reihe biologischer Gründe, die sich auf die knappe Formel bringen lassen, dass die Reparaturmechanismen des Kör-pers ebenfalls altern und peu à peu versagen.
Der englische Journalist Adam Wishart beschreibt diesen allmählichen Verlust der Selbstheilungskräfte des Organismus sehr anschaulich am Beispiel seines an Krebs erkrankten Vaters.
Sein persönlicher Bericht endet allerdings nicht, wie der Untertitel "Mein Vater, der Krebs und die Hoffnung der Medizin" suggerieren mag, mit der Rettung des väterlichen Lebens. Vielmehr begleiten wir den Vater auf seinem unaufhaltsamen Weg in den Tod.
Sein allmählicher körperlicher Verfall wird genau beschrieben, Metastasen breiten sich in seinem Körper aus, fressen ihn von innen auf. Das ist quälend. Auch als Leser leidet man mit. Empfindet die tiefe Angst und Hilflo-sigkeit, die ein solches Dahinsiechen auslöst.
Adam Wishart reagiert erst einmal, wie viele auf den Krebsbefund eines geliebten Menschen reagieren: Anfangs ist er ungläubig, will es nicht wahrhaben. Dann lügt er sich in die Tasche; es wird schon alles gut ausgehen. Beim ersten Rückfall hofft er auf eine andere Erklärung, dann wird er in all seiner Hilflosigkeit wütend, sucht verzweifelt nach einer Lösung, hofft auf ein Wunder, verbreitet dem Kranken gegenüber falsche Munterkeit und gibt sich gegen allen Augenschein optimistisch.
So genau Adam Wishart auch diese typischen Verhaltensmuster beschreibt, er bleibt dabei nicht stehen und eben das macht das Besondere seines Berichts aus. Um zu verstehen, was im Körper seines Vaters geschieht, beschäftigt er sich mit der Geschichte der Krebsforschung, taucht tief ein in die Medizingeschichte.
Spannend wird es, wenn Adam Wishart anschaulich und anhand konkre-ter Fallbeispiele beschreibt, wie sich allmählich ein Verständnis der auslösenden Faktoren herausbildet, wie man entdeckt, dass Bestrahlung, Radioaktivität, das Rauchen oder Umweltgifte, genetische Fehler bösartige Geschwülste hervorrufen können.
Verblüffend ist dabei, mit welcher Selbstsicherheit immer wieder Forscher behaupteten, das Krebsmittel oder die Behandlungsmethode gefun-den zu haben und mit welcher Überheblichkeit und Selbstüberschätzung sie dann Experimente mit Patienten unternahmen, die oftmals unter großen Schmerzen starben.
Es war nicht zuletzt die Kaltherzigkeit vieler Ärzte, die Anonymität des Me-dizinapparates, die dann die alternative Medizin auf den Plan rief, von der der Autor allerdings nicht besonders überzeugt ist. Da steht er in klassischer Medizintradition: Hat man erst mal die körperlichen, also genetischen Ursachen entschlüsselt, gibt es auch Reparaturmöglichkeiten, findet man auch ein passendes Medikament. Das ist jedenfalls die Hoffnung, die sich durch das ganze Buch zieht und den Autor zu einem optimistischen Ausblick kommen lässt.
Der emotionalen Seite, der Psyche misst Adam Wishart bei der Krebserkrankung und -behandlung wenig Bedeutung zu. Dass ist umso verwunderlicher, da er selbst bedauert, wie wenig er mit dem eigenen Vater über Gefühle gesprochen hat. So bleibt bei allem eindeutigen Erkenntnisgewinn doch ein zwiespältiger Eindruck nach der Lektüre.
Dennoch ist sein Buch wichtig, denn über Krebs und die damit verbunden Ängste zu reden, ist immer noch ein weit verbreitetes Tabu. Die meisten schrecken davor zurück. Solche Bücher können helfen, offener damit umzugehen.
Rezensiert von Johannes Kaiser
Adam Wishart: Einer von Dreien. Mein Vater, der Krebs und die Hoffnung der Medizin
Aus dem Englischen von Karl-Heinz Siber
C.H.Beck Verlag, München 2008
320 Seiten, 19,90 Euro
Der englische Journalist Adam Wishart beschreibt diesen allmählichen Verlust der Selbstheilungskräfte des Organismus sehr anschaulich am Beispiel seines an Krebs erkrankten Vaters.
Sein persönlicher Bericht endet allerdings nicht, wie der Untertitel "Mein Vater, der Krebs und die Hoffnung der Medizin" suggerieren mag, mit der Rettung des väterlichen Lebens. Vielmehr begleiten wir den Vater auf seinem unaufhaltsamen Weg in den Tod.
Sein allmählicher körperlicher Verfall wird genau beschrieben, Metastasen breiten sich in seinem Körper aus, fressen ihn von innen auf. Das ist quälend. Auch als Leser leidet man mit. Empfindet die tiefe Angst und Hilflo-sigkeit, die ein solches Dahinsiechen auslöst.
Adam Wishart reagiert erst einmal, wie viele auf den Krebsbefund eines geliebten Menschen reagieren: Anfangs ist er ungläubig, will es nicht wahrhaben. Dann lügt er sich in die Tasche; es wird schon alles gut ausgehen. Beim ersten Rückfall hofft er auf eine andere Erklärung, dann wird er in all seiner Hilflosigkeit wütend, sucht verzweifelt nach einer Lösung, hofft auf ein Wunder, verbreitet dem Kranken gegenüber falsche Munterkeit und gibt sich gegen allen Augenschein optimistisch.
So genau Adam Wishart auch diese typischen Verhaltensmuster beschreibt, er bleibt dabei nicht stehen und eben das macht das Besondere seines Berichts aus. Um zu verstehen, was im Körper seines Vaters geschieht, beschäftigt er sich mit der Geschichte der Krebsforschung, taucht tief ein in die Medizingeschichte.
Spannend wird es, wenn Adam Wishart anschaulich und anhand konkre-ter Fallbeispiele beschreibt, wie sich allmählich ein Verständnis der auslösenden Faktoren herausbildet, wie man entdeckt, dass Bestrahlung, Radioaktivität, das Rauchen oder Umweltgifte, genetische Fehler bösartige Geschwülste hervorrufen können.
Verblüffend ist dabei, mit welcher Selbstsicherheit immer wieder Forscher behaupteten, das Krebsmittel oder die Behandlungsmethode gefun-den zu haben und mit welcher Überheblichkeit und Selbstüberschätzung sie dann Experimente mit Patienten unternahmen, die oftmals unter großen Schmerzen starben.
Es war nicht zuletzt die Kaltherzigkeit vieler Ärzte, die Anonymität des Me-dizinapparates, die dann die alternative Medizin auf den Plan rief, von der der Autor allerdings nicht besonders überzeugt ist. Da steht er in klassischer Medizintradition: Hat man erst mal die körperlichen, also genetischen Ursachen entschlüsselt, gibt es auch Reparaturmöglichkeiten, findet man auch ein passendes Medikament. Das ist jedenfalls die Hoffnung, die sich durch das ganze Buch zieht und den Autor zu einem optimistischen Ausblick kommen lässt.
Der emotionalen Seite, der Psyche misst Adam Wishart bei der Krebserkrankung und -behandlung wenig Bedeutung zu. Dass ist umso verwunderlicher, da er selbst bedauert, wie wenig er mit dem eigenen Vater über Gefühle gesprochen hat. So bleibt bei allem eindeutigen Erkenntnisgewinn doch ein zwiespältiger Eindruck nach der Lektüre.
Dennoch ist sein Buch wichtig, denn über Krebs und die damit verbunden Ängste zu reden, ist immer noch ein weit verbreitetes Tabu. Die meisten schrecken davor zurück. Solche Bücher können helfen, offener damit umzugehen.
Rezensiert von Johannes Kaiser
Adam Wishart: Einer von Dreien. Mein Vater, der Krebs und die Hoffnung der Medizin
Aus dem Englischen von Karl-Heinz Siber
C.H.Beck Verlag, München 2008
320 Seiten, 19,90 Euro
