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Tonart | Beitrag vom 22.01.2021

Welttournee aus dem StudiobunkerThe Hives eröffnen ihre WWW-Tour mit Berlin-Konzert

Von Philipp Kressmann im Gespräch mit Mascha Drost

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"The Hives"-Leadsänger Pelle Almqvist auf einem Konzert ebim Download-Festival am 10.Juni 2018, Donington Park, Derby (picture alliance / Photoshot)
"The Hives"-Sänger Pelle Almqvist auf einem Konzert 2018 - damals noch vor Publikum. Nun überträgt die Band ihre Konzerte für bestimmte Orte: Der Beginn wird an die Ortszeit angepasst. (picture alliance / Photoshot)

Die schwedische Band "The Hives" hat gestern ihre Welttournee mit dem Berlin-Konzert eröffnet. Im Studio haben die fünf Musiker geschwitzt und gerockt. Der Applaus kam vom Band – von einem früheren Gig in Berlin. Und es gibt viel Interaktion.

Die schwedische Band spielt Gitarrenmusik irgendwo zwischen Garage- und Punkrock. Und sie hat gerade eine Welttournee der ganz eigenen Art mit der Show für Berlin gestartet: Für Berlin – nicht in Berlin, die Band spielt Online-Konzerte für mehrere Großstädte – angepasst an die Ortszeit.

Philipp Kressmann hat das Konzert daheim am Bildschirm verfolgt und war durchaus angetan: "The Hives spielen diese Konzerte in einem Studiobunker, einem Filmstudio in Schweden, von dort wird alles live übertragen", erklärt er. Auf dem Tourplan der sogenannten World Wide Web-Tour stünden auch Metropolen wie die australische Stadt Sydney. "Für diesen Gig muss die Band also früh aufstehen, wegen der Zeitverschiebung."

Lichteffekte und Applaus vom Band

"Die Band ist sehr motiviert", findet Kressmann. Das Quintett wolle keinen Livestream aus einem beliebigen Wohnzimmer anbieten, wie es andere Künstlerinnen und Künstler auf Instagram machen. "Die Hives finden das eher langweilig und setzen lieber auf große Show."

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Beim Berlin-Konzert gab es Lichteffekte und viel Applaus, den die Band vom Band abspielte. Fan-Geschrei von früher aufgenommenen Konzerten in Berlin, wie Kressmann erläutert. "Individueller fühlte es sich dadurch jetzt nicht an", schildert er seinen Eindruck. "Aber die Geste ist schön", lobt er die Liebe zum Detail.

Kressmann hebt hervor, die Band lege bei den Online-Konzerten großen Wert auf Interaktion. So konnte schon im Vorfeld für Songs abgestimmt werden, man konnte der Gruppe auch Sprachnachrichten schicken. "Mit der Interaktion hat es dann auch geklappt, es kam ein richtiger Austausch zwischen Fans und Band zustande."

Interaktion mit dem Publikum

Sänger Pelle Almqvist habe mehrere Anrufe an einem altmodischen Telefon entgegengenommen. "Die Stimmung war da euphorisch. Es gab sehr viele Komplimente für diese Konzert-Idee." Andererseits: Echte Gespräche darüber hinaus seien nicht zustande gekommen. "Videoanrufe hätten da vielleicht mehr Potenzial", meint Kressmann.

Gelungen wiederum sei der Stream-Chat: "Einmal hat die Band befohlen, wild auf der Tastatur zu klatschen, also Clap einzugeben. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer haben sich auch sonst beteiligt, und die Band hat einige Kommentare vorgelesen."

"Man muss sagen, das Publikum hat die doch ungewöhnliche Konzertsituation mit viel Humor aufgenommen", bilanziert Kressmann. Ein Fan habe etwa geschrieben: "Noch nie waren Bühne, Getränkestand und Toilette so nah beieinander."

"Die Band hat sich verausgabt"

Kressmanns Fazit: "Ja, ich hatte Spaß. Mich hat das gut unterhalten. Die Euphorie hat sich auch oft übertragen." Über das Kamerabild sei man nah dran an den fünf Musikern in ihren typischen, schwarz-weißen Anzügen gewesen. "Die Band hat sich verausgabt, irgendwann auch ordentlich geschwitzt, und das erinnerte mich auch noch mal daran, dass Musik doch noch physischer Prozess ist." Ein Ticket koste 17, 50 Dollar und gelte 24 Stunden, sodass man das Konzert auch nochmal ansehen könne, sagt Kressmann.

Die Eindrücke bleiben zwiespältig: "So eine Rockshow ganz alleine am Bildschirm anzuschauen, das war schon ein komisches Gefühl", so Kressmann.  Gerade bei einer guten Live-Band wie "The Hives" vermisse man die gemeinsame Erfahrung, die für die Konzertkultur so wichtig sei. "Ich habe mich gestern irgendwann dabei ertappt, dass ich die Lautstärke leise gedreht habe, um die Nachbarn nicht zu stören."

(mfu)

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