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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 10.07.2014

WeltraumAsteroid auf Abwegen

Der Gesteinsbrocken Apophis hält Astronomen in Atem

Von Dirk Lorenzen

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Position des Asteroiden Apophis relativ zur Erde heute (NASA)
Position des Asteroiden Apophis relativ zur Erde heute (NASA)

In 15 Jahren wird der Asteroid Apophis haarscharf an der Erde vorbeiziehen, Ende des Jahrhunderts könnte er auf dem Planeten einschlagen – mit verheerenden Folgen. Astronomen arbeiten daran, dies zu verhindern.

Jahr für Jahr zieht unsere Erde ihre Bahn um die Sonne durch die weite Leere des Weltraums. Doch hin und wieder kommt der Erde ein Brocken in die Quere und stört die kosmische Idylle. Der berühmteste ist Apophis. Dieser Asteroid aus Gestein und Metall hat mehr als dreihundert Meter Durchmesser. Wenn er die Erde träfe, würde er ganze Länder verwüsten, und es wären Millionen von Opfern zu beklagen. Daher behalten die Astronomen den Asteroiden auf Abwegen ganz besonders im Auge, erklärt Steve Chesley von der NASA.

"Wir beobachten Apophis mit optischen Teleskopen und per Radar. Die äußerst wichtigen Radarmessungen sind immer nur möglich, wenn der Asteroid recht nah an der Erde vorbeizieht. Mit ihnen erfahren wir nicht nur die genaue Position von Apophis, sondern auch seine Ausmaße, seine Form und wie er sich dreht. Diese Informationen brauchen wir, um ihn mit einer geeigneten Mission abzulenken und so unsere Erde zu verteidigen."

Eine Raumsonde soll Apophis umlenken

Apophis hatte nach seiner Entdeckung vor zehn Jahren die Astronomen regelrecht aufgescheucht. Lange Zeit sah es so aus, als könnte der Asteroid im Jahr 2029 die Erde treffen – ausgerechnet am Freitag, dem 13. April. Inzwischen haben die Beobachtungen von Steve Chesley und seinen Kollegen für erste Entwarnung gesorgt: Apophis wird dann in rund 30.000 Kilometern an der Erde vorbeischrammen, also weniger als einem Zehntel Mondabstand. Langzeitberechnungen aber ergeben, dass der Himmelsbrocken gegen Ende dieses Jahrhunderts doch noch einschlagen kann. So einen Treffer müsste die Menschheit aber nicht mehr tatenlos hinnehmen, erklärt der Astrophysiker und Ex-NASA-Astronaut Ed Lu.

"Das ist ganz einfach: Man nimmt eine kleine Raumsonde und lässt sie dicht neben dem Asteroiden herfliegen. Die Raumsonde zieht mit ihrer Masse den Asteroiden minimal an. Das sind winzige Ablenkungen – aber sie summieren sich mit der Zeit. Schließlich zieht man so den ganzen Asteroiden ein wenig zur Seite und bringt ihn vom Kollisionskurs ab. Es reicht, wenn eine Raumsonde nur wenige Woche neben Apophis herfliegt."

Alternative: gezielter Einschlag

Allerdings braucht diese Art der Abwehr eine Vorbereitung von vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Eine andere Variante ist daher, den Störenfried selbst brachial zu stören und ihn durch den gezielten Einschlag einer Raumsonde etwas aus der Bahn zu schubsen. Inzwischen entwickeln die Forschungsteams weltweit Szenarien, wie sich unsere Erde retten ließe. Denn so winzig klein das Risiko eines Einschlags aus dem All zu unseren Lebzeiten auch sein mag, wir sollten uns nicht in trügerischer Sicherheit wiegen, mahnt der ESA-Asteroidenexperte Detlef Koschny:

"Es wird auf jeden Fall wieder einen Einschlag auf der Erde geben. Die Frage ist nur wann."

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