Weltmeister im Computer-Fußball

Von Stephanie Kowalewski |
Bei den World Cyber Games in Seattle hat Daniel Hero Schellhase die einzige Goldmedaille für Deutschland errungen. Beim virtuellen Fußballspiel setzte er sich gegen den Spanier Delfin-1 durch. Zuhause ist der frischgebackene Weltmeister in Gelsenkirchen und trainiert dort mit seinem ebenfalls sehr erfolgreichen Bruder.
Sie sehen sich zum verwechseln ähnlich, sind 22 Jahre alt, studieren beide Wirtschaftsinformatik, leben mitten im Ruhrpott – genauer in Gelsenkirchen …
Die Zwillinge Dennis und Daniel Schellhase sind echte Fußballweltmeister. Sie haben schon so ziemlich jeden Titel abgeräumt, den es beim virtuellen Fußball überhaupt zu gewinnen gibt.

"2003 wurde ich Weltmeister mit meinem Bruder zusammen im Doppel, im Einzel Weltmeister, Europameister … ja und eben noch mal Weltmeister 2005 und Deutscher Meister 2005."

Dennis Schellhase, genannt Styla.

"Deutscher Meister 2004, Vizeweltmeister 2003, Doppelweltmeister 2003, Europameister 2005 und ich hab bestimmt noch was vergessen."

Daniel Schellhase, genannt Hero.

Styla und Hero sind einfach unschlagbar. Sie sind unglaublich fingerfertig, flexibel und schnell beim Spielaufbau und im Wettkampf ruhig und konzentriert. Geflucht wird nur beim Training, manchmal.

Täglich mindestens zwei Stunden erkunden sie die Feinheiten der neuesten Fußballspiel-Software "Fifa". Ganz ruhig sitzen sie vor ihren großen Monitoren während ihre Hände in Windeseile über die Spielkonsole, das so genannte Gamepad flitzen.

"Also ich hab einen Stick in der Hand, mit dem kann ich dann meine Spieler dreidimensional bewegen, das heißt, in jeden Raum, wo ich ihn gerade haben möchte, und … sehr präzise. Und habe eben zwölf Knöpfe, mit denen ich alle möglichen Aktionen ausführen kann, wie Ball abnehmen, eventuell fummeln, hohe Pässe spielen, flache Pässe, feste Pässe, nicht so feste Pässe, ich kann tricksen, Übersteiger machen, eben alles was der echte Fußball auch bietet.
Wenn ich entscheide, wo ich jemanden anpassen will, ziele ich sozusagen mit dem Stick genau dahin, wo der hinkommen soll und drücke dann halt die Pass-Taste. Und dementsprechend passt der dann genau in die Richtung, wo ich gerade hinziele."

Während die linke Hand kleine Joysticks steuert, bedient die Rechte zwölf Knöpfe. Das alles ist ihnen kein einziger Blick wert.
Ihre Augen fixieren den Monitor auf dem gerade die Nationalmannschaften von Brasilien und Spanien gegeneinander kicken. Die Software Fifa kommt ziemlich wirklichkeitsnah daher. Die virtuellen Spieler sehen den realen Stars erstaunlich ähnlich, sagt Daniel.

"Und die haben meist auch die Stärken die sie beim richtigen Fußball haben, das heißt, Ronaldinho ist extrem dribbelstark und Ronaldo ist extrem schnell und schussstark, so ungefähr kann man sich das vorstellen. Und die Spielbewegungen sind halt auch mit einer Technik gemacht, wo die genau abgefilmt werden. Das heißt, jede Spielbewegung gibt es auch in Wirklichkeit, auf dem richtigen Fußballplatz. Es gibt kaum noch Unterschiede zum richtigen Fußball, vom optischen her."

Von der praktischen Seite betrachtet gibt es natürlich eine Menge Unterschiede erklärt Dennis:

"Wenn man richtigen Fußball spielt, kommt es halt viel darauf an, wie motiviert man ist, dass man sich halt mit seinen Mitspielern versteht und das braucht man halt alles nicht, wenn man am Computer spielt. Dann bin ich sozusagen der Trainer, steuere alle elf Spieler gleichzeitig, kann sagen was sie machen sollen. Das ist dann so ein bisschen mehr Rasenschach."

Es kommt eben beim virtuellen Fußball entscheidend darauf an, die richtige Taktik zu haben, Lücken auf dem Feld zu schließen und wie beim Schach, möglichst im Blick zu haben, was der Gegner als nächstes vorhat. Das bedeutet zwei mal sechs Minuten volle Konzentration. So lange nämlich dauert ein Spiel. Die Partie zwischen Dennis und Daniel ist unentschieden.

"Also es steht schon mittlerweile 2:2. Ich war ein bisschen zu überheblich am Ende, hab meine Chancen nicht genutzt und hab bei ihm nicht mehr richtig aufgepasst."

Im Training ist das okay. Im Wettkampf passiert den Zwillingen das so gut wie nie. Etwa 100.000 Euro Preisgeld haben die Fifa-Twins, wie sie in der Szene genannt werden, mit ihrem elektronischen Sport inzwischen verdient und mit dem monatlichen Gehalt der Sponsoren Intel und ATI finanzieren sie ihr Studium. Und zumindest in Asien, wo die World Cyber Games Zehntausende in Stadien locken, sind die virtuell kickenden Jungs echte Stars, sagen sie etwas beschämt:

"Da gibt extra Stadien mit 140.000 Leuten, also das ist schon größer als bei uns die Fußballstadien und von daher ist da ein ganz anderer Hype. Und dann fangen dann Mädchen an zu kreischen, weil sie dich in der Zeitung gesehen haben oder so, ist schon sehr, sehr ungewohnt. Es ist immer sehr komisch, weil man sich selber nicht so fühlt, als wenn man irgendwas Besonderes wäre oder so. … Das ist irgendwie: verrückte Welt."

Ihr Trainingsspiel ist inzwischen per Elfmeter-Schießen zu Ende gegangen. Sieger ist Dennis alias Styla, was Daniel alias Hero ein wenig ärgert.

"Ich ärger mich immer wenn ich im Elfmeter-Schießen verlier, aber ich war eigentlich der bessere Mann muss ich sagen. … Na ja war unverdient."

Lacht und gibt seinem Bruder einen freundschaftlichen Stubs. Dann machen beide den Computer aus, packen die Sporttasche und gehen zum Fußballtraining. So richtig mit selber laufen und Trainer am Rand.