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Studio 9 | Beitrag vom 01.12.2014

Welt-Aids-TagHIV als Internetadresse

Warum eine gemeinnützige Initiative Internetadressen mit der Endung .hiv verkauft

Von Susanne Nessler

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Indische Aktivisten halten am Welt-Aids-Tag am 01.12.2009 in Bangalore im Süden von Indien die Rote Schleife in den Händen. (dpa / picture alliance / Jagadeesh)
Statt Schleife: Die .hiv-Domain soll ein Solidaritätszeichen sein. (dpa / picture alliance / Jagadeesh)

.de, .com, .net – das sind bekannten Adressendungen von Internetseiten. Die Initiative dotHIV verkauft Domains mit der Endung .hiv. Jeder Klick bringt Spendengeld für Projekte zum Kampf gegen Aids.

Zwei große, weiß-getünchte Räume in einem renovierten Kreuzberger Hinterhof. Hier arbeiten Ina von Rosenstiel und Carolin Silbernagl für dotHIV.  In roten pixelartigen Buchstaben, wie aus der Zeit der ersten Computer, steht auf ihren Visitenkarten ein quadratischer Punkt und das Kürzel HIV. Humanes Immundefizienz-Virus. 

Silbernagl: "Wir positionieren die HIV-Domains sehr, sehr stark als digitale roten Schleifen, das ist im ersten Schritt vor allem ein Zeichen der Solidarität mit dem Thema HIV und Aids."

Das Berliner Büro der dotHIV-Initiative verkauft die gemeinnützige Internetdomain HIV und steckt die Gewinne in soziale Projekt im Kampf gegen Aids. 

Rosenstiel: "Es sind generell Projekte, die mithilfe von neuen Technologien den Zugang zu HIV-Behandlungen verbessern wollen."

Die .hiv-Domain als zweite Eingangstür zur Homepage

Eine simple und zugleich geniale Idee, die Abkürzung für ein lebensbedrohliches Virus für eine Internetdomain zu benutzen. 

Silbernagl: "Unsere Zielgruppe sind vor allem Unternehmen, die schon einen bestehenden Webauftritt haben. Und was wir den Unternehmen raten, ist: Kauf dir ne .hiv-Domain und nutze sie als zweite Eingangstür zu deiner schon bestehenden Homepage, so wie man sich eben auch eine rote Aids-Schleife ans Revers heften würde zu dem Jackett, was man schon trägt."

Die HIV-Domain als Zeichen sozialen Engagements. Mit jedem erfolgten Internet-Klick auf eine .hiv-Domain werden Spenden generiert. 

Pro Klick werden 0,1 Cent gespendet

Gibt ein User im Netz zum Beispiel "Große-Autovermietung.hiv" ein, geschieht folgendes: Erstens: Mit dem Klick auf die .hiv-Seite werden 0,1 Cent für soziale Projekte in der Bekämpfung von Aids gespendet.

Silbernagl: "Am Welt-Aids-Tag übrigens 1 Cent pro Klick, die Klicks am Welt-Aids-Tag sind sehr viel mehr wert."

Und Zweitens kommt der User automatisch auf die Seite der "Großen Autovermietung". Es ist wie ein kleiner Schlenker oder die besagte zweite Eingangstür, über die dotHIV mit jedem Klick eine winzige Spende freigibt, der User aber trotzdem dort landet, wo er sowieso hin wollte.

AIDS-Hilfsprojekt erhalten die Domain umsonst

60.000 Euro ist das derzeit angestrebte Ziel, sagt Geschäftsführerin Carolin Silbernagl. Bei 0,1 Cent pro Klick wären das 60 Millionen Klicks. 

Doch woher kommt das Geld?

Silbernagl: "Das Ganze funktioniert deshalb, weil eine Domain registrieren nicht gleichzusetzen ist mit einer Domain online haben. Das heißt, wir haben eine ganze Reihe Registrierungen für die bezahlt wird, die aber nur eine kurze Zeit online gehen oder nie, weil sie nur aus Markenschutzgründen registriert wurden, somit haben wir einen größeren Topf Gelder zu vergeben als nur die 13 Euro."

13 Euro pro Monat kostet die .hiv-Domain für kommerzielle Nutzer. Organisationen, die sich der AIDS-Bekämpfung verpflichtet haben, erhalten die Domain umsonst.

So betreibt die erste HIV-Domain magazin.hiv auch die Deutsche Aids Hilfe. Sie steht dem Projekt auch beratend zur Seite, sagt Pressesprecher Holger Wicht. 

"Das passte natürlich perfekt, weil wir als Deutsche Aidshilfe mit dieser Endung auch eine inhaltliche Aussage machen können und zeigen können, darum geht es hier auf dieser Seite. Spannend wird jetzt wie andere Firmen das machen, die nicht in diesem Feld arbeiten wie wir, sondern die ein Zeichen setzen wollen."

"Der größte Erfolg, den dieses Projekt haben könnte, wäre der, dass eine Firma diese Endung für sich nutzt und  damit ein Denkprozess im Unternehmen angestoßen wird."

Mehr zum Thema:

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