Wasser: Lebenselexir und Konfliktstoff

19.07.2008
Eine Welt ohne Öl ist vorstellbar, eine Welt ohne Wasser nicht! Das ist ein einfacher, aber immer dringlicherer Appell. Bereits heute sterben jeden Tag 34.000 Menschen, weil sie nicht genügend Wasser haben.
Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen direkten Zugang zu sauberem Trinkwasser – die Ursache vieler Krankheiten. Wo liegen die Probleme und was ist zu tun? Klimawandel und Umweltverschmutzung sind wichtige Themen, wenn es um das wertvolle Gut Wasser geht. Aber auch die Frage um Wasser und Macht – der Kampf um Wasserressourcen als Grund für Konflikte und Kriege in der Welt – gerät verstärkt in den Fokus.

• Warum schmelzen die Gletscher schneller, als es Wissenschaftler erwartet haben? Und welche Folgen hat das?
• Welche Wassermengen verbraucht die Landwirtschaft? Wie viel Wasser braucht es zum Beispiel, um ein Kilo Weizen herzustellen?
• Wie könnte Indien die Wassermengen der Monsunregen für sich technisch nutzbar machen?
• Haben die Regierungen der Industrieländer begriffen, wie drängend die Probleme ums Wasser sind?

Solche und andere Fragen besprechen wir im Radiofeuilleton am Samstag anlässlich der Expo im spanischen Zaragoza, bei der das Thema Wasser im Mittelpunkt steht.
Wir bringen einen Süß- mit einem Salzwasserexperten zusammen, was in der Praxis selten genug passiert. Stefan Rahmstorf und Max Billib sind unsere Gäste.

Professor Rahmstorf ist Klimaforscher und Ozeanologe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Er berät die Bundesregierung in Fragen der globalen Umweltveränderungen und ist Mitglied im Weltklimarat. Am PIK erforscht er seit Jahren die Wechselwirkungen zwischen Ozeanen und der globalen Erderwärmung und versteht sich als Mittler zwischen Wissenschaft und Politik. Gerade ist er von einer Reise mit Prominenten aus der Arktis zurückgekehrt, wo das Eis rapide schmilzt. "Es geht mir darum, möglichst viele Entscheidungsträger zusammenzubringen und ihnen klarzumachen, was da passiert." Besonders das Grönlandeis bereite ihm Sorgen. "Die Schmelze des Grönlandeises hat Auswirkungen auf den Meeresspiegel. Wenn es vollständig abschmilzt, würde es ausreichen, um den Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen zu lassen."

Nur etwa drei Prozent des weltweiten Wasservorkommens ist Süßwasser, das meiste ist in Gletschern gebunden – ein Großteil im Grönlandeis. "Wir verbrauchen drei Viertel des Süßwassers in Landwirtschaft und Industrie. Und oft wird es völlig ineffizient genutzt", sagt Professor Max Billib. "Die Bevölkerung wächst und wir müssen mehr Trinkwasser produzieren; in Zukunft wird uns aber weniger Wasser zur Verfügung stehen." Wasserknappheit ist das Spezialthema des Wissenschaftlers der Leibnitz-Universität Hannover. Zusammenarbeit, Bildung und Aufklärung, Transfer von Technologien: Professor Billib begleitet Feldversuche zur effizienten Wasserbewirtschaftung und –nutzung in Ländern wie Brasilien, Mexiko und Chile, setzt aber bereits bei seinen eigenen Studenten an: "Ich versuche den jungen Leuten deutlich zu machen, dass es nicht selbstverständlich ist, täglich Wasser für Tee, Kaffee und zum Duschen zur Verfügung zu haben. Wir Deutschen verbrauchen 120 bis 150 Liter Wasser am Tag, US-Amerikaner bis zu 400 Liter. In Afrika und dem Nahen Osten müssen die Menschen mit durchschnittlich weniger als fünf Litern auskommen."

"Wasser: Lebenselexir und Konfliktstoff" darüber diskutiert Dieter Kassel am Samstag im Radiofeuilleton mit dem Ozeanologen und Klimaforscher Prof. Dr. Stefan Rahmstorf und dem Experten für Süßwasser und Wasserversorgung Prof. Dr. Max Billib.
Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der kostenlosen Telefonnummer 00800-22542254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Informationen im Internet:
www.expozaragoza2008.es
www.pik-potsdam.de
www.iww.uni-hannover.de