Jüdisches Neujahr Rosch Haschana

Was ist ein Schofar?

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Ein Schofar auf einem Gebetsbuch, anlässlich des jüdischen Neujahrsfestes.
Das biblische Blasinsrument Schofar. © Getty Images / tovfla
Elin Hinrichsen · 23.09.2022
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Ein ganz wichtiges Gebot zu Rosch Haschana, dem jüdischen Neujahr, ist es das Schofar zu hören; ein uraltes BlasiInstrument aus Horn. Der Klang ruft zur Selbstreflexion auf, aber auch Rührung hervor.
Rosch Haschana ist kein fröhliches Jubelfest, kein Fest des Sektkorkenknallens: sondern eher ein Fest des Innehaltens, des Wachwerdens.

Rosch Haschana ist eben die Einleitung zu ernsten Tagen; man nennt sie auch Jamim Noraim, die furchtbaren Tage. Wir sagen auch Jom Trua; Jom ist Tag, Trua ist Lärm, das heißt, man muss Lärm machen, damit die Leute aufwachen.

Yuval Adam, Kantor Liberale Kultusgemeinde Bielefeld

Das wohl älteste überlieferte Instrument der Bibel

Genauso klingt es auch. Das Schofar ist das wohl älteste überlieferte Instrument aus der Bibel.

Es muss gebogen sein, nicht gerade sein, obwohl im Talmud geschrieben ist, es kann auch gerade sein, aber es muss gebogen sein. Damit man guten Klang, guten Ton und gute Ergebnisse bekommt, muss man viel arbeiten.

Benzion Kaplan, Rabbiner. Jüdische Gemeinde Düsseldorf

"Es hat so eine Abfolge von Tönen, das eben war es nicht." Ein Schofar also ist ein Blasinstrument aus Naturhorn, stammt mindestens aus biblischen Zeiten und ist meistens gebogen.

Man rechnet beim Schofar die Windungen und man geht der Windung nach mit dem Meter sozusagen, und nicht der gesamten Länge, sondern den Windungen. Da ist so ein Meter fünfzig die oberste Größe. Klar gibt es größere, aber die sind dann eher selten.

Joachim With, Händler

Yuval Adams Schofar ist sehr dunkel, sehr lang und hat sehr viele wellenförmige Windungen.

Es ist reines Horn. Es heißt Widderhorn, natürlich, auf Deutsch, aber es sind Hörner von natürlich koscheren Tieren, ist klar. Es kann Antilope sein, es kann Kudu sein, je nachdem wo man lebt, wo man das herbekommt; Mufflon könnte es auch sein. Es ist keine Musik, sondern es ist Weckruf.

Yuval Adam, Kantor Liberale Kultusgemeinde Bielefeld

Töne, die Gefühle wecken

"Das ist so wie ein Alarm und jeder Mensch muss verstehen, dass man zurück zu Gott kehren muss." Es gibt lange, kurze und unterbrochene Töne. "Jeder Ton muss bestimmte Gefühle bei uns aufwecken, damit wir das Richtige mit unserer Neschama, unserer Seele, dann später machen."
Das Richtige tun; ein guter Mensch werden, so wie Adam und Eva es zu Anbeginn der Schöpfung noch waren; damals, im Garten Eden, als Gott sie geschaffen hat. Rosch Haschana gilt als der Anfang der Welt; als der Tag, an dem Gott eben die Krone der Schöpfung - Adam und Eva - erschafft. Zu Rosch Haschana öffnet Gott jedes Jahr sein großes Buch, so ist es überliefert, und schaut nach, welche Jüdin, welcher Jude so nah an seinen Mizwot, Gottes Geboten gelebt hat, dass er oder sie ein weiteres Lebensjahr verdient – oder eben auch nicht. Der Ruf des Schofars erinnert die verirrten Gläubigen daran, aufzuwachen, Resümee zu ziehen und sich schnell noch eine bessere Position vor Gott zu verschaffen; durch drei Dinge:
Erstens: Zedaka – das ist Wohltätigkeit. Die ist schon vor Rosch ha Schana fällig. Zweitens: Tschuwa, Selbstanalyse und innere Einkehr mit den Fragen Was war schon ganz gut? Wo kann ich mich verbessern? Wie fange ich an? Drittens: Tefilla – das ist ein Gebet, das zu Hause oder in der Synagoge zu sprechen ist.
Das Schofar erklingt schon 30 Tage vor Rosch Haschana, jeden Tag. So haben Gläubige länger Zeit zum Wachwerden: den gesamten Monat Elul hindurch; die beiden Festtage an Rosch Haschana und weitere zehn Bußtage danach bis hin zu Jom Kippur.

Schofar in den Ohren der Gemeindemitglieder

"Wenn ich ein Schofar höre, dann denke ich, „ach, ich bin endlich mal wieder in der Synagoge. Also, es ist schon eine Rührung da, auch wieder zu merken, von wo wir herkommen und wo wir heute sind.“
"So ein Schofarton, wenn man so damit aufwächst, das löst natürlich in einem etwas aus, etwas Besonderes, etwas Schönes, etwas Feierliches auch. Es werden ja über hundert Töne geblasen, es ist wirklich ein enormer Weckruf an die Gemeinde, wirklich zu den Gottesdiensten zu kommen!"
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