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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.08.2016

Was dürfen Lehrer - und was nicht?Wenn Schüler die Polizei rufen

Udo Beckmann im Gespräch mit Christopher Ricke und Anke Schaefer

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Matheunterricht in einem Oberstufen-Kurs am Gymnasium. (picture alliance / dpa / Marijan Murat)
Ruhe bewahren im Klassenraum ist eine Kunst, die Lehrer beherrschen müssen. (picture alliance / dpa / Marijan Murat)

Ein Lehrer lässt Schüler nachsitzen, hindert sie am Verlassen des Klassenraums. Die Schüler rufen die Polizei. Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, darüber, was Lehrer tun können, damit es gar nicht erst so weit kommt.

Ein Realschullehrer aus Neuss soll Schülern eine Strafarbeit aufgebrummt und sie am Verlassen der Klasse gehindert haben – unter anderem angeblich, indem er einem Schüler seinen Arm in den Bauch stieß. Die Schüler riefen die Polizei, der Lehrer muss nun vor Gericht.

Das wirft die Frage auf: Was dürfen Lehrer – was sollten sie in einer schwierigen Situation wie dieser tun? Das Wichtigste sei: Deeskalation und zu versuchen, nicht den Humor zu verlieren, sagte Udo Beckmann, früher Leiter einer Hauptschule, heute Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, im Deutschlandradio Kultur.

Humor als pädagogisches Mittel

So sei es vernünftiger, einen Schüler zunächst humorvoll auf eine Verfehlung aufmerksam zu machen, als sofort verhärtete Fronten zu schaffen. Im Übrigen gelte:

"Es muss immer die Verhältnismäßigkeit mit dem Vergehen gegeben sein. Und was ganz wichtig ist, ist dass man in der Schule bestimmte Regeln hat, die möglichst auch zusammen mit Eltern und Lehrern und Schülern mal erarbeitet worden sind. Damit man eine bestimmt Verhaltensgrundlage hat und natürlich auch weiß, was passiert, wenn man gegen diese Regeln, die man vereinbart hat, verstößt."

Die Eltern miteinbeziehen

Auf jeden Fall sollten immer die Eltern informiert werden, wenn man als Lehrer bestimmte Maßnahmen wie etwa Nacharbeiten in der Schule ergreifen wolle – am besten vorher.

Beckmann sagte weiter, auch die betroffenen Schüler sollten in solche Gespräch einbezogen werden. Vor allem aber sollte ihnen signalisiert werden, dass sie nicht so einfach einen Keil zwischen Lehrer und Eltern treiben könnten.

 "Der Lehrer ist ein ausgebildeter Pädagoge. Von daher sollte er auch gelernt haben, mit nicht einfachen Situationen umzugehen", betonte Beckmann. Das A und O sei es auf jeden Fall, ruhig und bestimmt zu bleiben.

 

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