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Thema / Archiv | Beitrag vom 02.07.2008

Warum wir keine Egoisten sind

Die Versuche von Tania Singer zur Empathie

Von Susanne Billig

Hirnuntersuchung mit Hilfe eines Magnetresonanztomographen. (AP)
Hirnuntersuchung mit Hilfe eines Magnetresonanztomographen. (AP)

Ein Kind fällt und schlägt sich das Knie auf. Unwillkürlich zucken wir zusammen. Warum eigentlich? Unser Herz fühlt den Schmerz anderer mit, sagt der Volksmund. Tania Singer, Hirnforscherin und Professorin an der Universität Zürich, ist davon überzeugt: Schmerz-Mitgefühl entsteht im Gehirn.

Für ihre bahnbrechende Studie setzte sie sechzehn Frauen mit ihrem Lebenspartner in einen Raum. Nun wurde entweder der Frau oder ihrem Partner ein elektrischer Schock auf den Handrücken versetzt. Dabei konnten die Frauen ihren Liebsten nicht sehen, aber an einer Anzeige ablesen, wie schmerzhaft der nächste Elektroschock ausfallen würde. Mit modernster Technik fotografierte Singer die aktiven Nervenareale im Gehirn der Testteilnehmerinnen. Es zeigte sich: Wenn die Frauen wussten, dass ihre Liebsten Schmerzen erlitten, wurden Areale in ihren Gehirnen aktiv, die für die gefühlsmäßige Bewertung von Schmerzen wichtig sind. Hirnaktivitäten, die mit dem direkten Empfinden von Schmerzen einhergehen, blieben dem persönlich erlebten Schmerz vorbehalten. Das Mitfühlen im Gehirn fiel umso stärker aus, je einfühlsamer eine Probandin laut vorherigem Fragebogentest war.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Da die Teilnehmerinnen nur aus eingeblendeten Symbolen auf die Schmerzen ihrer Partner schließen konnten, ist das Mitfühlen von Schmerz keine rein instinktive Reaktion. Auch Nachdenken und Logik können es erzeugen.

Vor kurzem führte Tania Singer den Nachweis, dass unser Gehirn besonders viel Schmerz-Empathie für faire Mitmenschen aufbringt. Dazu ließ die Forscherin ihre Probanden ein Kooperationsspiel durchleben. Ein solches Spiel bringt an den Tag, ob jemand andere hintergeht, um Vorteile zu ergattern.

Ohne Wissen der Probanden nahmen auch Schauspieler teil - einer extra rücksichtslos, der andere besonders kooperativ. Am Ende bestraften die Wissenschaftler diese beiden Spieler mit leichten Elektroschocks an den Händen. Wurde der nette Mitspieler bestraft, reagierten die Schmerzzentren im Gehirn der zuschauenden Probanden deutlich mehr, als wenn den fiesen die Strafe traf. Die Forscherin ist davon überzeugt: Kooperation und Zusammenarbeit sind biologisch fest in unserem Gehirn verankert.

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