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Interview / Archiv | Beitrag vom 15.10.2018

"War or peace"-Festival am Maxim Gorki TheaterWorte gegen die "gnadenlose Vereinfachung"

Hans-Werner Kroesinger im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Der Regisseur Hans-Werner Kroesinger (imago / DRAMA-Berlin.de)
Man sehe damals wie heute Angst, die um sich greife, sagt Kroesinger. (imago / DRAMA-Berlin.de)

Am Maxim Gorki Theater wird das Stück "Kultur Verteidigen" über den antifaschistischen Schriftstellerkongress 1935 aufgeführt. Regisseur Hans-Werner Kroesinger über die Dringlichkeit der damaligen Gegenwehr - und Parallelen zur heutigen Zeit.

Im Rahmen des Theater- und Performancefestivals War or Peace am Maxim Gorki Theater kommt auch ein Stück über den antifaschistischen Schriftstellerkongress 1935 auf die Bühne. "Kultur verteidigen" heißt es. Erarbeitet hat es der Regisseur Hans-Werner Kroesinger zusammen mit Regine Dura.

1935 fanden sich in Paris 250 Schriftsteller aus der ganzen Welt zusammen. Es war alles da, was Rang und Namen hatte: Paul Nizon, Bertolt Brecht, Pasternak, André Malraux, Tretjakow, Anna Seghers, Lion Feuchtwanger, Robert Musil.

"Heute die Kultur retten"

Man traf sich, um "heute die Kultur zu retten", wie es Bertolt Brecht formulierte. Der Schriftstellerkongress wollte dem sich ausbreitenden Faschismus etwas entgegensetzen. Fünf Tage dauerte er, Tausende hörten den Reden zu. Diesen merke man die Dringlichkeit, die Energie und die Kraft an, die aufgewendet werden musste, um die eigene Position zu formulieren, sagte der Regisseur Hans-Werner Kroesinger im Deutschlandfunk Kultur.

Der österreichische Schriftsteller Robert Musil in einer undatierten Aufnahme. (dpa / picture alliance / Ullstein)Robert Musil war 1935 beim antifaschistischen Schriftstellerkongress dabei - und hatte einen bewegenden Auftritt. (dpa / picture alliance / Ullstein)

Kroesinger und Regine Dura haben Teile der damaligen Originalreden genommen und zu dem Stück "Kultur verteidigen" verarbeitet. Dabei erkunden sie die Aktualität der Reden.

Präzise Beschreibung von Mechanismen

In der Auseinandersetzung mit den Texten kämen einem viele Dinge mit Blick auf die heutige Zeit sehr bekannt vor, sagte Hans-Werner Kroesinger im Deutschlandfunk Kultur. Bestimmte Mechanismen würden sehr präzise beschrieben.

Als Parallelen benannte Kroesinger die offensichtliche Instrumentalisierung von Kultur damals und heute, und "die gnadenlose Vereinfachung, die stattfindet, der Populismus, der den Leuten ein Ziel verspricht". Man sehe damals wie heute Angst, die um sich greife.

Das sei sehr beunruhigend, sagte der Regisseur. (ahe)

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