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Radiofeuilleton - Kino und Film / Archiv | Beitrag vom 13.04.2014

Wahre GeschichteWeiter, immer weiter

"Lauf, Junge, lauf!" erzählt, wie ein jüdischer Junge den Holocaust überlebte

Von Christian Berndt

Zeitzeuge Yoram Fridman und Hauptdarsteller Andrzej Tkacz posieren bei einem Fototermin für den Film "Lauf Junge lauf". (picture alliance / dpa / David Ebener)
Der Zeitzeuge Yoram Fridman zusammen mit dem Hauptdarsteller Andrzej Tkacz (Srulik) (picture alliance / dpa / David Ebener)

Der Film basiert auf der wahren Geschichte des Yoram Friedman, der 1942 als achtjähriges Kind aus dem Warschauer Ghetto fliehen konnte. Er erzählt von einer dramatischen Flucht und vom Verlust der jüdischen Identität.

"Wenn du dich gut versteckst und stillhältst, kann ich dich hier rausfahren. Wenn du im Ghetto bleiben willst, musst Du jetzt runtersteigen."

Es ist ein kurzer Moment, der über Leben und Tod entscheidet. Der 8-jährige Srulik ist auf das Fuhrwerk eines Abfallhändlers gesprungen, der fährt an den deutschen Wachen vorbei aus dem Ghetto. Srulik ist nun in Freiheit, aber damit fängt ein erbarmungsloser Überlebenskampf an. Er versteckt sich in den Wäldern, und dort trifft er auf eine Gruppe anderer jüdischer Kinder:

"Warst du tatsächlich noch nie im Wald? – Ich war schon im Wald, aber nie so lange. – Wenn es den Wald nicht gäbe, hätten sie uns schon längst. Die Deutschen haben Angst vor dem Wald, wegen der Partisanen. – Was issen das? – Bewaffnete."

Die Kinder zeigen ihm, wie man im Wald überlebt und Lebensmittel von Bauernhöfen stiehlt. Das ist lebensgefährlich, denn wenn ein Kind erwischt wird, liefern es die Bauern in der Regel gegen Belohnung an die Deutschen - und damit dem sicheren Tod - aus. Als die Kinder von Soldaten erwischt und gejagt werden, verliert Srulik die anderen aus den Augen. Er ist nun wieder allein. Dann kommt der Winter, hungernd und frierend bricht er vor einem Bauernhof halbtot zusammen. Doch er hat Glück, die Bäuerin hilft ihm:

"Ich heiße Magda Janczyk, und du? – Jurek, Jurek Stanjak. – Schöner Name, auch wenn das nicht dein wirklicher Name ist, stimmt's? Keine Angst, ich verrate dich nicht, gut, dass du einen polnischen Namen hast."

Direkt und angemessen sparsam erzählt

Magda bringt Srulik das fürs Überleben Wichtigste bei: Sich zu verstellen. Pepe Danquart erzählt in "Lauf, Junge, lauf" nicht nur von einer dramatischen Flucht, sondern auch vom Verlust der eigenen Identität. Srulik muss seine jüdische Herkunft verleugnen, um zu überleben. Nicht nur einmal wird er an die Deutschen verraten, der aufgeweckte Junge überlebt durch Geschick und Zufälle, die mitunter an Wunder grenzen.

"Lauf, Junge, lauf" ist nah an der Vorlage – direkt und angemessen sparsam – erzählt wie eine Abenteuergeschichte. Aber das Grauen ist immer präsent. Erst nach Kriegsende wird Srulik seine jüdische Identität wiederentdecken, so wie er es seinem Vater vor dem Abschied versprochen hat:

"Aber selbst, wenn du alles vergisst, deinen Namen und vielleicht sogar Mutter und mich, du darfst nie in deinem Leben vergessen, dass du ein Jude bist."

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