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Interview | Beitrag vom 21.06.2019

Wachsende Bedeutung von Instagram Die Kraft der Bilder

Martin Fuchs im Gespräch mit Dieter Kassel

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Ein Foto aus dem Instagram-Account von Cem Özdemir zeigt den Grünen-Politiker beim "Politiker ärgere Dich nicht"-spielen mit seinem Sohn (Screenshot Instagram/@cem.oezdemir)
Politiker, wie Cem Özdemir, zeigen auf Instagram auch privatere Seiten ihres Lebens. (Screenshot Instagram/@cem.oezdemir)

Als "Wohlfühlnetzwerk" der Politik hat der Kommunikationsberater Martin Fuchs die Rolle von Instagram beschrieben. Der Erfolg des Netzwerks lebe von der Emotionalität der Bilder, vor allem die Storyfunktion sei für Politiker attraktiv.

Der wachsende Erfolg von Instagram hänge mit der Stärke und Wirkmächtigkeit von Bildern zusammen, sagte der Politikberater für digitale Kommunikation, Martin Fuchs, im Deutschlandfunk Kultur. Das sei in der politischen Kommunikation immer schon so gewesen. Fuchs erinnerte an das berühmte Foto von Willy Brandts Kniefall in Warschau. "Das sind einfach starke Gesten, die hängen bleiben." Auch bei Instagram sei es so, dass der Erfolg des Netzwerks von der Emotionalität der Bilder lebe. Damit ließen sich politische Botschaften sehr gut vermitteln.

Attraktiv für junge Leute  

Gerade erst hatte eine Studie, der "Reuters Institute Digital News Report", festgestellt, dass Nachrichten über das Weltgeschehen junge Menschen in Deutschland inzwischen häufiger über Instagram als über Facebook erreichen. Die Plattform habe bei den 18- bis 24-Jährigen Facebook und Twitter als Nachrichtenquelle überholt, hieß es. Rund ein Viertel (23 Prozent) der Internetnutzer im Alter von 18 bis 24 Jahren sehe sich bei Instagram regelmäßig Nachrichteninhalte an. Facebook und Youtube rangierten mit 22 Prozent knapp dahinter. WhatsApp komme bei den 18- bis 24-Jährigen auf zehn Prozent, Twitter nur auf sechs Prozent.

Lob für Storyfunktion  

Fuchs sagte, es gebe Themen, die besser funktionierten und andere schlechter. Der Kommunikationsberater hob vor allem die Storyfunktion von Instagram hervor, die es ermöglicht, kurze Geschichten in einer eigenen Dramaturgie zu erzählen. "Damit haben Politiker wesentlich mehr Platz als zum Beispiel in einem zehn Sekunden Aufsager bei der Tagesschau oder vielleicht in einem Zitat, das bei Deutschlandfunk Kultur in den Nachrichten kommt." Auch Deutschlandfunk Kultur hat einen Instagram-Kanal, auf dem die eigenen Inhalte entsprechend aufbereitet werden. 

Potential für die Politik

Fuchs sagte, er sehe bei Instagram ein Riesenpotential, zumal das Netzwerk jeden Tag neue Nutzer dazu gewinne. Rund die Hälfte der Politiker und Politikerinnen nutzten Instagram heute bereits, aber nur etwa zehn Prozent schöpften die Möglichkeiten aus. Viele scheuten noch den Aufwand. Bisher sei Instagram zwar ein "Wohlfühlnetzwerk der deutschen Politik", aber es sei nur eine Frage der Zeit bis Trolle und Hassrede sich auch dort stärker bemerkbar machten.  

(gem)

Die Ergebnisse der Studie des "Reuters Institute Digital News Report 2019" für Deutschland finden sie hier!

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