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Im Gespräch | Beitrag vom 03.11.2018

VorsorgemuffelWarum kümmern sich Männer so wenig um ihre Gesundheit?

Moderation: Vladimir Balzer

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Ein Mann sitzt nackt auf einer Behandlungsliege beim Arzt, nur einen Hut auf dem Schoß (Filmstill aus dem Film "Ulysses", Großbritannien/USA 1967, Regie: Joseph Strick, Darsteller: Milo O Shea) (imago/United Archives)
Wechseljahre beim Mann, Vorsorge oder Potenzschwäche - heikle Themen für Männer, die viele lieber ausblenden. (imago/United Archives)

Männer gehen seltener zum Arzt als Frauen, sie leben ungesünder und nur jeder zweite geht regelmäßig zur Krebsvorsorge. Das führt dazu, dass ihre Lebenserwartung im Schnitt fünf Jahre unter der von Frauen liegt. Was kann man dagegen tun?

"Männer gehen häufig erst zum Urologen, wenn sie wirklich krank sind oder die Partnerin sie schickt", sagt Dr. Tobias Jäger, Urologe und Facharzt für Männergesundheit in Essen. "Dabei ist es wichtig, bereits frühzeitig zu einer Früherkennungsuntersuchung zu gehen, bevor erste Symptome zu verspüren sind."

Jäger, der auch Vorstandsmitglied in der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit ist, versucht, diese Hemmschwelle zu senken. Auf seiner Homepage "Männerarzt" behandelt er heikle Themen wie Wechseljahre beim Mann, Vorsorge oder Potenzschwäche in informativen und humorvollen Beiträgen. Männer neigten eher zu einer "Reparaturmedizin". Deshalb nennt Jäger die Vorsorge auch schon einmal "Männer-Inspektion", seine Patienten erhalten eine Art Scheckheft mit den wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen. Seine Ermunterung: "Urologische Untersuchungen sind heutzutage weder schmerzhaft noch unangenehm!"

Nicht gewohnt, über Befindlichkeiten zu reden

"Eigentlich wird von einem Mann erwartet, dass er bis 80 potent ist. Das ist für viele Männer eine Belastung – und sie sind allein damit", sagt Jens Lönneker, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts "rheingold salon" in Köln. Der Psychologe beschäftigt sich unter anderem mit Geschlechterrollen und hat dazu auch das Selbstverständnis von Männern erforscht. Seine Erfahrung: Viele Männer seien nicht gewohnt, über ihre Befindlichkeit zu reden – schon gar nicht über Krankheiten, die ihre Männlichkeit infrage stellen. Auch deshalb scheuten sie den Arztbesuch.

Eine wichtige Rolle spielten dabei auch die Frauen: "Wir Männer definieren uns über Frauen. Auch wenn wir nur über uns reden wollen, kommen wir früher oder später doch auf sie zu sprechen. Dabei wäre es wirklich notwendig, mal die heutigen Männerbilder zu reflektieren. Jeder Mann sollte sich fragen: Was ist eigentlich meine Vorstellung von einem guten Leben?"

Die Vorsorgemuffel – Warum kümmern sich Männer so wenig um ihre Gesundheit? – Darüber diskutiert Vladimir Balzer am Samstag, den 3. November von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Tobias Jäger und Jens Lönneker. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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