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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 05.09.2020

Vorschlag von Bundespräsident Steinmeier Gemeinsames Gedenken für die Corona-Opfer

Liane Bednarz im Gespräch mit Korbinian Frenzel

Bundespräsident Steinmeier mit Maske (picture alliance/dpa/Sven Simon)
Hat eine Gedenkfeier für Corona-Opfer vorgeschlagen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. (picture alliance/dpa/Sven Simon)

Bundespräsident Steinmeier hat ein offizielles Gedenken für die Opfer der Coronapandemie angeregt. Die Publizistin Liane Bednarz findet es richtig, dass der Staat der Trauer über die rund 9300 Toten Ausdruck verleihe.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat eine offizielle Gedenkstunde für die Coronaopfer ins Gespräch gebracht. Er will damit den Angehörigen der rund 9300 Toten in ihrer Trauer helfen.

"Der Corona-Tod ist ein einsamer Tod", sagte Steinmeier. Viele Patienten in Krankenhäusern und Altenheimen seien ohne den Beistand ihrer Angehörigen gestorben, die Hinterbliebenen hätten nicht Abschied nehmen können. "Wir müssen den Menschen in ihrer Trauer helfen und darüber nachdenken, wie wir unser Mitgefühl ausdrücken können." 

Die Juristin und Publizistin Liane Bednarz (Liane Bednarz)Die Juristin und Publizistin Liane Bednarz begrüßt die Idee eines Gedenkens für die Corona-Toten in Deutschland. (Liane Bednarz)

"Dass man als Staat dieser Trauer angemessen Ausdruck verleihen möchte, finde ich schon richtig", sagt unser Studiogast, die Publizistin Liane Bednarz. Dabei gehe um die Ehrung der Toten und deren Angehörigen. Das zentrale Argument des Bundespräsidenten sei, dass es in vielen Fällen für die Angehörigen nicht möglich gewesen sei, richtig Abschied zu nehmen. Es sei ein sehr emphatischer Ansatz, dieser Situation in dieser Form begegnen zu wollen.

Der Rahmen müsse würdevoll sein, aber nicht zu abgehoben. Bei einer solchen Gedenkveranstaltung sollten nicht nur Repräsentanten des Staates reden, sondern auch Menschen, die jemanden verloren hätten.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn habe sehr zu Recht am Anfang der Pandemie gesagt, dass wir uns alle wechselseitig eines Tages sehr viel verzeihen müssten. Sie finde dennoch eine nachträgliche Kritik daran überzogen, dass beispielsweise der Gesundheitsschutz in Alters- und Pflegeheimen zu streng gewesen sei. Das sage sie, obwohl sie auch ihre eigene Mutter nicht habe besuchen können.

Sorge um die Altersheime 

"Die Pflegeheime haben wirklich viel gemacht", sagt Bednarz. "Dieses Pauschalargument, die Menschen seien alleine gelassen worden, das teile ich so nicht." Hinterher sei man immer schlauer, aber damals habe die Angst vorgeherrscht, dass man beim Besuch seiner Angehörigen möglicherweise ganze Heime habe infizieren können. Da hätte man dann Todesfälle auf dem Gewissen gehabt.  

Spahn habe jetzt eingeräumt, dass man mit dem jetzigen Wissensstand über Covid 19 die Altersheime nicht mehr so schließen würde."Aber damals wusste man das so noch nicht." Es sei richtig, das jetzt aufzuarbeiten und sich zu fragen, was richtig und was falsch gewesen sei.

(gem)   

Liane Bednarz ist Publizistin und promovierte Juristin mit dem Schwerpunkt Neue Rechte, Populismus und religiöse Bewegungen. Ihr Studium absolvierte sie in Passau, Genf und Heidelberg. Sie ist regelmäßige Gastkommentatorin (online) beim SPIEGEL und betreibt gemeinsam mit dem Publizisten Alan Posener den Blog "Starke Meinungen". Weitere Texte wurden in der NZZ, der FAS und dem "Freitag" publiziert. Im Frühjahr 2018 erschien im Droemer-Verlag ihr Buch "Die Angstprediger – Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern".

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