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Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.01.2020

Vorsätze für das neue JahrMehr Entspannung durch Müßiggang

Von Andrea Gerk

Ein Mädchen liegt entspannt an einer Mole und schaut auf ein Gewässer hinaus, auf dem Boote und Yachten sind. (Jerome Gorin / PhotoAlto / imago-images)
Nichtstun als Vorsatz für das neue Jahr - denn da kommen die besten Gedanken. (Jerome Gorin / PhotoAlto / imago-images)

Mehr Sport steht ganz oben auf der Hitliste der Neujahrsvorsätze, die immer wieder gefasst werden - und oft scheitern. Damit das anders läuft, gibt es ein paar Vorschläge, die klappen könnten, weil man dafür nichts tun muss. Das aber richtig.

Filme, Bücher oder Sportereignisse - wenn das Jahr zu Ende geht, wird überall Bilanz gezogen. Aber auch tief im Inneren, also dort wo eigentlich keiner reingucken darf (meist nicht mal wir selbst), wird manch ernüchternde Rechnung aufgemacht: öfter laufen gehen, gründlich ausmisten oder sich ehrenamtlich engagieren - all das, was man sich im letzten Jahr vorgenommen hatte, ist schon nach kurzer Zeit mal wieder im Sande verlaufen.

Rund ein Drittel aller Vorsätze scheitert

Wobei mir einfällt, dass ich noch immer jeden Monat den exorbitanten Beitrag im Fitnessclub bezahle, obwohl ich genau genommen nie hingehe. Zum Glück bin ich nicht allein mit dem alljährlichen Versagen: Rund 30 Prozent aller Neujahrsvorsätze scheitern, wie eine Studie zeigt, der zufolge einige schon nach drei Wochen das durchgeschwitzte Handtuch schmeißen und nach einem halben Jahr nur noch die Hälfte bei der Sache ist.

Vielleicht sollte man sich deshalb in diesem Jahr einfach mal etwas vornehmen, wofür man eigentlich nichts tun muss - außer nichts zu tun. Womit man in unserer hocheffizienten, durchökonomisierten Zeit, ja fast schon als Kauz oder Anarchist durchgeht! Denn wer gibt noch offen zu, dass er sein heiliges Mittagsschläfchen liebt, gern mit den Nachbarn stundenlang im Treppenhaus schwätzt oder begeistert mit einem Sofakissen am Fensterbrett hängt und auf die Straße guckt.

Ein Lob der Langeweile und des Nichtstuns

Nichts tun oder sich langweilen, ist geradezu verpönt. Dabei kann nur beim Nichtstun wirklich etwas entstehen bzw. der Mensch zu sich selbst kommen. "Nur aus der Langeweile kommen die besten Gedanken", glaubt der österreichische Schriftsteller Wolf Haas: "Ohne Langeweile hätte der Mensch überhaupt nichts erfunden, keine Mondlandung, keinen Reißverschluss, keine perversen Sexspiele mit Reißverschlüssen an den unmöglichsten Stellen, nichts!"

Deshalb sollte man viel öfter mit Hingabe "herumschildkröteln", wie der große Gerhard Polt die echte Muße nennt. "Wenn nichts passiert", sagt der Kabarettist, "passiert ja nur scheinbar nichts, weil irgendwas passiert ja immer, und wenn eine Ameise übern Sandboden läuft oder Staubpartikel durchs Fenster sichtbar werden, weil die Sonne reinscheint. Die Frage ist, ob es einem gelingt, sich diesem Angebot zu öffnen."

Wer diese Frage mit Nein beantworten muss, sollte dringend und am besten gleich am Neujahrstag mal ausgiebig nichts tun. Denn anders als die unermüdliche Geschäftigkeit, die in unserer Leistungsgesellschaft erwartet wird, sind echter Müßiggang und tiefe Langeweile als Zustände äußerster Entspannung höchst belebend und inspirierend.

Nehmen Sie sich doch vor, hin und wieder mal singend auf dem Sofa zu liegen, nur für sich allein ein absurd aufwendiges Gericht zu kochen oder sich den ganzen Nachmittag nur Unsinn auszudenken! Nichts kann gewinnbringender sein, als auf solche Weise genüsslich die eigene Lebenszeit zu verschwenden.

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