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Nachspiel | Beitrag vom 17.11.2019

Vorlesetag zum Thema "Sport und Bewegung"Buch oder Ball - oder doch beides?

Von Anh Tran

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Eine Studioaufnahme zeigt einen kleinen Jungen im Anschnitt mit einem Buch unter dem rechten und einem Fußball unter dem linken Arm. (imago / Panthermedia)
Wie bekommt man auch Jungs dazu, ihre Nasen in Bücher zu stecken? Vielleicht mit Büchern über Fußballspieler. (imago / Panthermedia)

Sport und Lesen – ein Widerspruch? Viele Kinder können sich einen Mix aus Lesen und Liegestützen machen sehr gut vorstellen. Und auch die Stiftung Lesen hat sich das Thema "Sport und Bewegung" zum Motto des Vorlesetags erkoren.

"Lesen mag ich eher im Winter, im Sommer nicht so", sagt Gerda, 12 Jahre alt. Im Sommer mache sie lieber draußen Sport – rumrennen und aktiv sein. Lesen, das sei eher was für die Couch, eingekuschelt unter der Decke.

Sport und Lesen – ein Widerspruch? Unsere Literatur-Redakteurin Andrea Gerk meint Nein: "Für mich überhaupt kein Widerspruch – ganz im Gegenteil. Ich denke, da gibt es schon einen engen Zusammenhang zwischen geistiger und körperlicher Bewegung. Und Sport ist auch immer ein gutes Bild für das, was in der Gesellschaft los ist und was sich darin spiegelt."

Diesen Zusammenhang bezweifelt Redakteurin Stephanie von Oppen: "Es ist eigentlich eine ziemlich beliebige Kombination auf den ersten Blick, finde ich."

Die Stiftung Lesen hat "Sport und Bewegung" nicht nur zum Motto ihres Vorlesetags gemacht, sondern auch zu ihrem Jahresthema auserkoren. Und dahinter steckt die einfache Frage, die der Pressesprecher der Stiftung erläutert:

"Wie kriegen wir auch mal Jungs zum Lesen? Wir wissen eben aus vielen Studien oder Befragungen, dass sich gerade Jungs sich mit dem Thema Bücher selber lesen schwer tun. Wir wissen aber, dass sie gerne Sport machen", sagt Daniel Schnock. "Und wir haben mehrere Projekte, z.B. Kicken und Lesen, wo wir eben Fußball und Geschichten über Fußballspiele miteinander verbinden und die Jungs darüber zum Lesen kriegen."

Alles von Fußball bis Flamenco

Der Vorlesetag richtet sich an alle Kinder. Bücher können ihnen verschieden Sportarten und andere Lebensbereiche nahe bringen – also alles von Fußball bis Flamenco. Sie sollen in Geschichten eintauchen, Fragen stellen wie: Was bedeutet es, Teil einer Mannschaft zu sein? Und wie bewegt sich eigentlich ein Huhn? Unabhängig von Geschlecht oder Herkunft. Und wenn die Sprache an ihre Grenzen stößt, dann hilft – Bewegung.

So wie hier: eine Willkommensklasse in Berlin-Kreuzberg. Deutsch ist nicht die Muttersprache der Kinder. Auf roten Stühlen, die gerade bis zum Knie reichen, haben sich die Sechs- bis Elfjährigen um die heutige Vorleserin versammelt: Anne Will. Die Kinder sind aufgeregt. Zwei Mädchen drängen sich auf einen Stuhl, um der Vorleserin besonders nah zu sein. Die Journalistin Anne Will ist seit Jahren beim Vorlesetag dabei.

"Ich finde wichtig, dass man mit der Sprache spielt, dass man diese Sprache für sich immer farbenfroher entwickelt. Und dazu ist Vorlesen toll und übrigens auch das Beschreiben von Bildern in Bilderbüchern. Das regt einfach die Phantasie an."

Lesen und Liegestützen machen

Sport und Bewegung - das Thema des Vorlesetags mag etwas konstruiert sein, aber: Bewegung als Medium für Sprache – das funktioniert.

"Heute war das so, dass die Kinder den Hahn, wie er fliegt, dann alle nachgemacht haben, aber eben auch versucht haben zu imitieren, wie ein Hahn kräht. Das ist schön. Das hat Spaß gemacht."

So können sich Kinder Sprache bewegend erschließen - spielerisch. Das bringt auch Spaß beim Vorlesen.

Die 12-jährige Gerda hat noch einen besonderen Tipp: "Wenn man vielleicht so eine Seite Buch liest und danach so drei Hockstrecksprünge macht und dann drei Liegestütze und danach wieder liest – da bin ich so vielseitig beschäftigt."

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