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Tonart | Beitrag vom 15.01.2021

Vor 80 Jahren geboren: Captain Beefheart Blues der extravaganten Art

Von Goetz Steeger

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Schwarzweißfotografie eines Mannes, der sein langes dichtes dunkles Haar nach hinten aus dem Gesicht gekämmt hat. Er trägt einem Ring am rechten Zeigefinger und hält eine Zigarette in der Hand. Der Daumen berührt einen Mundwinkel. (picture alliance / Avalon/Retna)
Er sah sich selbst als ein zähes Rinderherz gegen die Gesellschaft: der US-amerikanische Musiker Captain Beefheart, hier im Jahr 1970. (picture alliance / Avalon/Retna)

Einer der großen Innovatoren der 1960er-Jahre war Captain Beefheart, aufgewachsen in derselben kalifornischen Kleinstadt wie Frank Zappa. Er scherte sich nicht um Erwartungen anderer und erweiterte die Grenzen des Machbaren in der Musik. Heute wäre er 80 geworden.

Die Scheibe erschien 1965 und hätte nächste große Ding werden sollen. "Diddy Wah Diddy", so heißt die erste Single von Captain Beefheart & His Magic Band. Ein Bo-Diddley-Song.

Der Blues-Boom war aus Großbritannien rüber- beziehungsweise zurückgeschwappt. Bands, die Delta-Blues mit Rock’n’Roll verbanden, waren angesagt.

Aber Don Vliet alias Don Van Fliet alias Captain Beefheart war dafür nicht gemacht. Seine Songs sprengten schnell den Rahmen: Free Jazz, Elektronik oder Dadaismus kamen ins Spiel. So hatte man aber nicht gewettet, der Plattendeal wurde nach zwei Singles gekippt.

Selbstbild als zähes Rinderherz

So geht es einem Dropout, der gegen die Norm steht. Als solcher sah er sich, ein zähes Rinderherz gegen die Gesellschaft, wie er es in der David-Letterman-Show im Jahr 1982 ausdrückte:

"… a beef in my heart against the society"
 
Schon als Kind galt er als extrem talentiert und ebenso widerborstig. Er formte Skulpturen, die die Erwachsenen verblüfften und verweigerte die Schule. In seiner Jugend in der kalifornischen Kleinstadt Lancaster am Rande der Wüste hörte er sich mit seinem Kumpel Frank Zappa Rhythm-and-Blues-Platten an, etwas später kamen dann die ersten Bandversuche. Der schräge Typ mit der Stimme wie Howlin’ Wolf sprach sich schnell rum.

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Es entstanden besagte zwei Singles, und schließlich kam auch ein neues Angebot für ein ganzes Album. "Safe As Milk" entstand, und zur Band stieß der 19-jährige Ry Cooder, als Gitarrist und musikalischer Leiter, der die freifliegenden Ideen in eine Form brachte.

Bluesig, elektrisch verzerrt mit extravaganten Zwischenmomenten, inspirierend und neu im Jahre 1967.

Komplexe Unzugänglichkeit

Das war quasi "You Really Got Me" von den Kinks mit einem anderen Anhang und einer cleanen Gitarre, die das spielt. Dazu kommt eine verzerrte Gitarre – künstlich verzerrt klingt sie – und der Bass, der auch gelegentlich Akkorde spielt. Typisch für die Magic Band.

Das darauffolgende Album "Trout Mask Replica" gilt trotz seiner komplexen Unzugänglichkeit als Captain Beefhearts Meisterwerk, dass in seiner Pracht erst viel später neu entdeckt wurde. Auf den nächsten Platten wurde der Sound der Magic Band wieder etwas konventioneller, aber auch da setzte kein größerer Erfolg ein.

1985 beendete Captain Beefheart seine musikalische Laufbahn und widmete sich seinem anderen künstlerischen Standbein, der Malerei, mit einigem Erfolg. Don Vliet litt in seinem letzten Lebensabschnitt an Multiple Sklerose, 2010 starb er an den Folgen der Krankheit.

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