Vor 50 Jahren: Vom Atomium bis zu den Geboten sozialistischer Moral

Vorgestellt von Winfried Sträter · 31.10.2008
Das Ereignis 1958 war die Weltausstellung in Brüssel unter dem Wahrzeichen des Atomiums. In der DDR verkündete Walter Ulbricht die zehn Gebote sozialistischer Moral. Die CD-Edition ist die 14. Folge der Audiothek zur Nachkriegsgeschichte, die das Deutschlandradio herausgibt. Die Ausschnitte aus Sendungen von Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk werden durch Fundstücke aus dem ehemaligen RIAS ergänzt
Ein Gebilde wie ein UFO, das mitten in der Hauptstadt Europas gelandet ist. 41 Millionen Menschen kamen, um dieses technische Wunderwerk der Moderne zu sehen – und in den Pavillons der Nationen Blicke in eine verheißungsvolle Zukunft zu werfen. Das Mega-Ereignis des Jahres 1958 war die Weltausstellung in Brüssel unter dem Wahrzeichen des Atomiums. Die Welt hatte sich von den schlimmsten Kriegsfolgen erholt, Wissenschaft und Technik schienen alles möglich zu machen, die Zukunft hatte begonnen.

Geschichte zum Hören 1958. Die Erinnerung an die Brüsseler Weltausstellung, bei der die bundesdeutschen Besucher-Weltmeister waren, ist Teil der Doppel-CD, auf der die wichtigsten Ereignisse des Jahres dokumentiert werden. Die Bundesrepublik schwelgte im Wirtschaftswunder, in der DDR nahm Walter Ulbricht Anlauf, um in wenigen Jahren den Klassenfeind im Westen zu überholen. Auf dem V. Parteitag der SED hielt er die programmatische Rede.

Die Bibel war für Walter Ulbricht eigentlich ein Machwerk aus einer überholten Epoche der Menschheitsgeschichte – aber ganz ohne biblische Vorlage kam auch der SED-Chef nicht aus. Beim Versuch, den neuen Menschen zu formen, verkündete Ulbricht die zehn Gebote der sozialistischen Moral.

Die CD-Edition ist die 14. Folge der Audiothek zur Nachkriegsgeschichte, die das Deutschlandradio – beginnend mit dem Jahr 1945 – herausgibt. Die wichtigsten Ausschnitte aus Sendungen von Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk werden auf der Doppel-CD präsentiert, ergänzt durch Fundstücke aus dem ehemaligen RIAS, dem Rundfunk im Amerikanischen Sektor. Das Brandenburger Tor war damalsaudire - noch offen und soeben fertig restauriert. Vertrauensvoll hatte der Westberliner Senat dem Ostberliner Magistrat die Quadriga übergeben, damit sie wieder aufs Tor gesetzt werden sollte. Dann aber war die Aufregung groß.

Was mit der Quadriga passiert war: auch das dokumentiert die CD "Geschichte zum Hören 1958". In Bonn begann das Jahr mit einem parlamentarischen Paukenschlag. Konrad Adenauer regierte seit der letzten Bundestagswahl mit einer komfortablen absoluten Mehrheit im Bundestag. Eigentlich konnte ihm keiner was. Seine Regierungsbilanz war einzigartig – außenpolitisch, wirtschaftspolitisch, sozialpolitisch. Doch Politik ist ungerecht und die Opposition nicht dazu da, sich vor der Regierung zu verneigen. Am Abend des 23. Januar 1958 traten der Sozialdemokrat Gustav Heinemann und der Freidemokrat Thomas Dehler vor das Bundestagsmikrophon. Heinemann und Dehler konfrontierten Adenauer schonungslos mit der Schwachstelle seiner Politik: der in weite Ferne gerückten Wiedervereinigung.

Geschichte zum Hören 1958: Der Physiker Werner Heisenberg glaubt, die Weltformel gefunden zu haben, Charles de Gaulle rettet Frankreich, in Buchenwald bei Weimar wird die erste KZ-Gedenkstätte eingeweiht, Vladimir Nabokovs Lolita erregt die deutschen Leser, Papst Pius XII. stirbt in Rom und der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow stellt das Berlin-Ultimatum. Ist die Freiheit West-Berlins noch zu retten? Das ist Ende 1958 eine der großen Fragen der Weltpolitik, auch für den Regierenden Bürgermeister Willy Brandt.

Mit vielen Originaltönen erzählen die Autoren der Reihe "Vor 50 Jahren" die Geschichten des Jahres 1958.

Geschichte zum Hören 1958
Weltausstellung, Ostermarsch und Nabokovs "Lolita" …

Deutschlandradio 2008
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