Vonovia und Deutsche Wohnen

    Milliardendeal auf Kosten der Mieter

    07:28 Minuten
    Eine Aktivistin des Volksbegehrens "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" sammelt Unterschriften. Er hält einem Unterschreibenden ein Klemmbrett hin.
    Gegenwind für Immobilienunternehmen: In Berlin fordert eine Initiative die Enteignung von Konzernen wie Deutsche Wohnen oder Vonovia. © picture alliance / dpa / Christoph Soeder
    Matthias Bernt im Gespräch mit Nicole Dittmer · 25.05.2021
    Audio herunterladen
    Der Immobilienkonzern Vonovia will den Konkurrenten Deutsche Wohnen schlucken. Für die Mieter wird dies wohl nichts Gutes heißen. Beide Unternehmen seien für steigende Mieten und schlechten Service, so der Sozialforscher Matthias Bernt.
    In der deutschen Wohnungsbranche bahnt sich eine Großfusion an. Der Immobilienkonzern Vonovia plant, den kleineren Konkurrenten Deutsche Wohnen (DW) zu übernehmen. Insgesamt 18 Milliarden Euro bietet Vonovia den DW-Aktionären an. Sollte mindestens die Hälfte von diesen das Angebot annehmen und sollten die Kartellbehörden zustimmen, würde Europas größter Wohnimmobilienkonzern entstehen.

    Marktmacht in Berlin

    Vonovia gehören rund 415.000 Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden. Deutsche Wohnen hat 155.000, knapp drei Viertel davon in Berlin, wo die geplante Fusion am Dienstag verkündet wurde. Dort würde der neue Konzern zukünftig auch zehn Prozent des Wohnungsbestands besitzen und so "einen erheblichen Einfluss auf das Mietgefüge" haben, sagt Matthias Bernt vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung.
    Bisher sei das Kleingedruckte des Vertrags zwischen Vonovia und DW noch nicht bekannt, doch sei er skeptisch, was die Fusion betrifft, räumt Bernt ein. Auch sei unklar, was von der Ankündigung zu halten ist, dass der neue Konzern 20.000 Wohnungen für rund zwei Milliarden Euro an das Land Berlin verkaufen will, denn man wisse noch nicht, welche Bestände dies betreffen würde.
    In manchen Regionen hätten Vonovia und Deutsche Wohnen bereits jetzt ein Fast-Monopol bei Wohnungen für niedrige Einkommensschichten, so Bernt. Dies liege auch daran, dass die Unternehmen bei den ehemaligen kommunalen Wohnungsbeständen und vormaligen Sozialwohnungen eine große Rolle spielten - "und dort die Mieten hochtreiben".

    Alles für die Rendite

    Das Profitinteresse der Unternehmen ergebe sich aus deren Geschäftsmodell "als eine Art Finanzsammelstelle", erläutert der Sozialwissenschaftler. Die Konzerne müssten für ihre Anteilseigner Rendite erwirtschaften, um die Aktienkurse hochzuhalten. Dazu hätten sie zwei Möglichkeiten: die Miete zu erhöhen oder die Kosten durch schlechten Service oder unterlassene Instandhaltung zu drücken.
    In beiden Bereichen hätten sich die zwei Immobilienunternehmen in den vergangenen Jahren einen "erheblich schlechten Ruf erworben", so Bernt. Sie seien zudem dafür bekannt, "im Bereich ihrer Handwerkerdienstleistungen die Löhne zu drücken und sehr schlechte Bezahlung anzubieten".
    (rzr)
    Mehr zum Thema