Dienstag, 18.09.2018
 

Im Gespräch | Beitrag vom 18.08.2018

Von wegen ÖkoWarum wir nicht tun, was wir für richtig halten

Moderation: Klaus Pokatzky

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Klimawandel (picture alliance/dpa/Foto: Andreas Arnold,R4200,Jens Büttner )
Trotz Klimawandel reisen viele weiter billig mit dem Flugzeug durch die Welt. (picture alliance/dpa/Foto: Andreas Arnold,R4200,Jens Büttner )

Viele beklagen den Klimawandel, reisen aber weiterhin mit Billigfliegern und kaufen Fleisch aus Massentierhaltung. Wir sprechen mit der SPD-Politikerin Nina Scheer und dem Umweltwissenschaftler Michael Kopatz über unser widersprüchliches Verhalten.

Die extreme Hitzewelle mit ihren Folgen hat viele Menschen zum Grübeln gebracht, wie und ob der Klimawandel überhaupt noch zu stoppen ist. Aber bringt sie uns auch zum Umdenken und zu einem bewussteren Handeln? Wir trennen zwar brav unseren Müll, jetten aber mit Billigfliegern um die Welt. Wir bedauern die Massentierhaltung und kaufen Schnäppchenfleisch aus dem Supermarkt. Wir beklagen die dreckige Luft – und stehen mit unserem Auto im Dauerstau.

Warum tun wir nichts?

"Die Moral am Küchentisch ist das eine, aber wenn wir wirklich etwas ändern wollen, müssen wir an die Standards der Produktion ran", sagt Michael Kopatz, Projektleiter Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut.

Der Sozialwissenschaftler hat ein Buch zum Thema geschrieben:

"Ökoroutine – Damit wir tun, was wir für richtig halten". Er stellt auch unbequeme Forderungen auf: "Ich spreche mich für ein Limit für Neubauten in Städten aus, die nicht wachsen." Der Straßenbau sollte begrenzt werden, "und ich plädiere dafür, die Starts und Landungen von Flugzeugen auf dem derzeitigen Niveau festzuschreiben".

Vorwurf einer "Ökodiktatur"

Kritiker nennen das schon mal "Ökodiktatur"; Kopatz erwidert: "Wir nehmen nichts weg, wir sorgen nur dafür, dass es nicht mehr wird. Wir leben mittlerweile in einer Welt, wo die Vermeidung von Expansion schon als Verzicht empfunden wird. Selbst das scheint utopisch zu sein."

"Das ist das Problem des Klimawandels: Man merkt nicht von jetzt auf gleich, wenn man nicht gehandelt hat", sagt Nina Scheer, Umweltpolitikerin der SPD aus Schleswig-Holstein. Die Bundestagsabgeordnete kennt die Hindernisse, die Energiewende umzusetzen: sei es im Alltag bei den Bürgern, aber auch in der politischen Auseinandersetzung in der großen Koalition.

Baustopps für Straßen nicht das richtige Mittel

Mit CDU und CSU gebe es "eine Konsens-Schnittmenge, die nicht sonderlich innovativ ist. Das ist keine einfache Mission". Forderungen nach Baustopps für Straßen oder Neubauten hält sie nicht für das richtige Mittel.

"Ich würde bei all den Sachen darauf achten, wie sie bei den Menschen ankommen, was sie damit auslösen. Denn wir wollen ja Anreize schaffen, dass die Menschen diesen Prozess mitgestalten."

Von wegen Öko: Warum tun wir nicht, was wir für richtig halten?

Woran liegt es: bei jedem einzelnen, gesellschaftlich, in der Politik? Sind wir zu egoistisch, zu ignorant, zu träge? Was muss sich ändern?

Darüber diskutiert Klaus Pokatzky am Sonnabend von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Nina Scheer und Michael Kopatz. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen und Fragen stellen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

Literaturhinweis:
Michael Kopatz: "Ökoroutine – Damit wir tun, was wir für richtig halten"
Oekom Verlag München, 2016

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