Von Tobias Wenzel

In der "Welt" schwärmt Donna Leon für Händel. Die FAZ stellt uns den russischen Ex-Millionär und jetzigen Einsiedler German Sterligow vor, während die "Taz" den Zusammenhang von Essen und Denkvermögen untersucht.
"Ich kann mir kein Leben ohne Händel vorstellen", sagte die Krimiautorin Donna Leon einmal, die in ihren Büchern Menschen killt, um mit den Einnahmen aus diesen Bestsellern ihr eigenes Händel-Ensemble zu finanzieren.

"Meine Demut vor Händels Genie ist so groß, dass ich es nicht wagen würde, ihm eine Zusammenarbeit auch nur anzutragen. Es sei denn, ich könnte - vielleicht - seine Schreibwerkzeuge reinigen."

So Donna Leon im Gespräch mit Manuel Brug in der WELT. Brug würdigt den Musiker, der am Dienstag vor 250 Jahren starb, außerdem in zwei Artikeln. Händel sei "ein Dramatiker" gewesen, "ein unmittelbarer Charakterformer, ein Schmeichler und ein Melodiker", dessen Musik in den letzten Jahren eine außerordentliche Renaissance erfahren habe. Als Kind übte Georg Friedrich Händel "gegen den Willen seines wohlhabenden, bereits sehr alten Vaters, [...] auf dem Dachboden des Hauses heimlich auf seinem Clavichord".

Wäre der Russe German Sterligow Händels Vater gewesen, hätte er ihn gehörig vermöbelt, "im Sommer mit der Rute, im Winter mit dem Ledergurt". Kerstin Holm hat für die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG jenen Russen besucht, der einst Millionär war, dann sein Geld verlor, als er als Präsidentschaftskandidat gegen Putin antrat, und nun in einem Blockhaus im Wald lebt, um im "Schaffellmantel" dem Ursprünglichen zu frönen. Dazu gehört für ihn auch, die eigenen Kinder körperlich zu züchtigen.

"Wir müssen den Fortschritt anhalten!" fordert der Mann, der die Welt mit einem Warentauschsystem retten will. Die Welt und die Russen. Letztere seien "keine Nation mehr, sondern eine Ansammlung von Fernsehzuschauern", so Sterligow. Deshalb, berichtet Kerstin Holm, zerschoss Sterligow seinen eigenen Fernseher mit einer Pistole. So können seine Kinder gar nicht erst in Versuchung kommen. Zumal der Vater sie "mit Hilfe von altrussischen Klosterbüchern aus dem sechzehnten Jahrhundert" im Fach Geschichte unterrichtet. Sterligow, lesen wir weiter in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG, hasst Belletristik und Nobelpreise:

"Noch ein paar Nobelpreise für anstehende technologische Durchbrüche, und die Menschheit ist erledigt."

Nobelpreisträger und Dichter - mit diesen zwei Eigenschaften dürfte Seamus Heaney in den Augen des radikalen Russen eine persona non grata sein. Aber auch mit sich selbst ging der irische Dichter, der am Ostermontag seinen 70. Geburtstag feiert, hart ins Gericht. In dem Gedicht "Schule des Gesangs" nennt sich Heaney einen "hölzernen Bauernlümmel", schreibt Wieland Freund in der WELT. "Der hölzerne Bauernlümmel", den Freund als geerdeten Dichter versteht, sei "gelehrter geworden, manchmal melancholischer, aber selbst wo seine Gedichte Elegie sind, sind sie berückend sanft". Nico Bleutge lobt in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG Heaneys Sprache und stellt fest:

"Bei Seamus Heaney beginnt alles mit dem Staunen."

Aristoteles sah bekanntlich im Staunen den Beginn des Philosophierens. Aber mit welchen Speisen im Magen lässt sich wohl am besten Philosophieren? Dieser Frage geht Klaus Ebenhöh in der TAGESZEITUNG nach und zitiert Friedrich Nietzsche: "Die deutsche Küche, die ausgekochten Fleische, die fett und mehlig gemachten Gemüse, die Entartung der Mehlspeise zum Briefbeschwerer" führe, so Nietzsche, "zu "betrübten Eingeweiden" und zu mangelndem Verstand. "Wer weiß, ob wir nicht einer gut gekochten Suppe die Luftpumpe und einer schlechten den Krieg oft zu verdanken haben", zitiert Klaus Ebenhöh den Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg.

Fragt sich, ob ein mit einem Lammbraten und einem Schoko-Osterhasen vollgestopfter Magen den Verlust der eigenen Geisteskraft bedeutet? Klaus Ebenhöh beruhigt uns, indem er auf Sartre verweist. Der habe eine Schwäche für Deftiges wie Schweinebraten gehabt. Auf seine Gesundheit zu achten, erschien Sartre aber als absurd. Schließlich müsse jeder einmal sterben.