Von Pestiziden und Parasiten

Die Berichte zeigen, wo es tatsächlich Probleme gibt. © Stock.XCHNG / Maciej Lewandowski
Von Udo Pollmer · 16.10.2011
Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat seinen Tätigkeitsbericht vorgelegt. Unser Lebensmittelchemiker Udo Pollmer hat sich den Bericht einmal zur Brust genommen.
Diese Berichte sind deshalb von Bedeutung, weil sie zeigen, wo es tatsächlich Probleme gibt – das Bild ist zwar nicht unbedingt besser als das, das die Medien zeichnen, aber auf jeden Fall anders.

Nur ein Beispiel: Während die Medien vor Dioxin in konventionellen Eiern warnten und den Kauf von Ökoeiern empfahlen, berichtet das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) von einem Dioxinskandal von dem über 100.000 Öko-Legehennen betroffen waren. Zahlreiche Betriebe mussten gesperrt werden. Das LAVES spricht von "erheblichen Dioxinbelastungen" im Ökofutter, - das kam aus Holland. Die hatten das Ökodioxin aus der Ukraine.

Regelmäßig sehen wir im Fernsehen kritische Beiträge zur Aquakultur. Durch die Massentierhaltung seien die Fische und Shrimps voller Medikamente. Das LAVES gibt jedoch Entwarnung. Es hat dafür fast 350 Proben untersucht. In jeder fünften wurde es fündig. Das klingt nach viel – ist in diesem Falle aber sehr wenig. Denn hier wurde mit hochempfindlichen Multimethoden ein breites Spektrum von Arzneimitteln und ihren Abbauprodukten geprüft. Die Rückstände lagen durchweg im Bereich der analytischen Nachweisgrenze.

Insofern kann ich der Schlussfolgerung des Berichts nur beipflichten: "Eine Gefährdung der Verbraucher kann auf Basis dieser Ergebnisse weitgehend ausgeschlossen werden." Offensichtlich sind die Betreiber von Aquakulturen pingelig darauf bedacht, ordnungsgemäße Ware zu produzieren.

Nicht so erfreulich sieht die Lage bei Meeresfisch aus: Wir erinnern uns: Da gab es früher einigen Ärger mit Nematoden, das sind kleine zwei bis drei Zentimeter lange Würmer, die, wenn es dumm geht, schwere Magen-Darm-Erkrankungen hervorrufen. Mittlerweile muss Seefisch erst mal vier Tage lang tiefgefroren werden, um die Larven abzutöten. Trotzdem sind die toten Viecher eklig.

Von 77 geprüften Fischen waren 17 so voller Parasiten, dass sie nicht für den menschlichen Verzehr geeignet waren. Da merkt man halt, dass dieser Fisch im Gegensatz zur Aquakultur keine ärztliche Betreuung erfahren hat.

Neben Veterinären und Lebensmittelchemikern arbeiten für unsere Lebensmittelsicherheit auch Bisamfänger. Über 3000 Bisamratten wurden auf Seuchenerreger untersucht. Man wurde prompt fündig. Die scheuen Nager verbreiten fleißig den kleinen Fuchsbandwurm. Ein Monitoring von Seuchen ist von weit größerer Bedeutung für unsere Gesundheit als Vitamin C. Die meisten dieser Krankheiten kennt der Verbraucher nicht mal dem Namen nach. Er erfährt allenfalls davon, wenn irgendwelche Impfstoffe unters Volk gebracht werden sollen. Dann kommt schon mal ne Vogelgrippe geflogen.

Und wie sieht es beim Fleisch aus? Allein in Niedersachsen werden pro Jahr 16.000 Proben analysiert, davon lagen drei Promille über den Grenzwerten. Sie sind als Hinweis auf die Nichteinhaltung von Wartezeiten anzusehen. Im Vergleich zu den Pestiziden auf pflanzlicher Nahrung ist das doch recht erfreulich. Pestizide gab es dort reichlich in der Kategorie teuer oder gesund: Namentlich zu nennen sind die berühmten Gojibeeren, auch als Wunderbeeren bekannt sowie Asia-Gemüse und Basmatireis.

Die Kollegen in den Untersuchungsämtern haben nicht nur Pestizide und Parasiten im Blick, sondern auch meine speziellen Freunde vom Marketing. Die sind immer wieder für Überraschungen gut. Beispielsweise wenn sie einen Hauch Vanille in einem Produkt bewerben sollen. Leider sind die Schoten unansehnlich braunschwarz und auch die kleinen weißlichen Blüten der Orchidee wirken ziemlich bescheiden.

Doch Bescheidenheit und Werbung passen nicht zusammen. Also drucken sie sattgelbe Narzissen auf die Verpackung und behaupten dreist das sei Vanille! Es ist einfach nicht zu fassen! Mahlzeit!

Literatur
LAVES: Tätigkeitsbericht 2010, Oldenburg 2011