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Im Gespräch | Beitrag vom 12.10.2019

Von Leben und Tod Wie können wir mit dem Sterben besser umgehen?

Sarah Benz und Matthias Gockel im Gespräch mit Katrin Heise

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Ein Hospiz in Offenburg. An einem Bett wird von einer Person die Hand von einer anderen Person gehalten. (imago images / photothek / Ute Grabowsky)
„Je mehr wir uns mit dem Tod auseinandersetzen, desto mehr erfahren wir über das Leben", sagt Trauerbegleiterin Sarah Benz. (imago images / photothek / Ute Grabowsky)

Der Tod gehört zu unserem Leben, aber wir verdrängen ihn allzu gern. Nur irgendwann kommt das Thema auf uns zu – bei Angehörigen, bei uns selbst. Was soll dann passieren, was nicht? Wie können wir selbstbestimmt sterben?

"Weil es unser Leben ist, müssen wir über den Tod sprechen", sagt Dr. Matthias Gockel. Der Palliativmediziner am Berliner Vivantes Klinikum im Friedrichshain erlebt täglich, welche Folgen es haben kann, wenn Ärzte und Angehörige nicht wissen, wie sich der Sterbende sein Lebensende vorgestellt hat. Seine Erfahrungen aus 20 Jahren Klinikalltag hat er in dem Buch "Sterben. Warum wir einen neuen Umgang mit dem Tod brauchen" zusammengefasst.

Mut, Entscheidungen zu treffen

Sein Rat: "Hab´ den Mut, Entscheidungen zu treffen." Welche Entscheidungen sind besonders wichtig? Was soll noch getan werden, welche medizinischen Maßnahmen sollen unterbleiben? Matthias Gockel will auch Mut machen, in der Familie, im Freundeskreis offen zu sprechen – und dies möglichst früh: "Was ist uns wirklich wichtig, wenn es um die letzten Dinge geht?" Das helfe auch, um eine Patientenverfügung nach dem eigenen Willen zu verfassen.

Den Tod begreifen

"Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit sind wichtig für jeden Trauerprozess", sagt die Trauerbegleiterin und Musikerin Sarah Benz. Angehörige seien zu oft in einer Art Schockzustand, wüssten in dem Moment gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt, sich von einem Verstorbenen zu verabschieden. Ihr geht es darum, dass Menschen den Tod auch im wahrsten Sinne begreifen.

"Wenn ich nur frage: ´Wollen Sie Abschied nehmen?`, dann ist das zu abstrakt. Aber wenn ich frage: ´Wollen Sie Ihre Mutter noch einmal sehen? Wollen Sie sie waschen und anziehen?`, dann ist das etwas ganz anderes." Wer wisse schon, dass man einen Verstorbenen 36 Stunden zu Hause aufbahren kann? Praktische Informationen wie diese gibt Sarah Benz in ihren "Sarggeschichten"–Videos, die sie gemeinsam mit einem Bestatter gestaltet. Ihre Überzeugung: "Je mehr wir uns mit dem Tod auseinandersetzen, desto mehr erfahren wir über das Leben."

Von Leben und Tod – Wie können wir mit dem Sterben besser umgehen?
Darüber diskutiert Katrin Heise am Sonnabend von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Sarah Benz und Matthias Gockel. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.

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