Von Klaus Pokatzky
"Stoppt Beckmann", ruft der Berliner "Tagesspiegel" in Bezug auf die Fußballberichterstattung. In der Reihe "Was ist eine gute Religion?" in der "NZZ" gibt der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani Islam und Christentum schlechte Noten. In ihrer Sommerserie zu den "selbstverständlichen Dingen des Alltags" widmet sich die "TAZ" dem Stuhl.
"Wind aus 131 Grad, Böen mit Windstärke fünf, vereinzelt sechs, später Quellwolken."
Die BERLINER ZEITUNG gibt uns eine Vorhersage des Meteorologischen Instituts der Freien Universität Berlin wieder:
"Sonnenuntergang 21.33 Uhr, bürgerliche Dämmerung: 48 Minuten."
Und wegen der Formulierung "bürgerliche Dämmerung" findet die Wettervorhersage nicht auf der vermischten Seite, sondern im Feuilleton statt. Bürgerliche Dämmerung?
"Die bürgerliche Dämmerung, auch zivile Dämmerung genannt, beginnt in der Astronomie mit dem Sonnenuntergang und endet, wenn der Sonnenmittelpunkt sechs Grad unter dem wahren Horizont steht",
klärt uns Harald Jähner auf:
"Diese Phase des vergehenden Tages gehörte einst noch ganz der klassischen bürgerlichen Öffentlichkeit; es ist die Zeit, in der gerade nämlich noch genügend Licht vorhanden ist, um Zeitung zu lesen."
Nach der zivil-bürgerlichen Dämmerung folgt übrigens noch die nautische der Seefahrer und dann die meteorologische Dämmerung. Und dann ist es Nacht. Oder die Deutschen kommen. Und damit zum Fußball.
"Man hat die Runde der letzten vier als Triumph des alten Europa bezeichnet, als Bestätigung der Europäischen Union, als Wiederkehr trockener Tugenden wie Fleiß, Willenskraft, Disziplin und Leidensbereitschaft."
Das schreibt Paul Ingendaay in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG zum Lieblingsthema dieser Tage. Diese Kulturpresseschau wird noch vor der bürgerlichen Dämmerung verfertigt – wenn sie ausgestrahlt wird, dürften wir wissen, ob Teutonien nun in fußballerischer Nacht versunken ist oder die finale Morgenröte winkt.
"Stoppt Beckmann", "
ruft uns auf jeden Fall Rainer Moritz im Berliner TAGESSPIEGEL zu – für den, wenn er jetzt die ARD einschaltet, eigentlich meistens televisionäre Dunkelheit herrscht:
" "Immer wieder der schleimend-sülzende Beckmann, der die Demutshaltung, die er ansonsten Heiner Lauterbach oder Uschi Glas entgegenbringt, ins Stadion trägt und dem – als Jens Lehmann entscheidende Elfmeter hält – nichts Besseres einfällt, als eine Anleihe bei Herbert Zimmermann zu machen und den Torsteher als "Fußballgott" zu bezeichnen."
Dann lieber gleich zu den richtigen Göttern.
"Religionen sind nicht gut. Sie sind auch nicht schlecht. Sie sind einfach da, so wie das Leben selbst,"
meint Navid Kermani in der Reihe "Was ist eine gute Religion?" der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG:
"Religionen sind so gut und so böse wie die Menschen selbst."
Daher redet Navid Kermani erst einmal über die am wenigsten schlechten Religionen in der besten aller Welten:
"Die am wenigsten schlechten Religionen sind die, die am seltensten politisch geherrscht haben."
Das bedeutet schlechte Noten des deutsch-iranischen Schriftstellers und Orientalisten für seine eigene Religion, den Islam, aber natürlich auch das Christentum – und gute Noten etwa für die islamischen Minderheitsströmungen der Ismailiten und der Alawiten, die sich
"durch Toleranz, Säkularität und den Dienst am Nächsten" auszeichneten, aber eben auch "in keinem Land die Mehrheit bildeten." Und:
"Für den Islam im Westen darf man hoffen, weil die für ihn ungewohnte Situation, eine Minderheitenreligion zu sein, ihm einen enormen Reformdruck beschert. Tatsächlich leben viele der selbstkritischsten und mutigsten islamischen Denker in Europa oder den Vereinigten Staaten."
Abschließend zu den "selbstverständlichen Dingen des Alltags", denen die Tageszeitung TAZ "eine kleine Sommerserie" widmet. Folge Eins: "der Stuhl - ein Möbel, um den Menschen sesshaft zu machen".
"Ein Stuhl erhöht den Menschen über den Boden und erfüllt sein tiefes Bedürfnis, sich von den Tieren zu unterscheiden, die sich im Dreck wälzen,"
schreibt Burkhard Brunn:
"Eine Sonderform des Stuhls ist der Kackstuhl - übrigens wie das Wort "kacken" selbst, das sich von griechisch kakós (schlecht) herleitet, ein grundseriöser Ausdruck. "Stuhlgang" erklärt sich als Gang zu diesem Stuhl."
Bei Tag und bei Nacht, bei bürgerlicher, nautischer und meteorologischer Dämmerung.
Die BERLINER ZEITUNG gibt uns eine Vorhersage des Meteorologischen Instituts der Freien Universität Berlin wieder:
"Sonnenuntergang 21.33 Uhr, bürgerliche Dämmerung: 48 Minuten."
Und wegen der Formulierung "bürgerliche Dämmerung" findet die Wettervorhersage nicht auf der vermischten Seite, sondern im Feuilleton statt. Bürgerliche Dämmerung?
"Die bürgerliche Dämmerung, auch zivile Dämmerung genannt, beginnt in der Astronomie mit dem Sonnenuntergang und endet, wenn der Sonnenmittelpunkt sechs Grad unter dem wahren Horizont steht",
klärt uns Harald Jähner auf:
"Diese Phase des vergehenden Tages gehörte einst noch ganz der klassischen bürgerlichen Öffentlichkeit; es ist die Zeit, in der gerade nämlich noch genügend Licht vorhanden ist, um Zeitung zu lesen."
Nach der zivil-bürgerlichen Dämmerung folgt übrigens noch die nautische der Seefahrer und dann die meteorologische Dämmerung. Und dann ist es Nacht. Oder die Deutschen kommen. Und damit zum Fußball.
"Man hat die Runde der letzten vier als Triumph des alten Europa bezeichnet, als Bestätigung der Europäischen Union, als Wiederkehr trockener Tugenden wie Fleiß, Willenskraft, Disziplin und Leidensbereitschaft."
Das schreibt Paul Ingendaay in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG zum Lieblingsthema dieser Tage. Diese Kulturpresseschau wird noch vor der bürgerlichen Dämmerung verfertigt – wenn sie ausgestrahlt wird, dürften wir wissen, ob Teutonien nun in fußballerischer Nacht versunken ist oder die finale Morgenröte winkt.
"Stoppt Beckmann", "
ruft uns auf jeden Fall Rainer Moritz im Berliner TAGESSPIEGEL zu – für den, wenn er jetzt die ARD einschaltet, eigentlich meistens televisionäre Dunkelheit herrscht:
" "Immer wieder der schleimend-sülzende Beckmann, der die Demutshaltung, die er ansonsten Heiner Lauterbach oder Uschi Glas entgegenbringt, ins Stadion trägt und dem – als Jens Lehmann entscheidende Elfmeter hält – nichts Besseres einfällt, als eine Anleihe bei Herbert Zimmermann zu machen und den Torsteher als "Fußballgott" zu bezeichnen."
Dann lieber gleich zu den richtigen Göttern.
"Religionen sind nicht gut. Sie sind auch nicht schlecht. Sie sind einfach da, so wie das Leben selbst,"
meint Navid Kermani in der Reihe "Was ist eine gute Religion?" der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG:
"Religionen sind so gut und so böse wie die Menschen selbst."
Daher redet Navid Kermani erst einmal über die am wenigsten schlechten Religionen in der besten aller Welten:
"Die am wenigsten schlechten Religionen sind die, die am seltensten politisch geherrscht haben."
Das bedeutet schlechte Noten des deutsch-iranischen Schriftstellers und Orientalisten für seine eigene Religion, den Islam, aber natürlich auch das Christentum – und gute Noten etwa für die islamischen Minderheitsströmungen der Ismailiten und der Alawiten, die sich
"durch Toleranz, Säkularität und den Dienst am Nächsten" auszeichneten, aber eben auch "in keinem Land die Mehrheit bildeten." Und:
"Für den Islam im Westen darf man hoffen, weil die für ihn ungewohnte Situation, eine Minderheitenreligion zu sein, ihm einen enormen Reformdruck beschert. Tatsächlich leben viele der selbstkritischsten und mutigsten islamischen Denker in Europa oder den Vereinigten Staaten."
Abschließend zu den "selbstverständlichen Dingen des Alltags", denen die Tageszeitung TAZ "eine kleine Sommerserie" widmet. Folge Eins: "der Stuhl - ein Möbel, um den Menschen sesshaft zu machen".
"Ein Stuhl erhöht den Menschen über den Boden und erfüllt sein tiefes Bedürfnis, sich von den Tieren zu unterscheiden, die sich im Dreck wälzen,"
schreibt Burkhard Brunn:
"Eine Sonderform des Stuhls ist der Kackstuhl - übrigens wie das Wort "kacken" selbst, das sich von griechisch kakós (schlecht) herleitet, ein grundseriöser Ausdruck. "Stuhlgang" erklärt sich als Gang zu diesem Stuhl."
Bei Tag und bei Nacht, bei bürgerlicher, nautischer und meteorologischer Dämmerung.