Von Jens Brüning
Der "Tagesspiegel" beschreibt ein Violinkonzert mit ungewöhnlichen Bildern, mehrere Zeitungen befassen sich mit dem Wechsel in der Indendanz des Hamburger Thalia-Theaters, und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet von einem Modellprojekt in Nordrhein-Westfalen, mit dessen Hilfe Misshandlungen in den Familien vorgebeugt werden soll.
"Pochendes Herz, dickes Fell: Es schläft ein Tier in allen Tönen","
lesen wir im Berliner TAGESSPIEGEL. Das ist der letzte Satz einer Konzertkritik von Christiane Peitz. Auf dem Podium des Deutschen Symphonie-Orchesters stand "ein wildes Katzentier mit Geige" und hat die Rezensentin "barfuss, mit kindlichen Pausbacken" über die Maßen bezaubert:
""Mitten im Dschungel ist die Löwin los, sie streift durch die Nacht, mit leuchtenden Augen und zuckenden Muskeln."
Man hatte sich Violinkonzerte weniger wild vorgestellt.
An die Grenzen unserer Vorstellung stößt ein Begriff, der in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zu finden ist. Dort heißt es, Joachim Lux sei eine "organische Fortsetzung Ulrich Khuons". Ulrich Khuon ist noch bis 2009 Intendant des Hamburger Thalia-Theaters, und der in Wien wirkende Chefdramaturg Joachim Lux wurde am Sonnabend – Stichwort "Überraschungskandidat" – als sein Nachfolger aus dem Hut gezaubert.
Unter "organische Fortsetzung" finden sich in den einschlägigen Suchmaschinen so bezaubernde Hinweise wie: "Die Terrasse ist eine organische Fortsetzung des subtropischen Gartens"; oder: "Das mittelalterliche Latein sei eine organische Fortsetzung des spätantiken Latein." Insofern ist Joachim Lux sowohl ein Übergang als auch eine Kontinuität, und dazu kann man den Hamburger Kulturpolitikern dann nur noch gratulieren.
Das hat Kultursenatorin Karin von Welck natürlich schon selbst besorgt, indem sie sich und ihre Findungskommission lobte, und so lesen wir in der TAGESZEITUNG, kurz TAZ, "dass wir mit Joachim Lux einen Intendanten vorschlagen können, der mit großer Erfahrung und großem Mut, aber auch der nötigen Gelassenheit das Erbe Ulrich Khuons antreten möchte."
Dieses Zitat findet sich auch in der Tageszeitung DIE WELT, wo Stefan Grund die Entscheidung der mit engagierten Zuschauern bestückten Findungskommission in antike Dimensionen hebt:
"Der Deus ex machina greift überraschend und unmotiviert von außen ins Stück ein."
Über eine Art irdischen Gott aus der Maschine berichtet Sandra Kegel in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG:
"Seit Oktober vergangenen Jahres werden alle Familien, in denen ein Kind zur Welt gekommen ist, von einem Sozialarbeiter besucht – egal, ob der Vater Vorstand beim Chemiewerk Bayer Dormagen ist oder Schichtarbeiter."
Es handelt sich um ein Modellprojekt des Jugendamtes der Stadt Dormagen im Städtedreieck Düsseldorf – Köln – Mönchengladbach, mit dessen Hilfe Misshandlungen in den Familien vorgebeugt werden soll. Die zugrunde liegenden Zahlen sind erschreckend:
"Etwa 100.000 Kinder sind in Deutschland von Verwahrlosung bedroht."
Und darum kann auch der Hinweis nicht ausbleiben:
"Jedes Mal aufs Neue sind die Menschen ratlos und entsetzt, wenn wieder ein ausgehungerter Säugling in einem Keller gefunden wird, wieder ein Kind Glutnarben von Zigaretten, gebrochene Knochen oder Verbrühungen durch heißes Wasser aufweist. Die Zahl der Kindesmisshandlungen nimmt in Deutschland zu." In anderen Ländern – zum Beispiel in Dänemark – ist die nun in Dormagen erprobte aufsuchende Hilfe seit langem Brauch, und selbst Kronprinzessin Mary musste nach der Niederkunft das Jugendamt empfangen. So ist dann auch in Nordrhein-Westfalen alles in bester Ordnung,"
schreibt Sandra Kegel in der FAZ. Die kaufmännische Angestellte Manuela F., die vor drei Monaten ihr Kind zur Welt brachte, sagte der Reporterin:
"Ich bin eine absolute Verfechterin des Konzepts. Es ist ein Kontrollbesuch, ganz klar, aber im positiven Sinne."
lesen wir im Berliner TAGESSPIEGEL. Das ist der letzte Satz einer Konzertkritik von Christiane Peitz. Auf dem Podium des Deutschen Symphonie-Orchesters stand "ein wildes Katzentier mit Geige" und hat die Rezensentin "barfuss, mit kindlichen Pausbacken" über die Maßen bezaubert:
""Mitten im Dschungel ist die Löwin los, sie streift durch die Nacht, mit leuchtenden Augen und zuckenden Muskeln."
Man hatte sich Violinkonzerte weniger wild vorgestellt.
An die Grenzen unserer Vorstellung stößt ein Begriff, der in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zu finden ist. Dort heißt es, Joachim Lux sei eine "organische Fortsetzung Ulrich Khuons". Ulrich Khuon ist noch bis 2009 Intendant des Hamburger Thalia-Theaters, und der in Wien wirkende Chefdramaturg Joachim Lux wurde am Sonnabend – Stichwort "Überraschungskandidat" – als sein Nachfolger aus dem Hut gezaubert.
Unter "organische Fortsetzung" finden sich in den einschlägigen Suchmaschinen so bezaubernde Hinweise wie: "Die Terrasse ist eine organische Fortsetzung des subtropischen Gartens"; oder: "Das mittelalterliche Latein sei eine organische Fortsetzung des spätantiken Latein." Insofern ist Joachim Lux sowohl ein Übergang als auch eine Kontinuität, und dazu kann man den Hamburger Kulturpolitikern dann nur noch gratulieren.
Das hat Kultursenatorin Karin von Welck natürlich schon selbst besorgt, indem sie sich und ihre Findungskommission lobte, und so lesen wir in der TAGESZEITUNG, kurz TAZ, "dass wir mit Joachim Lux einen Intendanten vorschlagen können, der mit großer Erfahrung und großem Mut, aber auch der nötigen Gelassenheit das Erbe Ulrich Khuons antreten möchte."
Dieses Zitat findet sich auch in der Tageszeitung DIE WELT, wo Stefan Grund die Entscheidung der mit engagierten Zuschauern bestückten Findungskommission in antike Dimensionen hebt:
"Der Deus ex machina greift überraschend und unmotiviert von außen ins Stück ein."
Über eine Art irdischen Gott aus der Maschine berichtet Sandra Kegel in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG:
"Seit Oktober vergangenen Jahres werden alle Familien, in denen ein Kind zur Welt gekommen ist, von einem Sozialarbeiter besucht – egal, ob der Vater Vorstand beim Chemiewerk Bayer Dormagen ist oder Schichtarbeiter."
Es handelt sich um ein Modellprojekt des Jugendamtes der Stadt Dormagen im Städtedreieck Düsseldorf – Köln – Mönchengladbach, mit dessen Hilfe Misshandlungen in den Familien vorgebeugt werden soll. Die zugrunde liegenden Zahlen sind erschreckend:
"Etwa 100.000 Kinder sind in Deutschland von Verwahrlosung bedroht."
Und darum kann auch der Hinweis nicht ausbleiben:
"Jedes Mal aufs Neue sind die Menschen ratlos und entsetzt, wenn wieder ein ausgehungerter Säugling in einem Keller gefunden wird, wieder ein Kind Glutnarben von Zigaretten, gebrochene Knochen oder Verbrühungen durch heißes Wasser aufweist. Die Zahl der Kindesmisshandlungen nimmt in Deutschland zu." In anderen Ländern – zum Beispiel in Dänemark – ist die nun in Dormagen erprobte aufsuchende Hilfe seit langem Brauch, und selbst Kronprinzessin Mary musste nach der Niederkunft das Jugendamt empfangen. So ist dann auch in Nordrhein-Westfalen alles in bester Ordnung,"
schreibt Sandra Kegel in der FAZ. Die kaufmännische Angestellte Manuela F., die vor drei Monaten ihr Kind zur Welt brachte, sagte der Reporterin:
"Ich bin eine absolute Verfechterin des Konzepts. Es ist ein Kontrollbesuch, ganz klar, aber im positiven Sinne."