Von Jens Brüning

Die Kulturpresseschau befasst sich unter anderem mit der Verschiebung der Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses - und auch mit weiteren Sparvorschlägen.
"Das ist reine Symbolpolitik"," lesen wir im Berliner TAGESSPIEGEL. Der da so überaus betroffen seinem Unmut Luft macht, ist Berlins Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten. Der Gegenstand der Kritik von André Schmitz ist der Beschluss des Bundeskabinetts, die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses um drei Jahre zu verschieben. Die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Berliner Bündnis-Grünen, Franziska Eichstädt-Bohlig, findet die Empörung der Landesregierung ein wenig deplaziert: ""Es klingt wenig überzeugend, wenn der regierende Kultursenator jetzt, wo das Vorhaben auf der Streichliste steht, die Backen dick aufbläst und den Bund zum Bau des Stadtschlosses drängt." Der direkt betroffene Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, ist vor allem skeptisch: "Ob man bei alledem von Sparen sprechen kann, weiß ich nicht." Der Mann hat Einblicke, die uns Ralf Schönball im TAGESSPIEGEL in einer Reportage aus Dahlem vor Augen führt: "Im Jahr 2003", lesen wir da, "löste sich ein Teil der Fassade und fiel direkt vor die Füße eines Staatssekretärs des Finanzministeriums."

Die Brocken kamen vom Ethnologischen Museum, das dereinst als Teil des geplanten Humboldt-Forums in der Schlossrekonstruktion Unterkunft finden soll. Wir lesen: "Das Ethnologische Museum in Dahlem ist eine Baustelle." Und bevor uns Ralf Schönball das ganze Elend vorführt, bekennt er: "Einfacher ist aufzuzählen, was nicht defekt ist." In der FRANKFURTER RUNDSCHAU schreibt Harry Nutt: "Allein in diesem Jahr wurden zwölf Millionen Euro dafür aufgewandt, die maroden Dahlemer Museen vor Wassereinbruch zu schützen." Und mit Blick auf den Sparbeschluss meint Nutt: "Wo gespart wird, da fallen Pläne." Auch Andreas Kilb, sein Kollege von der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG, hat einen schönen Sinnspruch parat: "Verschoben, nicht gekippt ist das Projekt." Die Verschiebung aber könnte eine gewisse Nachhaltigkeit entwickeln, meint Kilb und orakelt: "Das böse Ende, das viele dem Berliner Schlossneubau wünschen, ist gleichsam in die Planungen eingestellt." Das nun wäre ein nicht wieder gut zu machendes Unglück: "Dieses Land"," schreibt Kilb in der FAZ, ""kann nur über Kulturbauten den Anschluss an seine verlorenen Traditionen wiederfinden. Wer es mit Einkaufspassagen und postmodernen Stahl-Glas-Palästen zuschüttet, verstärkt nur die Geschichtsvergessenheit, von der nahezu jede öffentliche Debatte in Deutschland zeugt."

Einen Sparvorschlag hätte Andreas Kilb, aber in diesem Fall sind schon alle Messen gesungen, und niemand hat gezuckt. Wir lesen in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG: "Die wahren Luxusausgaben, die etwa dadurch entstehen, dass nach wie vor die Hälfte aller Beamten des Bundes ihren Dienstsitz in Bonn hat, während ein Nachrichtendienst, der besser weiter im Verborgenen gearbeitet hätte, für das Dreifache des geplanten Schlossbudgets in die Hauptstadt umzieht, werden nicht erwähnt." Dem kann Bernhard Schulz im Berliner TAGESSPIEGEL nur zustimmen: "Die vermeintlichen Mahner vor Geldverschwendung haben nie eine Silbe zu den Baukosten etwa der neuen BND-Zentrale verloren, die mittlerweile bei über 800 Millionen Euro angelangt sind; von Autobahnen und Eisenbahntunneln, die sich in Berlin zu Milliardensummen addieren, ganz zu schweigen." Was hatte die Frau gesagt, die derzeit in der Bundesrepublik Deutschland die Richtlinien der Politik bestimmt? Bernhard Schulz hat es notiert und wir lesen es im TAGESSPIEGEL: "In ernsten Zeiten könne man sich nicht alles leisten, was man sich wünsche, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel."