Von Gregor Sander

Die "Zeit" lamentiert, deutsche Intellektuelle hätten sich bislang zu wenig für Europa stark gemacht. Die FAZ analysiert die Lage Italiens in der herandämmernden Post-Berlusconi-Ära. Und der "Tagesspiegel" macht sich Gedanken über zu wenig Abwechslung im deutschen "Tatort".
"Irgendwann, ganz am Schluss, bevor der Letzte das Licht ausmacht, wird die Rede auf eine seltsame Spezies kommen, nämlich auf die Intellektuellen. Wo waren sie eigentlich, als Europa die Luft ausging?"

Das fragt sich Thomas Assheuer in der Wochenzeitung DIE ZEIT.

"Europa war eine Gewohnheit, und über Gewohnheiten schreibt man entweder schlecht oder gar nicht", so der etwas lauwarm aufgebrachte Assheuer. Und schreiben soll er unbedingt, der Intellektuelle, denn was Komponisten, Filmemachern oder Bildhauern zu Europa einfällt, ist Assheuer offensichtlich einerlei. Es gilt das geschriebene Wort und da kommt nichts zu Europa von deutschen Dichtern und Denkern.

"Jene, bei denen es anders war, kann man an zwei Händen aufzählen: Jürgen Habermas, Klaus Harpprecht, Robert Menasse, Hauke Brunkhorst oder Ulrich Beck."

Und so wettert Assheuer ziellos weiter über zu viel Deutsches in der deutschen Literatur und kommt ein paar Zeilen weiter zu folgendem Schluss:

"Aber welche Adresse hat Europa? Brüssel ist wie eine Realfiktion, eine gigantische Blackbox, ein schalltoter Raum, eine insulare Macht der Absorption ohne den geringsten diskursiven Charme. Brüssel ist solitärer Beton, und Beton entmutigt."

Trotzdem möchte Assheuer in der ZEIT nicht locker lassen:

"Warum haben die sogenannten kritischen Intellektuellen nicht im Namen der Demokratie eine europäische Wirtschaftsregierung gefordert und entspannt in Kauf genommen, von Realpolitikern als Spinner belächelt zu werden?"

"Ja, warum nur?", frage ich hier mit einem Lächeln zurück und wende mich lieber dem realen Europa zu.

In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG verabschiedet Dirk Schümer Ministerpräsident Berlusconi mit der Überschrift: "Der Pate, letzter Teil." Und was denkt dazu der italienische Intellektuelle?

"Berlusconi ist aber gar nicht unser Problem, sondern die Opposition. Stets kulminiert unter den nachdenklicheren Italienern die Analyse der Silvio-Dämmerung in einem fast verzweifelten Achselzucken. Es gibt nach 17 Jahren Mediokratie keine Basisbewegung auf den Plätzen, keine schwungvolle parlamentarische Erneuerungsbewegung, ja nicht einmal einen erkennbaren Leader der Gegenseite. Der Medienmilliardär hinterlässt eine politische Landschaft, in der alle Welt nur mehr über ihn redet, in der kein vermeintlicher Kronprinz neben ihm Kontur bekommen durfte: Berlusconistan eben."

Keiner weiteren Zeitung war der angekündigte Abtritt des "Cavaliere" einen Artikel wert. Dafür findet das angekündigte Ende des Saarbrücker Tatorts ein breites Echo. Markus Ehrenberg schwärmt im Berliner TAGESSPIEGEL:

"Nur einmal im Jahr hört und sieht man in Sachen 'Tatort' Neues aus dem Saarland, in der Regel recht Gutes, Ambitioniertes. Doch nun das: Mit der Folge 'Verschleppt' will der Saarländische Rundfunk am 22. Januar nach nur sieben Ausgaben seine beiden Ermittler Maximilian Brückner (alias Franz Kappl) und Gregor Weber (alias Stefan Deininger) verabschieden. 'Wir glauben, dass diese Geschichte auserzählt ist', sagt SR-Sprecher Peter Meyer."

Unerhört, sagt das deutsche Feuilleton. Etwa Michael Hanfeld in der FAZ:

"Zum Stichwort 'auserzählt' fielen einem da doch viel eher ein paar andere Paarungen ein. Die Kollegen Batic und Leitmayr aus München zum Beispiel, die seit 1991 über die Gänge des Polizeipräsidiums schlurfen, oder die Herren Ballauf und Schenk, die seit 1997 ein und dieselbe Kölner Currywurstbude belagern, und Lena Odenthal fing in Ludwigshafen schon 1989 an. Ganz zu schweigen von den 'Polizeiruf'-Veteranen Schmücke und Schneider, die sich seit 1996 in der Kunst der Langatmigkeit üben."

Beim Tatort hört eben der Spaß auf. Da mag Europa noch so wackeln. Und beim Fußball natürlich auch. Oder wie ist diese Überschrift aus der TAZ zu deuten?

"Die Fußballnationalmannschaft spielt bald wieder in Grün. Endlich!"