Von Gregor Sander

Die Kulturpresseschau befasst sich unter anderem mit dem neuen Roman von Umberto Eco, mit der Verfilmung der Udo-Jürgens-Autobiographie und mit der schwedischen Schauspielerin Anita Ekberg.
"Ich bin immer fasziniert von der Rolle, die die Dummheit spielt. Ich habe eine ganze Bibliothek, die nur Bücher enthält, die falsch sind." Das verriet Umberto Eco der Wochenzeitung DIE ZEIT. Ijoma Mangold und Adam Soboszynski haben den Autor in Mailand zum Gespräch getroffen. Sein neuer Roman "Der Friedhof in Prag" erscheint am 8. Oktober in Deutschland. In Italien hat er sich bereits 500000-mal verkauft. "Befriedigt, Sie das?" fragen Mangold und Soboszynski. Und Eco poltert: "Hören Sie mal! Man wäre ja schön blöd, ein Buch zu schreiben und dabei zu hoffen, es würde nicht gelesen werden." Aber Eco beruhigt sich schnell wieder und fasst seinen neuen Roman so zusammen: "Der Friedhof in Prag spielt im Paris der Belle Époque. Der zwielichtige Simone Simonini ist ein glühender Antisemit, der seine politischen Umtriebe mal in den Dienst der Freimaurer, mal in den der Jesuiten, mal in den der Bonapartisten, mal in den der Antiklerikalen stellt. Aber egal, für welchen Geheimbund er gerade unterwegs ist, es ist immer derselbe Grundbestand an Verschwörungstheorien, die er in Umlauf bringt. Im Zentrum stehen die Protokolle der Weisen von Zion, jenes gefälschte Dokument über eine angebliche jüdische Weltverschwörung."

Natürlich kann man kein Interview mit Umberto Eco führen, ohne auch über Italien und Berlusconio zu sprechen. Dessen Erfolg erklärt Eco folgendermaßen: "Es ist ein Beweis für die Macht der Dummheit. Nicht der Dummheit Berlusconis. Berlusconi ist ein Genie der Kommunikation. Wenn Sie mit einem Taxifahrer sprechen, sagt er: Berlusconi ist reich, deswegen wird er sich nicht an uns bereichern. Das ist natürlich töricht, denn in gewisser Weise ist er ja nur deshalb reich, weil er uns bereits bestohlen hat. Er ist ein begabter Lügner."

Anita Ekberg konnte auch die Regentschaft Berlusconis nicht aus ihrer italienischen Wahlheimat vertreiben. Jetzt wird die schwedische Diva 80 und beim Geburtstagsständchen in der Tageszeitung DIE WELT gerät Henryk M. Broder in Wallungen: "Als "Das süße Leben" 1960 in die Kinos kam, hatten die Autos noch Heckflossen, die Frauen Rundungen und die Männer Spaß an äußeren Werten."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG erinnert in ihrem Geburtstagsgruß an Ekbergs berühmtesten Auftritt: "Den großen Kinomoment aber schenkte ihr Fellini in "La Dolce Vita". Er schickte sie mit wallender Mähne im schwarzen Abendkleid in die Fontana di Trevi, wo Marcello Mastroianni, stellvertretend für alle Männer der Welt, bei dem Anblick schwindelig wurde. Nicht Fellini habe sie berühmt gemacht, hat Ekberg später gesagt, sondern sie ihn."

Geburtstag feiert auch Udo Jürgens. Die ARD macht dem Schlagersänger zum 77. ein besonders Geschenk. Am Donnerstag und Freitag zeigt Das Erste die Verfilmung von Jürgens Autobiografie "Der Mann mit dem Fagott". Das Feuilleton ist einhellig begeistert. Sven Sakovitz von der TAZ über diese Familiengeschichte: "Sie beginnt mit Udos Großvater Heinrich, der Ende des 19. Jahrhunderts nach Russland auswandert, dort zum Bankdirektor aufsteigt und später in einem sibirischen Lager landet; führt weiter über Udos Vater Rudi, der im österreichischen Ottmanach das Bürgermeisteramt bekleidet und lange mit den Nazis kollaboriert - und findet ihren Höhepunkt in Episoden aus dem Leben des Udo Jürgen Bockelmann."
So lautet der eigentliche Name des berühmten Barden. Von dessen Darstellung im Film ist Dieter Bartetzko in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG zumindest angetan: "Wenn man ihn – gekonnt und mit der notwendigen, zuweilen aber auch hemmenden Diskretion gespielt von David Rott – sein "Was ich dir sagen will" singen hört, das Semichanson von der Musik, die mehr sagt als Worte, das ihm 1961 ersten Erfolg brachte, dann hört man plötzlich, wie das Kind, das sich stumm vor den Artilleriegeschossen der anrückenden Amerikaner in die Kissen verkroch, sein Schweigen bricht."

Für Thomas Gehringer vom Berliner TAGESSPIEGEL überschreibt ein Udo Jürgens Hit diese 11 Millionen teure Produktion: ""Aber bitte mit Sahne"."