Von der Wiege bis zur Bahre

Von Lotta Wieden |
Ab 1. Juli erhält jeder Bundesbürger eine neue Steuernummer. Sie hat elf Ziffern und soll - so Finanzminister Peer Steinbrück - zu mehr Transparenz und Bürgernähe führen. Das klingt nach einem drögen Verwaltungsakt, doch die neue Nummer hat es in sich: Sie wird ab sofort von Geburt an vergeben und sie gilt lebenslänglich.
Das Kind ist gerade erst auf der Welt, da hat es auch schon eine Nummer. Elf Ziffern, die es von nun an durch das ganze Leben begleiten: Egal wie oft der kleine Schreihals später einmal umziehen wird, heiratet oder sich scheiden lässt – die Nummer bleibt: von der Wiege bis zur Bahre, ja sogar noch darüber hinaus, denn gelöscht werden muss die elfstellige Ziffernfolge erst 20 Jahre nach dem Tod. Jeder Bundesbürger - vom Säugling bis zum Greis - erhält ab 1. Juli eine solche, lebensbegleitende Steueridentifikationsnummer.

Möglich wird das durch ein neu geschaffenes zentrales Personenregister, das erstmals in Deutschland sämtliche 82 Millionen Bürger des Landes erfasst. Zuständig: das Bundeszentralamt für Steuern in Bonn. Die Behörde bündelt in den kommenden Wochen die Daten aller Einwohnermeldeämter und speist sie in eine neue, zentrale Datenbank ein. Dabei weisen die Bonner Beamten jedem Bürger eine individuelle, elfstellige Ziffernfolge zu und verknüpfen diesen Code mit einer Reihe persönlicher Daten: Neben Name, Alter und Geschlecht beispielsweise auch mit Angaben zum akademischen Grad, zum aktuellen Wohnort und zum zuständiges Finanzamt.

Die neue Steuernummer vereinfache die Amtsgeschäfte und erleichtere das Leben von Millionen Bürgern, meint Finanzminister Peer Steinbrück. Sie ermöglicht dem Staat aber auch deutlich mehr Kontrolle: Denn mit der neuen, bundesweit einheitlichen Nummer können die Beamten ihre Daten auch mit anderen Behörden abgleichen – wer betrügt fliegt schneller auf: Der Fiskus erfährt, ob Rentner Herbert Müller seine Bezüge auch ordentlich versteuert hat, er kann prüfen, wer zu unrecht BAföG, Stütze oder Wohngeld kassiert, und welcher Unternehmer bei der Umsatzsteuer schummelt. Ein ehrlicher Bürger habe dabei nichts zu befürchten, heißt es in Bonn.