Von Arno Orzessek
In der "FAZ" schreibt Dietmar Dath über die neue Platte der Death-Metal-Band "Nile". In der "SZ" berichtet Peter Richter über das Madonna-Konzert in Berlin und in der "Welt" lästert Henryk M. Broder über das Urteil des Kölner Landgerichts, das Beschneidung als Körperverletzung verurteilt hat.
"Oh Gott", stöhnt die FRANKUFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG.
Und Sie, liebe Hörer, Sie denken jetzt natürlich: Dieses "Oh Gott", das ist bestimmt ein Nachbetrachtungs-Stoßseufzer zur EM-Partie Deutschland gegen Italien.
Falsch! Tatsächlich schreibt der FAZ-Autor Dietmar Dath über "At The Gate Of Sethu", die neue Platte der Death-Metal-Band Nile … Und wie er schreibt!
"Dass man Gitarren zupfen, schlagen und schlimmstenfalls dreschen kann, weiß man eh; hier aber erleben wir, was passiert, wenn einer wie dieser Karl Sanders (der dazu nötigenfalls grausam röchelt [ ... ]) die Saiten mit ätzendem Handballenschweiß einfettet, pfetzt, schreddert, nudelt, gerbt, kerbt, geißelt und bitterlich beschlarzt (eben gab es das Wort noch nicht; schon rupft Sanders es mitleidlos in Fetzen)."
Klingt so, als sei die Nile-Platte tatsächlich zur akuten Fußball-Nachbehandlung zu empfehlen - zum Beispiel Daths FAZ-Kollegen Jochen Hieber, der mit einer "Elegie aus gegebenem Anlass" hervortritt:
"Das eigentlich und zutiefst Deprimierende an der Italien-Niederlage ist, dass die Spielergeneration der Schweinsteiger, Lahm, Podolski, Özil und Khedira offenbar an die Grenzen ihres technischen Vermögens und ihrer Durchsetzungsfähigkeit geraten ist."
Um nur ja das Match sehen zu können, in dem Jogis Jungs dann kein Land sahen, haben in Berlin übrigens ganze Heerscharen das zeitgleiche Madonna-Konzert sausen lassen.
"Dramatische Szenen spielen sich ab [verfällt Peter Richter in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG ins dramatische Präsenz]. Die Leute versuchen ihre Madonna-Tickets mit einer Hysterie und Verzweiflung irgendwie wieder abzustoßen, die allenfalls mit der Hysterie und Verzweiflung vergleichbar ist, mit der sie im Februar versucht hatten, Madonna-Tickets zu ergattern. [ ... ]. Und die Preise sinken, je näher der Anpfiff rückt. Allen ist zum Weinen."
Für jene, die das Match der Mucke vorgezogen haben, hatte der Abend übrigens eine hübsche Pointe parat - die Peter Richter so beschreibt:
"Als dann, schon auf dem Weg zur Halle, das Schmerzgeschrei über Balotellis Zwei-Null aufbrandet, ist klar, dass die, die vorhin ihre Zweihunderteurokarten förmlich weggeworfen haben, jetzt vierhundert Euro hinlegen würden, um doch noch unter die Rockschöße von Mutti Madonna zu dürfen."
Wie es zuging unter Madonnas Rockschößen - oder zumindest in deren Sichtweite -, berichtet Manuel Brug in der Tageszeitung DIE WELT:
"Madonna, bis zum Kehlkopf in schwarzen Stretch gezurrt, auf Mörderabsätzen, von hochgetufftem Blondhaar umwallt und lauter schießbereiten Pussy-Riot-Mädels umgeben, singt ganz vorn auf dem [ ... ] Laufsteg ihren 2009-Hit 'Revolver'. Dazu ballert sie mit einer Kalaschnikow lustvoll auf ihre ekstatischen Fans. Aber plötzlich hält ihr einer die israelische Flagge entgegen, auf der 'Peace' steht. Und sie knallt - alles nur Spiel - weiter. 'The Show must go on'."
Dass ein Artikel auf der nächsten WELT-Seite "Peepshow für den anspruchsvollen Voyeur" heißt, hat nichts mehr mit Madonna zu tun. Es geht um Beschneidung, jene religiöse Praxis im Islam und Judentum, die das Kölner Landgericht als Körperverletzung verurteilt hat.
"Ich warte nur darauf [lästert WELT-Autor Henryk M. Broder], dass einer, der es mit den Juden gut meint, aufsteht und sagt: 'Nach allem, was wir den Juden angetan haben, können wir es nicht zulassen, dass sie sich selbst verstümmeln', worauf ein Zweiter ergänzen wird: 'Es sieht aus, als hätten die Juden aus ihrer leidvollen Geschichte nichts gelernt.'"
Dieses Mal ist Hendryk M. Broder wirklich witzig! Weshalb wir Ihnen, liebe Hörer, auch noch die Lektüre des echt schmutzigen Judenwitzes am Ende des Artikels empfehlen. -
Zuletzt das: Lieber Jogi Löw, Sie Aufstellungs-Tolpatsch ... Gomez für Klose und Podolski für Schürrle! An wen, Herr Löw - glauben Sie wohl - haben wir gedacht, als wir in der SZ diese Überschrift lasen:
""'Ich stecke bis zum Hals in meinem Scheitern'"? "
Und Sie, liebe Hörer, Sie denken jetzt natürlich: Dieses "Oh Gott", das ist bestimmt ein Nachbetrachtungs-Stoßseufzer zur EM-Partie Deutschland gegen Italien.
Falsch! Tatsächlich schreibt der FAZ-Autor Dietmar Dath über "At The Gate Of Sethu", die neue Platte der Death-Metal-Band Nile … Und wie er schreibt!
"Dass man Gitarren zupfen, schlagen und schlimmstenfalls dreschen kann, weiß man eh; hier aber erleben wir, was passiert, wenn einer wie dieser Karl Sanders (der dazu nötigenfalls grausam röchelt [ ... ]) die Saiten mit ätzendem Handballenschweiß einfettet, pfetzt, schreddert, nudelt, gerbt, kerbt, geißelt und bitterlich beschlarzt (eben gab es das Wort noch nicht; schon rupft Sanders es mitleidlos in Fetzen)."
Klingt so, als sei die Nile-Platte tatsächlich zur akuten Fußball-Nachbehandlung zu empfehlen - zum Beispiel Daths FAZ-Kollegen Jochen Hieber, der mit einer "Elegie aus gegebenem Anlass" hervortritt:
"Das eigentlich und zutiefst Deprimierende an der Italien-Niederlage ist, dass die Spielergeneration der Schweinsteiger, Lahm, Podolski, Özil und Khedira offenbar an die Grenzen ihres technischen Vermögens und ihrer Durchsetzungsfähigkeit geraten ist."
Um nur ja das Match sehen zu können, in dem Jogis Jungs dann kein Land sahen, haben in Berlin übrigens ganze Heerscharen das zeitgleiche Madonna-Konzert sausen lassen.
"Dramatische Szenen spielen sich ab [verfällt Peter Richter in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG ins dramatische Präsenz]. Die Leute versuchen ihre Madonna-Tickets mit einer Hysterie und Verzweiflung irgendwie wieder abzustoßen, die allenfalls mit der Hysterie und Verzweiflung vergleichbar ist, mit der sie im Februar versucht hatten, Madonna-Tickets zu ergattern. [ ... ]. Und die Preise sinken, je näher der Anpfiff rückt. Allen ist zum Weinen."
Für jene, die das Match der Mucke vorgezogen haben, hatte der Abend übrigens eine hübsche Pointe parat - die Peter Richter so beschreibt:
"Als dann, schon auf dem Weg zur Halle, das Schmerzgeschrei über Balotellis Zwei-Null aufbrandet, ist klar, dass die, die vorhin ihre Zweihunderteurokarten förmlich weggeworfen haben, jetzt vierhundert Euro hinlegen würden, um doch noch unter die Rockschöße von Mutti Madonna zu dürfen."
Wie es zuging unter Madonnas Rockschößen - oder zumindest in deren Sichtweite -, berichtet Manuel Brug in der Tageszeitung DIE WELT:
"Madonna, bis zum Kehlkopf in schwarzen Stretch gezurrt, auf Mörderabsätzen, von hochgetufftem Blondhaar umwallt und lauter schießbereiten Pussy-Riot-Mädels umgeben, singt ganz vorn auf dem [ ... ] Laufsteg ihren 2009-Hit 'Revolver'. Dazu ballert sie mit einer Kalaschnikow lustvoll auf ihre ekstatischen Fans. Aber plötzlich hält ihr einer die israelische Flagge entgegen, auf der 'Peace' steht. Und sie knallt - alles nur Spiel - weiter. 'The Show must go on'."
Dass ein Artikel auf der nächsten WELT-Seite "Peepshow für den anspruchsvollen Voyeur" heißt, hat nichts mehr mit Madonna zu tun. Es geht um Beschneidung, jene religiöse Praxis im Islam und Judentum, die das Kölner Landgericht als Körperverletzung verurteilt hat.
"Ich warte nur darauf [lästert WELT-Autor Henryk M. Broder], dass einer, der es mit den Juden gut meint, aufsteht und sagt: 'Nach allem, was wir den Juden angetan haben, können wir es nicht zulassen, dass sie sich selbst verstümmeln', worauf ein Zweiter ergänzen wird: 'Es sieht aus, als hätten die Juden aus ihrer leidvollen Geschichte nichts gelernt.'"
Dieses Mal ist Hendryk M. Broder wirklich witzig! Weshalb wir Ihnen, liebe Hörer, auch noch die Lektüre des echt schmutzigen Judenwitzes am Ende des Artikels empfehlen. -
Zuletzt das: Lieber Jogi Löw, Sie Aufstellungs-Tolpatsch ... Gomez für Klose und Podolski für Schürrle! An wen, Herr Löw - glauben Sie wohl - haben wir gedacht, als wir in der SZ diese Überschrift lasen:
""'Ich stecke bis zum Hals in meinem Scheitern'"? "