Von Arno Orzessek
Die "SZ" bespricht den Dokumentarfilm "Henry Kissinger – Geheimnisse einer Supermacht", der am 15.10. auf Arte zu sehen ist. Außerdem im Blatt: Ein Artikel über den Iran, dessen Regierung ein neues "Familiengesetz" auf den Weg bringen will. Die "Welt" stellt begeistert die Bücher türkischer Schriftstellerinnen vor.
Wenn sich – wie oft geschehen – Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt über seinen Freund, den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, äußert, dann entsteht das Bild eines sehr respektablen, klugen und umtriebigen Staatsmanns.
Wenn in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG hingegen Willi Winkler die Arte-Dokumentation "Henry Kissinger – Geheimnisse einer Supermacht" bespricht, dann klingt das so:
" Das monarchistische Denken, eine fast absolutistische Ehrfurcht verhindert in westlichen Demokratien bis heute, dass Politiker sich für ihre Taten verantworten müssen. Nach den Begriffen des Internationalen Gerichtshofs ist der heute 85-jährige Kissinger ein Kriegsverbrecher. "
Laut SZ-Autor Willi Winkler kann man nicht einmal genau abschätzen, wie "viele Tausend Amerikaner und Hunderttausende Vietnamesen und Kambodschaner" die brachiale Realpolitik Kissingers das Leben gekostet hat.
" "Seit der Verleihung des Friedensnobelpreises [1973] an Henry Kissinger hat sich jede Form von Satire erübrigt", "
schließt Willi Winkler mit einem Zitat des Entertainers Tom Lehrer – und an dem SZ-Artikel bleibt einzig zu bemäkeln, dass man weit mehr über Winklers verdüsterte Sicht auf die USA als über die Arte-Dokumentation zu Kissinger erfährt.
Das aktuelle SZ-Feuilleton bietet allerdings nicht nur latenten Anti-Amerikanismus, es wendet sich mit west-östlichem Gerechtigkeitssinn auch gegen himmelschreiende Zustände in orientalischen Weltgegenden.
" Im Iran ist sogar Nachdenken verboten, "
fasst Gastautor Amir Cheheltan den Regulierungswahn in der sogenannten "Islamischen Republik" zusammen. Der neueste Coup der Regierung von Präsident Ahmadinedschad: Sie kümmert sich um Männer, die Lust auf mehrere Frauen haben und nennt die entsprechende Gesetzes-Vorlage "Familiengesetz".
" Im Wesentlichen besagt diese Gesetzesvorlage, dass die Ehelichung einer weiteren Frau ab sofort nicht mehr der Einwilligung der Erstfrau bedarf. Nach Überprüfung der Vermögensverhältnisse des Mannes und der Zusicherung des Betreffenden, unter seinen Ehefrauen wirtschaftliche und sexuelle Gerechtigkeit walten zu lassen, genügt zur weiteren Eheschließung fortan eine gerichtliche Genehmigung, "
berichtet SZ-Gastautor Amir Cheheltan vom Lust- und Liebesleben in dem Land, das man einst Persien nannte.
" Istanbul ist eine Frau, "
behauptet die WELT in einer Überschrift, deren Unterschrift lautet:
" Vor allem mit seinen Schriftstellerinnen ist das Buchmessen-Gastland Türkei in der Gegenwart angekommen. "
WELT-Autorin Iris Alanyali rezensiert in bewusstem Kontrast zur nebel- und traumverhangenen Literatur des Istanbul-Melancholikers Orhan Pamuk Werke von Esmahan Aykol, Perihan Magden und Elif Shafak, deren "Bonbonpalast" bei Eichborn Berlin erschienen ist:
" "Bonbonpalast" ist ein Sinnbild der Metropole am Bosporus, die, glaubt man Elif Shafaks böser Literatenzunge, zum Himmel stinkt, im Müll zu versinken droht und sich doch aus diesem erhebt wie ein funkelnder Smaragd. "
Restlos begeistert über die türkischen Schriftstellerinnen und ohne Angst vor Klischees resümiert WELT-Autorin Iris Alanyali:
" Von Melancholie […] keine Spur in diesen Istanbul-Romanen, hier sind die Frauen keine geheimnisumwitterten Traumgebilde. Diese Heldinnen – und ihre Schöpferinnen – stehen mitten im Leben, im Leben der berühmtesten aller türkischen Damen: Der großen, wilden Diva Istanbul. "
Wer Moscheen liebt, wird Istanbul lieben – kann sich neuerdings aber auch nach Duisburg-Marxloh wenden. Dort wird Ende des Monats die vorerst größte deutsche Moschee eröffnet – samt einem 34 Meter hohen Minarett.
Für TAGESSPIEGEL-Autor Manuel Gogos verspricht das Minarett nicht weniger als ein geistig-geistliches Erwachen:
" Manch einer stört sich am Weckruf des Muezzins. Aber wohnt nicht gerade diesem Ruf eine Schönheit inne, die es mit dem Glockengeläut aufnehmen kann? Die Musik der einen wie der anderen Provenienz kann uns aus unseren Traumgespinsten hervorlocken – auf dem Weg zu einer hellwachen Spiritualität. "
Nun, das wäre wohl wünschenswert. Indessen vermuten wir aber, dass noch längst nicht jeder Hiesige dem Weckruf eines Muezzins mit Hingabe und Genuss zuhören kann.
Wenn in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG hingegen Willi Winkler die Arte-Dokumentation "Henry Kissinger – Geheimnisse einer Supermacht" bespricht, dann klingt das so:
" Das monarchistische Denken, eine fast absolutistische Ehrfurcht verhindert in westlichen Demokratien bis heute, dass Politiker sich für ihre Taten verantworten müssen. Nach den Begriffen des Internationalen Gerichtshofs ist der heute 85-jährige Kissinger ein Kriegsverbrecher. "
Laut SZ-Autor Willi Winkler kann man nicht einmal genau abschätzen, wie "viele Tausend Amerikaner und Hunderttausende Vietnamesen und Kambodschaner" die brachiale Realpolitik Kissingers das Leben gekostet hat.
" "Seit der Verleihung des Friedensnobelpreises [1973] an Henry Kissinger hat sich jede Form von Satire erübrigt", "
schließt Willi Winkler mit einem Zitat des Entertainers Tom Lehrer – und an dem SZ-Artikel bleibt einzig zu bemäkeln, dass man weit mehr über Winklers verdüsterte Sicht auf die USA als über die Arte-Dokumentation zu Kissinger erfährt.
Das aktuelle SZ-Feuilleton bietet allerdings nicht nur latenten Anti-Amerikanismus, es wendet sich mit west-östlichem Gerechtigkeitssinn auch gegen himmelschreiende Zustände in orientalischen Weltgegenden.
" Im Iran ist sogar Nachdenken verboten, "
fasst Gastautor Amir Cheheltan den Regulierungswahn in der sogenannten "Islamischen Republik" zusammen. Der neueste Coup der Regierung von Präsident Ahmadinedschad: Sie kümmert sich um Männer, die Lust auf mehrere Frauen haben und nennt die entsprechende Gesetzes-Vorlage "Familiengesetz".
" Im Wesentlichen besagt diese Gesetzesvorlage, dass die Ehelichung einer weiteren Frau ab sofort nicht mehr der Einwilligung der Erstfrau bedarf. Nach Überprüfung der Vermögensverhältnisse des Mannes und der Zusicherung des Betreffenden, unter seinen Ehefrauen wirtschaftliche und sexuelle Gerechtigkeit walten zu lassen, genügt zur weiteren Eheschließung fortan eine gerichtliche Genehmigung, "
berichtet SZ-Gastautor Amir Cheheltan vom Lust- und Liebesleben in dem Land, das man einst Persien nannte.
" Istanbul ist eine Frau, "
behauptet die WELT in einer Überschrift, deren Unterschrift lautet:
" Vor allem mit seinen Schriftstellerinnen ist das Buchmessen-Gastland Türkei in der Gegenwart angekommen. "
WELT-Autorin Iris Alanyali rezensiert in bewusstem Kontrast zur nebel- und traumverhangenen Literatur des Istanbul-Melancholikers Orhan Pamuk Werke von Esmahan Aykol, Perihan Magden und Elif Shafak, deren "Bonbonpalast" bei Eichborn Berlin erschienen ist:
" "Bonbonpalast" ist ein Sinnbild der Metropole am Bosporus, die, glaubt man Elif Shafaks böser Literatenzunge, zum Himmel stinkt, im Müll zu versinken droht und sich doch aus diesem erhebt wie ein funkelnder Smaragd. "
Restlos begeistert über die türkischen Schriftstellerinnen und ohne Angst vor Klischees resümiert WELT-Autorin Iris Alanyali:
" Von Melancholie […] keine Spur in diesen Istanbul-Romanen, hier sind die Frauen keine geheimnisumwitterten Traumgebilde. Diese Heldinnen – und ihre Schöpferinnen – stehen mitten im Leben, im Leben der berühmtesten aller türkischen Damen: Der großen, wilden Diva Istanbul. "
Wer Moscheen liebt, wird Istanbul lieben – kann sich neuerdings aber auch nach Duisburg-Marxloh wenden. Dort wird Ende des Monats die vorerst größte deutsche Moschee eröffnet – samt einem 34 Meter hohen Minarett.
Für TAGESSPIEGEL-Autor Manuel Gogos verspricht das Minarett nicht weniger als ein geistig-geistliches Erwachen:
" Manch einer stört sich am Weckruf des Muezzins. Aber wohnt nicht gerade diesem Ruf eine Schönheit inne, die es mit dem Glockengeläut aufnehmen kann? Die Musik der einen wie der anderen Provenienz kann uns aus unseren Traumgespinsten hervorlocken – auf dem Weg zu einer hellwachen Spiritualität. "
Nun, das wäre wohl wünschenswert. Indessen vermuten wir aber, dass noch längst nicht jeder Hiesige dem Weckruf eines Muezzins mit Hingabe und Genuss zuhören kann.