Von Adelheid Wedel

Noch immer ist der Karikaturenstreit Thema in den Feuilletons. Dichter und Satiriker Robert Gernhardt bemängelt in der "FAZ", dass die meisten Menschen die Karikaturen nie zu Gesicht bekommen haben. Der Karlsruher Philosoph Peter Sloterdijk wirft im "Focus" einen Blick in die Zukunft, in der es langfristig um eine Europäisierung des Islam und nicht um eine Islamisierung Europas gehen werde. Außerdem berichtet die "Welt" von den Überlegungen Donald Rumsfelds zum Kampf gegen den Terrorismus.
Noch immer ist der Karikaturenstreit Thema in den Feuilletons. So fragt beispielsweise die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG in ihrer Montagsausgabe den Dichter und Satiriker Robert Gernhardt nach seiner Meinung über mögliche Grenzen von Satire. Ob er beispielsweise schon mal vom Papst mit dem Bann bedroht worden sei, wegen seiner Satiren auf Gott.

"Das nicht", antwortet Gernhardt, "aber fromme Christen haben mir schon einmal wegen eines Gedichtes Höllenstrafen angekündigt." Besagtes Gedicht kann man in der FAZ nachlesen. Gernhardt stört an dem Karikaturenstreit, dass man die Bilder nicht überall zu sehen bekam. So würde man jetzt über etwas urteilen, ohne es zu kennen. Und das missbilligt er:

"Die radikalen Muslime haben durch Einschüchterung die westlichen Medien zur Aufgabe eines Grundprinzips der Meinungsbildung gebracht, das da lautet: Zuerst mal schauen, was da los ist, und dann eine Meinung bilden."

Im Nachrichtenmagazin FOCUS äußert sich der Philosoph Peter Sloterdijk zur Debatte über einen drohenden Kulturkampf zwischen Islam und westlicher Welt und hält dem deutschen Feuilleton exzessive Panikmache vor.

"Auf der Langzeitagenda steht die Europäisierung des Islam, nicht die Islamisierung Europas", so der Karlsruher Philosoph.

"Das ist Teil eines Weltprojekts, das von allen Kulturen eine welttaugliche Zivilisierung verlangt."

Was hier entwickelt wird und auch als Meldung im TAGESSPIEGEL nachzulesen ist, führt ein neuer amerikanischer Thriller ad absurdum. Dort wird genau das Gegenteil beschrieben: Im Jahr 2040 ist ein Großteil von Amerika eine Islamische Republik und deren Hauptstadt heißt Seattle.

Jordan Mejias rezensiert das Buch von Robert Ferrigno in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG und bescheinigt dem Roman, dass sich in seinem Zukunftsbild die Ängste der Gegenwart stauen.

Er bezeichnet den Plot als atemlos, in dem die vormaligen Vereinigten Staaten von Amerika weltpolitisch in die Bedeutungslosigkeit versunken sind und in Europa der Papst, ein eingeschleuster Schläfer, darauf wartet, samt der ganzen Kirche zum Islam zu konvertieren.

Wie absurd auch die literarischen Ausblicke sein mögen, von denen wir nicht wissen, ob sie der Verteidigungsminister der USA kennt, Donald Rumsfeld jedenfalls entwickelt Überlegungen zum Kampf gegen den Terrorismus und darin eingeschlossen die Aufgaben der Medien, abgedruckt in der Tageszeitung DIE WELT:

"Wir führen heute den ersten Krieg im Zeitalter von E-Mail, Blogs, Blackberry, Instant Messaging, Digitalkameras, Internet, Mobiltelefonen, Radiosendungen mit Zuhörerbeteiligung und Nachrichten rund um die Uhr", schreibt Rumsfeld und leitet daraus ab, wie wichtig der Umgang mit den Massenmedien ist.

Die Terroristen hätten sich geschickt an die Kriegsführung im heutigen Massenmedienzeitalter angepasst, Amerika müsse da aufholen und "sich neue Wege für den Dialog mit Menschen weltweit zu eigen machen. Die freien Regierungen müssen die Kommunikationsplanung zu einem zentralen Bestandteil aller Aspekte dieses Kampfes machen."

Der Kampf würde auf dem Feld der weltweiten öffentlichen Meinung gewonnen oder verloren. So weit Rumsfeld mit einer Art Alphabet für die Medien.

Andrzej Wajda, der große alte Mann der Kinemathek Polens, hat immer gewusst, wie er mit den Medien und seinem Medium Film umzugehen hat. An diesem Montag wird er 80 Jahre alt und die Feuilletons gratulieren ihm voller Bewunderung. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schreibt:

"Kaum ein anderer Regisseur des Kontinents hat bis über die Jahrtausendwende hinaus mit ähnlicher Kontinuität arbeiten können. Die polnische und die europäische Geschichte haben in diesem Mann einen großen Erzähler gefunden", lesen wir in der WELT.

Dort erfahren wir auch, dass Wajda in diesem Jahr mit den Dreharbeiten zu einem Film beginnt, der vielleicht sein persönlichster wird. "Post mortem" handelt vom Warten einer Familie auf die Heimkehr des Vaters nach dem Krieg, über Suchen und Hoffen. Vermisst wird ein Offizier, der im sowjetischen Massaker in Katyn sein Leben verlor. Wajdas Vater war unter den Opfern von Katyn.