Von Adelheid Wedel
Die "Taz" schreibt über den Stand der Aufarbeitung von Krieg, Holocaust und Nachkriegszeit. Die "Berliner Zeitung" druckt einen Artikel des polnischen Schriftstellers Artur Becker. Und die "FAZ" informiert über die Ausstellung "Deutscher Geist. Ein amerikanischer Traum", die bis zum 3. Oktober im Literaturmuseum der Moderne in Marbach zu sehen ist.
Der 8. Mai, ein für die deutsche Geschichte inhaltsschweres Datum. In der Tageszeitung TAZ stellt Dirk Knipphals die in Deutschland bis heute latente Frage nach den Schlussstrichen und gibt darauf die Antwort: "Nein, die wird es auch 65 Jahre nach Kriegsende nicht geben. Wie aktuelle Romane zeigen, hat die Aufarbeitung von Krieg, Holocaust und Nachkriegszeit jetzt erst richtig das private Leben erreicht."
Der Autor erinnert: "Die großen gesamtgesellschaftlichen symbolischen Kämpfe sind geschlagen – Richard von Weizsäckers bahnbrechende Rede, in der er vom 8. Mai als 'Tag der Befreiung' sprach, ist jetzt auch schon 25 Jahre her – aber die individuellen Aufarbeitungen gehen weiter." Der Autor spitzt zu: "Man kann sogar sagen, sie fangen weiterhin immer erst an. Weil immer noch jeder Einzelne sein individuell mehr oder minder schweres Gepäck, das er trägt, selbst bearbeiten muss."
Knipphals zählt Autoren auf, in deren Literatur er Bezüge dazu erkannte: Es sind Ulf Erdmann Ziegler, Georg Klein, Arno Geiger, David Wagner, Harriet Köhler. "Es blutet und blutet" lautet der erste Satz in Georg Kleins "Roman unserer Kindheit", er macht deutlich, dass "der Krieg psychische Beschädigungen hinterließ, die über Generationen weitergegeben werden" und erlaubt die Schlussfolgerung, dass Kriege immer Wirkungen solcher Art haben.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU und die BERLINER ZEITUNG drucken gleichlautend einen Artikel des polnischen Schriftstellers Artur Becker. Seit 1985 lebt er in Deutschland, er wurde mit dem Adalbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Ihn beschäftigt, dass bei der diesjährigen festlichen Siegesparade in Moskau erstmals "polnische Soldaten mit ihren Kameraden aus Russland"" mitmarschieren. Er nennt das ""ein historisches Ereignis", denn "viele Polen begriffen in der äußerst schwierigen Nachkriegszeit die Befreiung ihrer Heimat durch die Rotarmisten als eine heimliche und erneute Besetzung". Der Wille zur Versöhnung bei den Polen sei nun aber ernst gemeint, sehr ernst, davon ist Becker überzeugt.
Nachdenklich stimmt ein kurzer Bericht in der BERLINER ZEITUNG von Kerstin Holm über die Aufführung eines "Requiem" an diesem Freitag in Moskau, das - wie sie berichtet - "von unstillbarer Trauer" gekennzeichnet war. Dieses Requiem war "ausdrücklich auch den Tätern gewidmet, ja sogar den Toten des Ersten Weltkriegs, des Napoleonischen, des Dreißigjährigen und des Siebenjährigen Krieges". Die Autorin dazu lakonisch: "Auch das russische Mitleiden scheint unstillbar."
In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG informiert Felicitas von Lovenberg über die Ausstellung "Deutscher Geist. Ein amerikanischer Traum", die bis zum 3. Oktober im Literaturmuseum der Moderne in Marbach zu sehen ist. Eigentlich war die Schau gedacht und konzipiert als "mobiler transatlantischer Außenposten des Literaturarchivs, als ein Museum im Koffer", das ursprünglich von der Morgan Library in New York über Princeton, Chicago und Austin bis ins Getty nach Los Angeles wandern sollte. Wegen der Finanzkrise muss die Reise zunächst unterbleiben. Aber das Goethe-Institut oder das Auswärtige Amt müssten doch eine Reisevariante entwickeln können, regt die Autorin an. Immerhin wird "pragmatisch-real die enge geistesgeschichtliche Beziehung zwischen Deutschland und Amerika" belegt, und das nicht nur anhand von zwölf Dokumenten von und zu Henry Kissinger in einer Art Nebenschau im Museum.
"'Lebe mit deinem Jahrzehnt, aber sei nicht sein Geschöpf'; Schillers Rat habe er sich nach der Emigration in die Vereinigten Staaten zur Maxime gemacht", erzählte Henry Kissinger bei der Ausstellungseröffnung in Marbach. "Zumal von Schiller habe er gelernt, dass politische Führung auch eine ästhetische Dimension habe. Sich trotz Wohlstand in den Dienst der besseren Zukunft zu stellen" – so wird Kissinger in der FAZ zitiert – "das sei die Herausforderung der westlichen Zivilisation."
Der Autor erinnert: "Die großen gesamtgesellschaftlichen symbolischen Kämpfe sind geschlagen – Richard von Weizsäckers bahnbrechende Rede, in der er vom 8. Mai als 'Tag der Befreiung' sprach, ist jetzt auch schon 25 Jahre her – aber die individuellen Aufarbeitungen gehen weiter." Der Autor spitzt zu: "Man kann sogar sagen, sie fangen weiterhin immer erst an. Weil immer noch jeder Einzelne sein individuell mehr oder minder schweres Gepäck, das er trägt, selbst bearbeiten muss."
Knipphals zählt Autoren auf, in deren Literatur er Bezüge dazu erkannte: Es sind Ulf Erdmann Ziegler, Georg Klein, Arno Geiger, David Wagner, Harriet Köhler. "Es blutet und blutet" lautet der erste Satz in Georg Kleins "Roman unserer Kindheit", er macht deutlich, dass "der Krieg psychische Beschädigungen hinterließ, die über Generationen weitergegeben werden" und erlaubt die Schlussfolgerung, dass Kriege immer Wirkungen solcher Art haben.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU und die BERLINER ZEITUNG drucken gleichlautend einen Artikel des polnischen Schriftstellers Artur Becker. Seit 1985 lebt er in Deutschland, er wurde mit dem Adalbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Ihn beschäftigt, dass bei der diesjährigen festlichen Siegesparade in Moskau erstmals "polnische Soldaten mit ihren Kameraden aus Russland"" mitmarschieren. Er nennt das ""ein historisches Ereignis", denn "viele Polen begriffen in der äußerst schwierigen Nachkriegszeit die Befreiung ihrer Heimat durch die Rotarmisten als eine heimliche und erneute Besetzung". Der Wille zur Versöhnung bei den Polen sei nun aber ernst gemeint, sehr ernst, davon ist Becker überzeugt.
Nachdenklich stimmt ein kurzer Bericht in der BERLINER ZEITUNG von Kerstin Holm über die Aufführung eines "Requiem" an diesem Freitag in Moskau, das - wie sie berichtet - "von unstillbarer Trauer" gekennzeichnet war. Dieses Requiem war "ausdrücklich auch den Tätern gewidmet, ja sogar den Toten des Ersten Weltkriegs, des Napoleonischen, des Dreißigjährigen und des Siebenjährigen Krieges". Die Autorin dazu lakonisch: "Auch das russische Mitleiden scheint unstillbar."
In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG informiert Felicitas von Lovenberg über die Ausstellung "Deutscher Geist. Ein amerikanischer Traum", die bis zum 3. Oktober im Literaturmuseum der Moderne in Marbach zu sehen ist. Eigentlich war die Schau gedacht und konzipiert als "mobiler transatlantischer Außenposten des Literaturarchivs, als ein Museum im Koffer", das ursprünglich von der Morgan Library in New York über Princeton, Chicago und Austin bis ins Getty nach Los Angeles wandern sollte. Wegen der Finanzkrise muss die Reise zunächst unterbleiben. Aber das Goethe-Institut oder das Auswärtige Amt müssten doch eine Reisevariante entwickeln können, regt die Autorin an. Immerhin wird "pragmatisch-real die enge geistesgeschichtliche Beziehung zwischen Deutschland und Amerika" belegt, und das nicht nur anhand von zwölf Dokumenten von und zu Henry Kissinger in einer Art Nebenschau im Museum.
"'Lebe mit deinem Jahrzehnt, aber sei nicht sein Geschöpf'; Schillers Rat habe er sich nach der Emigration in die Vereinigten Staaten zur Maxime gemacht", erzählte Henry Kissinger bei der Ausstellungseröffnung in Marbach. "Zumal von Schiller habe er gelernt, dass politische Führung auch eine ästhetische Dimension habe. Sich trotz Wohlstand in den Dienst der besseren Zukunft zu stellen" – so wird Kissinger in der FAZ zitiert – "das sei die Herausforderung der westlichen Zivilisation."