Von Adelheid Wedel
Die Feuilletons würdigen die Brecht-Schauspielerin und "Berufsquerulantin" Käthe Reichel, die im Alter von 86 Jahren gestorben ist. Euphorische Rezensionen bekommt die Ausstellung "Der Absturz des Ikarus" über DDR-Kunst in Weimar.
"Mit ihr zog die neue Zeit"
heißt die vielseitig deutbare Überschrift zum Nachruf auf Käthe Reichel in der BERLINER ZEITUNG.
"Sie war eine bis ins hohe Alter unruhige, mutige, streitbare Frau, die sich laut und listig mit denen da oben anlegte – was die Berufsquerulantin nach 1989 oft als dringend nötig erachtete",
schreibt Irene Bazinger. In der Nacht zum Freitag ist die Schauspielerin mit 86 Jahren gestorben. Die Reihe der von ihr gespielten Rollen ist lang, die Reihe ihrer engagierten Taten ebenso.
"Sie protestierte gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, hielt am 4. November 89 eine flammende Rede für Freiheit und Demokratie auf dem Berliner Alexanderplatz, wo sie sich später an den Hartz-IV-Protesten beteiligte."
Für hundert neue Häuser im zerstörten Vietnam sammelte sie so viel Geld, dass jede Familie noch ein Schwein und Hühner dazu bekam.
"Als Friedensaktivistin rief sie während des Tschetschenienkrieges mit Heiner Müller zur Aktion 'Mütter, versteckt eure Söhne' auf."
Einschränkend bemerkt die Autorin:
"Mögen ihre politischen Ansichten mitunter auch gar zu naiv angemutet haben, falsch waren sie nicht."
Im TAGESSPIEGEL schreibt Peter von Becker:
"Sie galt schon lange als lebende oder gar überlebende Legende",
was sich in ihrem Fall auf ihre enge Freundschaft und langjährige Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht bezieht. Daran erinnert auch Christine Dössel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG mit der Überschrift
"Brechts Johanna". T
atsächlich war die Johanna in Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe Reichels erklärte Lieblingsrolle.
"Auch in Bernard Shaws 'Heiliger Johanna' erkundete sie diese Figur, und noch im hohen Alter trug sie den Johanna-Stoff als Ein-Personen-Stück vor."
Ausführlich wohlwollende bis euphorische Rezensionen gelten in den Feuilletons vom Wochenende der Ausstellung "Abschied vom Ikarus" im Neuen Museum in Weimar. Ingeborg Ruthe fasst in der FRANKFURTER RUNDSCHAU zusammen.
"Kunst aus dem anderen Deutschland. Kunst einer zerbrochenen Gesellschafts-Utopie: Der abgestürzte Ikarus, der aus dem brennenden Welttheater rennende Prometheus, der erschöpfte Sisyphos sind Leitmotive. Sogenannte Staatskünstler malten diese aktuell-mythischen Gestalten ebenso wie die stillen Mitläufer, die Jüngeren, die Enttäuschten, die Renitenten aus der Subkultur. Die Ausstellung ist gelungen als Besichtigung einer Ära und ihrer Kunst. Und die verlangt endlich eine faire Neubewertung."
Jens Bisky erinnert in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG an die Ausstellung von DDR-Kunst in Weimar 1999 und den damals darauf folgenden heftigen Bilderstreit. Zur aktuellen Ausstellung meint er:
"Für jeden, der im Museum das Knie nicht beugen, aber seine Zeit kennenlernen will, ist diese Ausstellung ein Befreiungsschlag. Sie rekonstruiert die Bildwelten eines versunkenen Landes."
Auch Nicola Kuhn nimmt im TAGESSPIEGEL diesen Grundton auf:
"Die Ausstellung versucht eine Revision der DDR-Kunst."
Sie findet in der Beispiele für
"eine erstaunliche Neubewertung"
und
"eine malerische Qualität, die gerade von jüngeren Künstlern, die wieder gegenständlich malen, gewürdigt wird. Für sie könnte die Ikarus-Ausstellung ein Mekka werden."
Auch Luc Bondys Inszenierung von Harold Pinters "Die Heimkehr" im Pariser Odéon-Théatre wird vielstimmig gelobt. Barbara Villiger Heilig hebt in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG die Leistung von Bruno Ganz hervor.
"Das Wohnzimmer ist in Pinters Stück der Schauplatz familiärer Konflikte. Bruno Ganz als Max und Micha Lescot als Lenny schenken sich nichts. Ganz macht sich den Text zu eigen, als Familienvater – und als Sehnsüchtiger."
Ulrich Weinzierl spricht in der Tageszeitung DIE WELT gar von
"einem wahrhaft europäischen Bühnenereignis".
Und von Bruno Ganz berichtet er:
"Seine Augen funkeln vor Bosheit. Er hat das Format von einem König Lear, der sein Reich nicht töricht verschenkt."
heißt die vielseitig deutbare Überschrift zum Nachruf auf Käthe Reichel in der BERLINER ZEITUNG.
"Sie war eine bis ins hohe Alter unruhige, mutige, streitbare Frau, die sich laut und listig mit denen da oben anlegte – was die Berufsquerulantin nach 1989 oft als dringend nötig erachtete",
schreibt Irene Bazinger. In der Nacht zum Freitag ist die Schauspielerin mit 86 Jahren gestorben. Die Reihe der von ihr gespielten Rollen ist lang, die Reihe ihrer engagierten Taten ebenso.
"Sie protestierte gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, hielt am 4. November 89 eine flammende Rede für Freiheit und Demokratie auf dem Berliner Alexanderplatz, wo sie sich später an den Hartz-IV-Protesten beteiligte."
Für hundert neue Häuser im zerstörten Vietnam sammelte sie so viel Geld, dass jede Familie noch ein Schwein und Hühner dazu bekam.
"Als Friedensaktivistin rief sie während des Tschetschenienkrieges mit Heiner Müller zur Aktion 'Mütter, versteckt eure Söhne' auf."
Einschränkend bemerkt die Autorin:
"Mögen ihre politischen Ansichten mitunter auch gar zu naiv angemutet haben, falsch waren sie nicht."
Im TAGESSPIEGEL schreibt Peter von Becker:
"Sie galt schon lange als lebende oder gar überlebende Legende",
was sich in ihrem Fall auf ihre enge Freundschaft und langjährige Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht bezieht. Daran erinnert auch Christine Dössel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG mit der Überschrift
"Brechts Johanna". T
atsächlich war die Johanna in Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe Reichels erklärte Lieblingsrolle.
"Auch in Bernard Shaws 'Heiliger Johanna' erkundete sie diese Figur, und noch im hohen Alter trug sie den Johanna-Stoff als Ein-Personen-Stück vor."
Ausführlich wohlwollende bis euphorische Rezensionen gelten in den Feuilletons vom Wochenende der Ausstellung "Abschied vom Ikarus" im Neuen Museum in Weimar. Ingeborg Ruthe fasst in der FRANKFURTER RUNDSCHAU zusammen.
"Kunst aus dem anderen Deutschland. Kunst einer zerbrochenen Gesellschafts-Utopie: Der abgestürzte Ikarus, der aus dem brennenden Welttheater rennende Prometheus, der erschöpfte Sisyphos sind Leitmotive. Sogenannte Staatskünstler malten diese aktuell-mythischen Gestalten ebenso wie die stillen Mitläufer, die Jüngeren, die Enttäuschten, die Renitenten aus der Subkultur. Die Ausstellung ist gelungen als Besichtigung einer Ära und ihrer Kunst. Und die verlangt endlich eine faire Neubewertung."
Jens Bisky erinnert in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG an die Ausstellung von DDR-Kunst in Weimar 1999 und den damals darauf folgenden heftigen Bilderstreit. Zur aktuellen Ausstellung meint er:
"Für jeden, der im Museum das Knie nicht beugen, aber seine Zeit kennenlernen will, ist diese Ausstellung ein Befreiungsschlag. Sie rekonstruiert die Bildwelten eines versunkenen Landes."
Auch Nicola Kuhn nimmt im TAGESSPIEGEL diesen Grundton auf:
"Die Ausstellung versucht eine Revision der DDR-Kunst."
Sie findet in der Beispiele für
"eine erstaunliche Neubewertung"
und
"eine malerische Qualität, die gerade von jüngeren Künstlern, die wieder gegenständlich malen, gewürdigt wird. Für sie könnte die Ikarus-Ausstellung ein Mekka werden."
Auch Luc Bondys Inszenierung von Harold Pinters "Die Heimkehr" im Pariser Odéon-Théatre wird vielstimmig gelobt. Barbara Villiger Heilig hebt in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG die Leistung von Bruno Ganz hervor.
"Das Wohnzimmer ist in Pinters Stück der Schauplatz familiärer Konflikte. Bruno Ganz als Max und Micha Lescot als Lenny schenken sich nichts. Ganz macht sich den Text zu eigen, als Familienvater – und als Sehnsüchtiger."
Ulrich Weinzierl spricht in der Tageszeitung DIE WELT gar von
"einem wahrhaft europäischen Bühnenereignis".
Und von Bruno Ganz berichtet er:
"Seine Augen funkeln vor Bosheit. Er hat das Format von einem König Lear, der sein Reich nicht töricht verschenkt."