Von Adelheid Wedel

Die "NZZ" nähert sich in der Besprechung einer Leipziger Ausstellung den Unterschieden von Science Fiction in Ost und West. Die "Berliner Zeitung" spricht mit dem Filmemacher Alex Gibney über den Unterschied zwischen "Spionen" und "Aufklärern" und die "SZ" interessiert sich für Gorbatschows Enkelin.
"Ende des 19. Jahrhunderts, die Erde ist weitgehend erkundet, zieht es die Phantasie hinaus ins All."

Diese einleuchtende Begründung für das Entstehen von Science-Fiction-Literatur liefert uns die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Joachim Güntner rezensiert eine Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig.

"Was dort an Exponaten aus mehr als hundert Jahren Zukunfts-Phantastik versammelt, bzw. vom Bonner Haus der Geschichte übernommen wurde, bildet einen vergnüglichen Parcours," schwärmt der Autor. Charakteristisch sei, "dass jede Zukunftsvision ein Kind ihrer Zeit ist, sie spiegelt die Wünsche und Ängste, die Lebensformen und technischen Gegebenheiten ihrer Gegenwart."

Und so nimmt es nicht wunder, dass auch der Kalte Krieg seinen Part bekommt. Zu lesen ist eine Losung, die die DDR 1961 ausgegeben hatte:

"Im Kosmos rote Fahnen wehen, derweil die Amis baden gehen." Das widerspiegelt die euphorische Phase des Ostens nach Sputnik-Start und Gagarins erstem Raumflug.

Da schien die Welt für einige noch in Ordnung, jetzt aber lesen wir vom "erschütterten Vertrauen zum 'großen Bruder'" USA. Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler macht sich in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG über eine ganze Seite Gedanken dazu und beginnt zunächst versöhnlerisch:

"Eine Macht, die noch immer als Garantin der globalen Ordnung und ihrer Spielregeln gelten darf, hat naturgemäß großen Bedarf an Informationen."

Dann aber fragt er nach den politisch-strategischen Folgen des transatlantischen Abhörskandals. Zunächst die Fakten:

"In Deutschland gibt es seit langem eine ganze Reihe amerikanischer Lausch- und Abhöreinrichtungen. Einige davon sind Relikte des Kalten Krieges und inzwischen aufgegeben, andere arbeiten offenbar weiter." Die folgenden Überlegungen sind desillusionierend. Münkler schreibt: "Wer geglaubt hat, mit dem Ende der Ost-West-Konfrontation sei das Abhören zu Ende gegangen, sieht sich nun eines Besseren belehrt. Eines Besseren belehrt sehen sich auch diejenigen, die geglaubt haben, die amerikanische Überwachung der Telefon- und Internetkommunikation diene allein der Abwehr terroristischer Bedrohungen. [...] Zu beiden Gruppen der Enttäuschten werden schon bald diejenigen hinzukommen, die zurzeit noch glauben, sie würden von den USA eine umfassende Aufklärung in der Angelegenheit bekommen. Die US-Administration wird eines der strategisch wichtigsten Elemente globaler Dominanz nicht aus der Hand geben wollen."

Passend zu dem Thema druckt die BERLINER ZEITUNG ein Interview mit dem Dokumentarfilmer Alex Gibney, "einem der bekanntesten kritischen Chronisten der amerikanischen Gesellschaft." Für seinen Afghanistan-Film "Taxi to the Dark Side" erhielt er 2007 den Oscar. Am 11. Juli startet in Deutschland sein Wikileaks-Film "We Steel Secrets". Im Gespräch nimmt Gibney zunächst Assange in Schutz, berichtet aber gleichzeitig von einer bizarren Forderung des Wikileaks-Gründers. Zunächst wollte er für ein Interview Geld. Als Gibney das ablehnte, forderte Assange, "der Filmemacher könnte ihm dabei helfen, den Wikileaks-Mitarbeitern Birgitta Jonsdottir und Daniel Domscheit-Berg hinterher zu spionieren."

Gibney lehnte das entschieden ab: "So handelt kein Aufklärer. So handelt ein Spion." Da habe sich seine Meinung über Assange während der Arbeiten am Film geändert: "Und wie! Sie wurde viel kritischer."

Das Neue Russland stellt uns die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vor, in Gestalt der Enkelin Michail Gorbatschows. Sie wird die Chefin eines Modemagazins, "das russisch ist und doch auch westlich zugleich. Vielleicht habe ihr der Nachnahme bei ihrer Karriere" geholfen, meint Xenia Gorbatschowa, aber sie weiß es nicht. Nein, politische Journalistin wollte sie nicht werden:

"Ein Politiker in der Familie ist genug," meint sie entschlossen, ihr Großvater sehe das auch so. "Du musst viel arbeiten," sagt er ihr, "sei seriös dabei."