Vom Urknall bis zur Blumenblüte
Warum platzen Würstchen im heißen Wasser immer in Längsrichtung auf? Gibt es Energie aus dem Nichts? Wie findet man heraus, ob Schmuckgold gestreckt ist? Ist ein Frontalzusammenstoß zweier Autos schlimmer als die Fahrt einzeln gegen eine Wand? Und warum fliegen Flugzeuge?
Christoph Drösser, Autor der Kolumne "Stimmt's?" in der Wochenzeitung "Die Zeit", geht in seinem "Physikverführer" vielen alltäglichen Erlebnissen nach und klopft sie auf ihren physikalischen Gehalt ab. Der ist meist größer als viele denken. Denn ob Urknall oder blühende Blume – die Physik liegt allen Phänomenen unserer Welt zugrunde.
"Versuchsanordnungen für alle Lebenslagen" lautet der Untertitel dieses Taschenbuchs. So streift der Autor in vierzehn Kapiteln durch viele Bereiche der Physik und lässt einige Experimente vor dem geistigen Auge ablaufen. Stets sorgen ein paar Anekdoten und kurzweilige Beispiele für einen lockeren Plauderton. Mal warten die Leser im Vorzimmer des Patentamts und bekommen Tipps, wie ein - physikalisch unmögliches – Perpetuum Mobile doch offizielle Anerkennung findet. Dann lauscht man den schön klingenden, aber falschen Erklärungen eines gestressten Vaters, der mit fatalem Halbwissen vor den Fragen des Filius nach Jahreszeiten und Schwerelosigkeit kapituliert.
Doch Vorsicht: Dieses Buch ist auch ein Mathematik-Buch. Christoph Drösser, von Hause aus Mathematiker, hat zuvor bereits den "Mathematikverführer" geschrieben. Und auch in diesem Buch mutet er seinen Lesern viele Formeln zu. Eine physikalische Formel, so schreibt er, bringe einen Zusammenhang besser auf den Punkt als ein blumiger Satz. Das stimmt, verschreckt aber sicher etliche Leser.
Die Teile des Buches, in denen viel gerechnet wird, sind grau unterlegt. Man kann sie überspringen und dennoch dem Gedankengang des Kapitels im Wesentlichen folgen. Wirklich verzichtbar seien sie aber nicht, betont der Autor. Um tief in die Thematik einzudringen, komme man um eigene Rechnungen mit Papier und Bleistift kaum herum.
Als Ansporn gibt es in jedem Kapitel kleine Aufgaben, deren Lösungen sich am Schluss des Buches finden. Das hat dann schon etwas von launigem Physikunterricht. Einige Zeichnungen illustrieren die behandelten Experimente und hier und da hilft eine Grafik, die vorgestellten Gleichungen besser zu verstehen.
Natürlich dürfen auch Quantenmechanik und Relativitätstheorie in einem Physikverführer nicht fehlen. Aber in den meisten Kapiteln geht es um die ganz klassische und sehr konkrete Physik unseres Alltags, die wir uns alle gut vorstellen können. Das belegen auch die kuriosen Top Zwölf der physikalischen Formeln im Anhang. Die berühmte Einsteingleichung landet dort nur auf dem vorletzten Platz.
Die kurzen Kapitel bauen thematisch nicht aufeinander auf, sodass sich in diesem Buch nach Herzenslust stöbern lässt. Ob auf dem Nachttisch oder in der U-Bahn: Man kann sich auch mal eben zwischendurch dem Reiz der Physik hingeben. Der Physikverführer dürfte vor allem den Charme haben, bei Physikern, die jetzt außerhalb ihres Fachs tätig sind und viel vergessen haben, der alten Liebe zu ihrer Disziplin neuen Schwung zu verleihen.
Besprochen von Dirk Lorenzen
Christoph Drösser: Der Physikverführer - Versuchsanordnungen für alle Lebenslagen
rororo Verlag, Reinbek 2010
240 Seiten, 8,95 Euro
"Versuchsanordnungen für alle Lebenslagen" lautet der Untertitel dieses Taschenbuchs. So streift der Autor in vierzehn Kapiteln durch viele Bereiche der Physik und lässt einige Experimente vor dem geistigen Auge ablaufen. Stets sorgen ein paar Anekdoten und kurzweilige Beispiele für einen lockeren Plauderton. Mal warten die Leser im Vorzimmer des Patentamts und bekommen Tipps, wie ein - physikalisch unmögliches – Perpetuum Mobile doch offizielle Anerkennung findet. Dann lauscht man den schön klingenden, aber falschen Erklärungen eines gestressten Vaters, der mit fatalem Halbwissen vor den Fragen des Filius nach Jahreszeiten und Schwerelosigkeit kapituliert.
Doch Vorsicht: Dieses Buch ist auch ein Mathematik-Buch. Christoph Drösser, von Hause aus Mathematiker, hat zuvor bereits den "Mathematikverführer" geschrieben. Und auch in diesem Buch mutet er seinen Lesern viele Formeln zu. Eine physikalische Formel, so schreibt er, bringe einen Zusammenhang besser auf den Punkt als ein blumiger Satz. Das stimmt, verschreckt aber sicher etliche Leser.
Die Teile des Buches, in denen viel gerechnet wird, sind grau unterlegt. Man kann sie überspringen und dennoch dem Gedankengang des Kapitels im Wesentlichen folgen. Wirklich verzichtbar seien sie aber nicht, betont der Autor. Um tief in die Thematik einzudringen, komme man um eigene Rechnungen mit Papier und Bleistift kaum herum.
Als Ansporn gibt es in jedem Kapitel kleine Aufgaben, deren Lösungen sich am Schluss des Buches finden. Das hat dann schon etwas von launigem Physikunterricht. Einige Zeichnungen illustrieren die behandelten Experimente und hier und da hilft eine Grafik, die vorgestellten Gleichungen besser zu verstehen.
Natürlich dürfen auch Quantenmechanik und Relativitätstheorie in einem Physikverführer nicht fehlen. Aber in den meisten Kapiteln geht es um die ganz klassische und sehr konkrete Physik unseres Alltags, die wir uns alle gut vorstellen können. Das belegen auch die kuriosen Top Zwölf der physikalischen Formeln im Anhang. Die berühmte Einsteingleichung landet dort nur auf dem vorletzten Platz.
Die kurzen Kapitel bauen thematisch nicht aufeinander auf, sodass sich in diesem Buch nach Herzenslust stöbern lässt. Ob auf dem Nachttisch oder in der U-Bahn: Man kann sich auch mal eben zwischendurch dem Reiz der Physik hingeben. Der Physikverführer dürfte vor allem den Charme haben, bei Physikern, die jetzt außerhalb ihres Fachs tätig sind und viel vergessen haben, der alten Liebe zu ihrer Disziplin neuen Schwung zu verleihen.
Besprochen von Dirk Lorenzen
Christoph Drösser: Der Physikverführer - Versuchsanordnungen für alle Lebenslagen
rororo Verlag, Reinbek 2010
240 Seiten, 8,95 Euro
